Peißen l Erwin Bugar war am Dienstag die Anspannung ins Gesicht geschrieben. Dem Präsidenten des Nordostdeutschen Fußballverbandes (NOFV) war bewusst, wie wichtig die Tagung in Peißen zur Regionalliga-Struktur und zur Aufstiegsregelung in die 3. Liga war. Es ging um die Zukunft der Regionalliga Nordost. „Ich will die Regionalliga Nordost unter allen Umständen erhalten“, betonte Bugar.

Das Engagement des NOFV-Präsidenten zahlte sich aus. Nach mehr als vier Stunden endete die Tagung mit einem klaren Votum: 47 Vereinsvertreter sprachen sich gegen eine Reduzierung von drei auf zwei Regionalligen aus. Vier Vertreter enthielten sich, niemand stimmt dafür. Das bedeutet: Die Regionalliga Nordost soll genauso bestehen bleiben wie die Nord- und Bayern-Staffeln. „Wir haben einen großen Schritt gemacht“, sagte Bugar. „Die Nordost-Staffel und die Existenz des NOFV ist vorerst gesichert.“

Erleichterung nach der Abstimmung

Dem NOFV-Präsidenten war die Erleichterung nach der Abstimmung anzumerken. „Wir wussten alle nicht, welches Meinungsbild herauskommt. Ich spreche den Vertretern der Bayern- und Nord-Staffeln meinen Respekt aus. Sie haben sich klar zu uns bekannt. Wir haben jetzt gute Grundlagen für die weitere Arbeit geschaffen“, so Bugar.

Auch Rainer Koch, Vize-Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), war am Ende des Tages zufrieden. „Mir war es wichtig, dass wir ein geschlossenes Meinungsbild haben. Und genau das haben wir jetzt“, sagte er. „Es ist nicht verantwortbar, regionale Identitäten zu zerstören.“

Zur Bedeutung des Votums sagte Koch: „Diese Abstimmung ist zwar nicht bindend. Es ist aber ein einstimmiges Meinungsbild, das dem DFB jetzt übermittelt wird. Entsprechend groß ist auch das Gewicht dieser Entscheidung.“

DFB-Bundestag im September

Im September findet der DFB-Bundestag statt. Dort soll dann endgültig über die Zukunft der Regionalligen abgestimmt werden. „Wir können uns jetzt noch lange nicht zurücklehnen“, betonte Bugar.

Offen blieb gestern hingegen, wie die Meister der Nordost-, Nord- und Bayern-Staffeln künftig zwei Aufsteiger ausspielen sollen. Momentan haben die Regionalligisten Südwest und West jeweils einen festen Aufsteiger. Aus den drei anderen Regionalligen wird derzeit in einem rollierenden System jährlich ein fester Aufsteiger gewechselt, der zweite in einem Relegationsduell ermittelt. „Wie wir das in Zukunft machen, werden wir noch diskutieren müssen. Ein Modus muss noch gefunden werden“, so Koch.

Fest steht: Der NOFV hatte im Vorfeld der Tagung seine Hausaufgaben gemacht. Ende der vergangenen Woche schickte der Verband ein Schreiben an die Nordost-Vereine. In diesem Schreiben, das der Volksstimme vorliegt, wirbt der Verband dafür, die Entscheidungsfindung zur Regionalliga-Reform aufzuschieben – und bis dahin an den bisherigen Staffeleinteilungen festzuhalten. Offensichtlich regte das Schriftstück einige Vereinsvertreter zum Nachdenken an.

Ernüchterung bei Drittligisten

Die Vertreter der Drittligisten waren dagegen ernüchtert. „Wir sind nach intensiven Diskussionen mit einem vierten Absteiger in Vorleistung gegangen“, sagte Sven-Uwe Kühn, Sprecher der 3. Liga im DFB-Spielausschuss. Was Kühn meint: Die Drittligisten gingen unter der Annahme auf einen zusätzlichen Absteiger ein, dass jeder Regionalliga-Meister künftig auch aufsteigt. „Deshalb sind wir jetzt nach dem Votum natürlich enttäuscht“, betonte Kühn.

Klar ist auch: Eine Aufstockung der 3. Liga von 20 auf 22 Vereine bei fünf Absteigern und fünf Regionalliga-Aufsteigern sei genauso schwer realisierbar wie eine neue zweigleisige 4. Liga oberhalb der Regionalligen. „Das ist finanziell kaum darstellbar“, so Koch.