Ilsenburg l Mit einem gebrochenen Wadenbein kann man nicht mehr laufen, sogar kaum gehen und erst recht nicht hüpfen. Mit einem gebrochenen Wadenbein schleicht man seinen Körper durchs Leben. Es dauert normalerweise viele Wochen, ja Monate, ehe es vollständig verheilt ist. Toni Eggert kann auch noch nicht hüpfen. „Aber alles, was zum Rodeln gehört, kann ich auch machen“, sagt der 30-Jährige.

In nur fünf Wochen ist er vom Trainingsunfall in Oberhof über die Reha in Donau- stauf bis zum Weltcup-Start Ende November in Innsbruck gegangen. Und vier Stationen weiter steht der Doppelsitzer-Pilot aus Ilsenburg mit seinem Sozius Sascha Benecken wieder an der Spitze der Gesamtwertung. „Das war definitiv unser Ziel, bis zum Jahresende Erster zu sein“, berichtet Eggert. Dafür hat das Duo zwei Siege und zwei zweite Plätze im normalen Wettbewerb sowie einen ersten und einen fünften Rang im Sprint eingefahren.

Nach der Übersee-Tour, die am vorvergangenen Wochenende in Lake Placid (USA) zu Ende gegangen war, hat sich Eggert zunächst nach Arnstadt begeben, ist in die kleine JAK 52 gestiegen und hat mit seiner Lizenz zum Kunstfliegen einige schwindelerregende Figuren am Himmel produziert. Davon zeugt ein Video, das er auf seiner Facebook-Seite veröffentlicht hat. Fliegen macht ihm nicht nur Spaß. Es dient auch, „um einfach mal den Kopf freizukriegen“, bestätigt er. Auch für die nächsten Ziele.

Training in Bayern

Für diese stand er am Samstagabend während des Telefonats mit der Volksstimme aber schon wieder in der Werkstatt in Ilsenburg. Und suchte gerade nach einer passenden Schraube für seinen neuen Schlitten. „Wir haben einen neuen gebaut im Sommer, konnten den aber noch gar nicht probieren“, sagt Eggert. Das wollen sie nun nachholen. Schon am 27. Dezember packen Eggert und Benecken wieder den Transporter und treten die Reise nach Berchtesgaden an. „Wir haben noch Trainingsfahrten aufzuholen.“ Und zwar viele. Deshalb bleiben sie bis zum fünften Weltcup am 5./6. Januar in Königssee gleich in Bayern.

Lob an den Konkurrenten

Dort warten dann mit Tobias Wendl/Tobias Arlt nicht nur die härtesten Konkurrenten aus der eigenen Mannschaft und die Lokalmatadoren, dort werden auch Thomas Steu und Lorenz Koller wieder ein ernstes Wörtchen um den Sieg mitreden. Die Olympia-Vierten von Pyeongchang sind erfolgreich in die Fußstapfen der Silbergewinner in Südkorea, Peter Penz/Georg Fischler, getreten und hatten in Innsbruck das Auftaktrennen für sich entschieden. Penz/Fischler haben indes ihre Karriere beendet. „Große Konkurrenz haben wir schon in den eigenen Reihen, aber für den Rodelsport ist es natürlich gut, wenn es sie auch international gibt“, sagte der Olympiadritte Eggert und lobte zugleich den Piloten Steu: „Er fährt sehr gut, das muss man anerkennen.“

Auch Toni Eggert will weiterhin gut fahren durch die zweite Saisonhälfte. Das lädierte Wadenbein wird ihn dabei nicht aufhalten, es schwillt allenfalls noch ein wenig an. Und er will Ende Januar wieder feiern. Dann in Winterberg im Hochsauerland, wo die Weltmeisterschaft ausgetragen wird. Eggert und Benecken sind die Titelverteidiger.

Familienparty in Winterberg?

Vielleicht wird diese WM sogar eine Familienfeier. Denn auch Julia Taubitz, die Lebensgefährtin von Eggert, fährt überraschend stark durch die Saison mit einem Sieg, zwei zweiten und einem dritten Rang im Einsitzer-Wettbewerb. „Ich bin überrascht von dem großen Sprung in ihrer Entwicklung“, sagt Eggert bewundernd. Bislang haben sie die Korken noch nicht knallen lassen. Oder wie Eggert seinen Arzt zitierte: „Leistungssport ist Verzicht und Disziplin.“

Das kann man nach einer glänzenden WM auch mal vergessen. Nicht zu vergessen ist indes: Eggert kann bis zu seinem Start bei den Titelkämpfen sicher wieder hüpfen.