Innsbruck/Magdeburg l Bis zum Sonnabend hatte womöglich niemand Sascha Benecken danach befragt, wie er mit der Verletzung von Toni Eggert umgegangen war. Nach dem ersten Weltcup berichtete er dann ausführlich im ZDF über seine Gefühlslage. „Ich war der letzte Mohikaner“, sagte „Rucksack“ Benecken vor laufender Kamera. Es sei ein „komisches Gefühl“ gewesen, ganz allein in Oberhof zu trainieren, während sich sein Doppelsitzer-Pilot Eggert in der Reha für den Weltcup-Start in Innsbruck (Österreich) quälte. Zu diesem hatten sie es nun pünktlich geschafft – und ihn mit Rang zwei im normalen und Rang fünf im Sprint-Wettbewerb beendet. „Für einen Kaltstart war das gar nicht schlecht gewesen“, resümierte der Suhler Benecken.

Für den Ilsenburger Eggert war es indes „schon ein großer Erfolg, leistungsfähig an den Start zu gehen“, betonte der 30-Jährige, der sich fünf Wochen zuvor einen Wadenbeinbruch bei einem Trainingssturz in Oberhof zugezogen hatte und der das Auftakt-Ergebnis wie folgt konstatierte: „Wir hatten kleine Schwierigkeiten gehabt. Und ,leider‘ hat es nur zum zweiten Platz gereicht.“ Zum Sieg fuhr das österreichische Duo Thomas Steu/Lorenz Koller. Mit 1:19,476 Minuten nach zwei Wertungsläufen hatten sie 0,180 Sekunden Vorsprung auf Eggert/Benecken. Als zweitbestes deutsches Team kamen nach katastrophalem erstem Durchgang Tobias Wendl/Tobias Arlt als Siebte ins Ziel. Sie belegten am Sonntag beim zweiten Sieg für Steu/Koller im Sprint den dritten Platz.

Gesprintet ist auch Tatjana Hüfner in Innsbruck. Sie rodelte in diesem (noch) nichtolympischen Wettbewerb, bei dem die Zeitmesssung erst 40 Meter nach dem Start beginnt, auf Rang 15. Am Sonnabend war sie zum Auftakt auf Rang drei im Einsitzer-Wettbewerb gefahren. Und befand: „Das war ein wackeliger Einstand, ich habe beide Läufe ziemlich runtergezittert.“

Noch Luft nach oben

Die 35-Jährige aus Blankenburg, die sich auf die Abschiedstour ihrer Karriere begeben hat, hatte nach zwei Läufen und einer Gesamtzeit von 1:19,885 Minuten 0,266 Sekunden Rückstand auf Natalie Geisenberger und 0,23 auf Julia Taubitz, womit die deutschen Damen einen Dreifach-Triumph feierten. Hüfner war dabei volles Riskio gegangen, entsprechend hatte sie ihren Schlitten eingestellt. „Aber das Wetter hatte mir einen Strich durch die Rechnung gemacht“, erklärte sie. „Es war deutlich wärmer als an den beiden Trainingstagen.“ Dadurch weichte das Eis auf, dadurch geriet ihr Schlitten ins Schlingern. „Auf jeden Fall ist noch Luft nach oben“, so Hüfner.

Den Steigerungsbedarf will sie bereits in den kommenden Übersee-Weltcups decken. Nach Whistler (Kanada) am kommenden Wochenende folgen Calgary (Kanada) und Lake Placid (USA), ehe es für die Rodler in die Weihnachtspause geht. Vor dem Start in Whistler können indes auch Eggert und Benecken verlorene Trainingszeit aufholen. Fünf Einheiten sind vor dem Wettkampf angesetzt. „Aber wir können uns schnell auf die Begebenheiten einstellen“, ist sich der Sozius auf dem Doppelsitzer sicher. Zudem habe das Ergebnis von Innsbruck auch gezeigt, dass „unsere Sommervorbereitung sehr gut war“. Und das ist kein komisches, sondern ein sehr gutes Gefühl.