Blankenburg l Jens Eggert hatte es oft probiert in den vergangenen Jahren, aber es musste erst der 18. März 2016 kommen, ehe seine Bemühungen von Erfolg gekrönt wurden. Der Präsident des Rodel- und Bobsportverbandes Sachsen-Anhalt nahm an jenem Tag bei der Sportlerehrung des Landkreises Harz in Halberstadt den Ehrengast Tatjana Hüfner zur Seite. „Er hat mich gefragt, ob ich nicht dort meine Karriere beenden will, wo für mich alles begann“, sagt die Rennrodlerin: „Damit hatte er einen Nerv getroffen.“ Den Nerv der Heimatverbundenheit nämlich, weshalb die 32-Jährige nicht lange überlegen musste. Ab 1. Mai startet sie wieder für den RC Blankenburg: „So schließt sich der Kreis.“

Und Eggert ist begeistert: „Ich freue mich, dass Tatjana unser Sachsen-Anhalt-Team verstärken wird.“ Im kommenden vorolympischen Winter stellt sein Verband vier Bob- anschieber vom Mitteldeutschen Sportclub und SV Halle sowie mit Hüfner und Toni Eggert (BRC Ilsenburg) zwei Rodler, die sich für die Elite-Weltmeisterschaften qualifizieren und dort um Medaillen kämpfen wollen.

Nach Blankenburg hatte es Hüfner mit ihren Eltern und den beiden Geschwistern 1988 verschlagen aus dem verschlafenen Fehrbellin im Brandenburgischen. Vier Jahre später bestritt sie für den RC ihre ersten Rennen. „Ich habe meine Wurzeln auch nie verschwiegen, denn ich habe meinen ersten Trainern Helmut Zimmermann und Hans-Werner Stollberg viel zu verdanken. Hätten sie mein Talent nicht erkannt, wäre ich nie auf der Sportschule gelandet“, weiß sie. Und sie wäre nie Olympia-Siegerin in Vancouver 2010 geworden, hätte nie Bronze in Turin 2006 und Silber 2014 in Sotschi gewonnen, hätte nie vier Weltmeister-Titel im Einzel geholt.

Ihre Erfahrungen gibt sie gerne weiter, vor allem an die jungen Athleten an ihrem Trainingsstützpunkt Oberhof. Sie ist „immer ansprechbar für die Kids“. Man sagt ihr selbst im Bob- und Rennrodelverband für Deutschland einen tollen Umgang mit Kindern nach. Hüfner: „Ich denke, dass ich sehr gut auf Kinder eingehen kann. Und ich bin mir bewusst – in Blankenburg im Speziellen –, von jungen Sportlern beobachtet zu werden.“

Das kann Eggert bestätigen. Circa 20 Nachwuchsathleten im Alter von sechs bis 15 Jahren zählen die drei Rennrodelvereine Schierker RBV, BRC Ilsenburg und Blankenburg. „Als Sportlerin aus der Region ist sie ein großes Vorbild“, sagt der 52-Jährige, der sich von Hüfners Rückkehr einen noch größeren Zulauf erhofft.

Hüfner kann sich durchaus vorstellen, nach ihrer Karriere eine Nachwuchsgruppe zu trainieren und „Mädchen und Jungen die Begeisterung am Rennrodeln zu vermitteln“. Aber das ist eine Zukunftsmusik, die sie noch nicht spielen will. Es steht gerade die Bachelor-Arbeit in ihrem Studium zur Kindheitspädagogik an, es beginnt bald die Vorbereitung auf die neue Saison. Vielleicht werden auch noch ihre vierten Winterspiele in Pyeongchang (Südkorea) 2018 folgen. Blankenburg ist gespannt.