Ilsenburg l „Hugo“ wird nicht elendig verenden auf einer Deponie irgendwo in der einsamen Vorstadt-Öde. „Hugo“ wird in Ehren gehalten, vielleicht bekommt der blaue Schlitten sogar eine Sonderaufhängung in der Garage. „Hugo“ heißt der treue Flitzer des Rennrodel-Doppelsitzers mit dem Ilsenburger Piloten Toni Eggert und dem Suhler „Sozius“ Sascha Benecken aus der abgelaufenen Saison. Jetzt macht „Hugo“ Pause, und vielleicht dauert diese nur einen Frühling und einen Sommer lang. „Hugo“ wäre also bereit für die Olympischen Spiele 2018 in Pyeongchang (Südkorea). „Wir werden ihn nicht verschrotten“, versprach jedenfalls Eggert.

Er und Benecken haben 2016/17 mit „Hugo“ ihren erfolgreichsten Winter gefeiert, im verflixten siebten Jahr ihrer gemeinsamen Arbeit in den Eiskanälen dieser Welt. Sie sind in Innsbruck erstmals Weltmeister geworden, sie haben den Gesamt-Weltcup gewonnen. Sie haben von zwölf Saisonrennen neun gewonnen. Nach dem letzten Lauf in Altenberg, zehn Tage ist es her, erklärte der 27-jährige Benecken vor laufender Kamera: „Wir haben gesehen, wofür wir vor der Saison schwitzen und rackern und uns schinden.“ Das klang wie eine Kampfansage. Eggert sagte später: „Nach dem letzten Saisonrennen ist vor Olympia.“

Eggert/Benecken sind in einer eigenen Liga gefahren. Aber in einer Liga, „zu der ich auch Tobias Wendl/Tobias Arlt zähle“, meinte Eggert, wenngleich die größten Konkurrenten und Olympiasieger diesmal nur selten eine gute Spur fanden. Aber davon lässt sich der 28-jährige Eggert nicht irritieren. „Die Konkurrenz schläft nicht“, ist er sich sicher. Deshalb wird es nach ein paar erholsamen Tagen in Ilsenburg, nach einem Urlaub in Österreich mit Freundin Julia Taubitz (ebenfalls Rodlerin) und nach einigen Ausflügen als passionierter Kunstflieger vermutlich nächtelang wieder in die Werkstatt gehen. Denn „Hugo“ soll einen Nachfolger bekommen. „Es gibt immer etwas, was wir noch besser machen können“, berichtete Eggert, der seit 2014 seine Schlitten in Zusammenarbeit mit ThyssenKrupp baut. „Hugo“ wechselt also zunächst auf die Ersatzbank.

Der Schlitten allein macht natürlich nicht den Erfolg. Der ehrgeizige Pilot Eggert hat inzwischen reichlich Erfahrung gesammelt auf den internationalen Bahnen, um die Kunst des Siegens konstant zu beherrschen. „Wir haben uns in jedem Jahr stetig verbessert. Erst waren wir dran an Wendl/Arlt, dann waren wir gleichauf, diesmal waren wir vorn“, resümierte Eggert. Wie bei der WM in Innsbruck, von der lauter Jubelbilder existieren.

Solche Bilder soll es 2018 auch aus Pyeongchang geben. Die Generalprobe auf der 1202 Meter langen Olympia-Bahn haben Eggert/Benecken mit Bahnrekord (46,722 Sekunden) gewonnen. Und sie haben sich nicht so sehr an der komplizierten Kurve neun gestört, an der fast alle Frauen, aber auch viele Doppelsitzer scheiterten. „Auch wir sind dort nicht perfekt rausgefahren. Aber ich finde die Bahn cool, sie ist wie für uns gemacht, der Schlitten lief extrem gut“, berichtete Eggert über jenen 18. Februar, als das Duo vorzeitig den Gesamtweltcup-Erfolg, bereits den zweiten nach 2015, perfekt machte.

Benecken und Eggert haben also allen Grund, um sich an den letzten Winter gerne zurückzuerinnern, aber es soll nicht die schönste Erinnerung bleiben. Eggert: „Es wäre nach dieser Saison ja verrückt, wenn der Olympiasieg nicht unser Ziel wäre.“ Mit altem oder neuem „Hugo“.