Magdeburg l Im Büro von Coach Roland Oesemann lief am Donnerstag vor dem Training der Laptop heiß. Die bewegten Bilder im Internet und vom ersten Weltcup in Belgrad (Serbien) am Wochenende zuvor sollten seinem Schützling Aufschlüsse über Schlagfrequenzen geben. Max Appel vom SC Magdeburg ist in dieser Hinsicht noch zu ruhig. Er fordert von sich selbst 31 Schläge pro Minute ab. „Dann habe ich zwar einen guten Schub, aber das ist natürlich sehr kraftraubend“, analysiert der 22-Jährige. 34 Schläge wären wünschenswert. „Aber bei höheren Frequenzen verliere ich noch Technik und Geschwindigkeit.“ Bei jenen Frequenzen, wie sie Oliver Zeidler (Ingolstadt) in Belgrad gefahren ist und Überraschungsdritter wurde. Appel erreichte Rang fünf im B-Finale.

Appel gehört auch in diesem Jahr zum Kreis der Nationalmannschaft des Deutschen Ruderverbandes (DRV). Er ist allerdings der Ersatzmann. Und er hatte nur deshalb die Chance, sich in Belgrad zu beweisen, weil der etatmäßige Einerfahrer Tim-Ole Naske (Hamburg) mit einem Muskelfaserriss im Arm ausgefallen war. Naske, 22 Jahre, ist im April zum zweiten Mal in Folge deutscher Kleinboot-Meister geworden, Appel belegte nur Rang 13. Und deshalb lautet sein Zwischenfazit: „Die Saison verlief nicht so, wie ich es mir vorgestellt habe.“

Ein schlechtes Rennen, das Viertelfinale bei den Titelkämpfen in Essen, hat ihn einen festen Platz im DRV-Boot gekostet. Sein Sieg im C-Finale mit der schnellsten Zeit im gesamten Feld konnte daran nichts mehr ändern. Appel ist dennoch bei allen DRV-Lehrgängen dabei, Appel trainiert mit Naske zusammen. Appel beißt sich durch. Und er weiß jetzt, „wie es sich anfühlt, Ersatzmann zu sein“. Nicht gut. Aber besser in diesem als im nächsten Jahr, dem vorolympischen. „Denn das ist das Wichtigere“, sagt Appel, der 2017 Achter im Doppelvierer bei der Weltmeisterschaft in Sarasota (USA) wurde.

Für diese Saison gilt allein das Prinzip Hoffnung, „dass ich noch irgendwo reinrutschen kann“. Die Chance, in den Doppelvierer zu rudern für die nächste WM im September in Plovdiv (Bulgarien), ist in Belgrad allerdings geschrumpft. Das Boot mit seinem SCM-Gefährten Philipp Syring fuhr auf Rang zwei. Syring trainiert seit Jahresbeginn in Hamburg am Bundesstützpunkt. „Natürlich fehlt bei gewissen Belastungen der Sparringpartner, aber letztlich ist das Training individuell ausgelegt, jeder macht sein Ding“, erklärt Appel seine Situation in Magdeburg. Ab November, wenn für den Olympiakader der Skuller in Hamburg bereits die Vorbereitung auf die Sommerspiele in Tokio 2020 beginnt, trainieren sie wieder regelmäßig miteinander. Fünf Tage pro Woche. Der Ruderverband ist wohl der einzige, der im Zuge der Leistungssportreform auf Zentralisierung setzt.

Bis November muss Appel allerdings beruflich noch einiges klären. Am kommenden Mittwoch hat er seine praktische Prüfung zum Industriemechaniker. Was dann kommt, ist ungewiss. Anstellung, Fachabitur, Bundeswehr: „Es gibt mehrere Ansätze, die wir gerade prüfen“, sagt Trainer Oesemann. Einen Ansatz für eine bessere Leistung auf dem Wasser haben sie derweil gefunden: die Schlagfrequenz. Die muss er nun trainieren und stabilisieren, um 2019 wieder einen festen Platz im DRV-Boot zu besetzen.