Hamburg/Magdeburg l Philipp Syring hat sich gequält, hat Übungen absolviert, „die einige nicht mal gesund absolvieren würden“, sagt er. Vor sieben Wochen hat niemand damit gerechnet, dass der Ruderer vom SC Magdeburg in dieser Saison zurückkehren würde. Am allerwenigsten: Philipp Syring.

Nach einem Trümmerbruch im linken Mittelfuß, zugezogen beim Fußball im Trainingslager in Lago Azul (Portugal), wurde ihm ein langwieriger Genesungsprozess prognostiziert. Aber eine Woche nach der Operation am 12. Februar stieg er wieder ins Training ein, zwei Wochen später saß er auf dem Ergometer. Und vom 12. bis 14. April startet er in Köln-Fühlingen bei der deutschen Kleinboot-Meisterschaft.

Auf dem Ergometer saß er auch am vergangenen Sonnabend am Olympiastützpunkt in Hamburg. Beim ersten Test für die Skuller des Deutschen Ruderverbandes (DRV), die seit November in der Hansestadt von Trainer Marcus Schwarzrock auf die Olympischen Spiele 2020 in Tokio vorbereitet werden. Ein Kamerateam der Internet-Plattform sxulls.de hat Syring dabei begleitet – und herzzerreißende Momente in die Öffentlichkeit befördert. „Ich kriege keine Luft“, hört man den 22-Jährigen rufen. Und: „Mein Fuß, mein Fuß.“ Letztlich hielt er sich diesen und fragte: „Ist er noch dran?“ Der Berliner Karl Schulze hielt Syring derweil fest und lobte ihn respektvoll im Sportlersprech: „Geiler Typ.“

Die gute Nachricht: Der Fuß war und ist dran, er wird durch eine Schiene stabilisiert. Nur im Boot soll ein Spezialschuh für Bewegungsruhe sorgen. Aber so ruhig ist es dann doch nicht. Als Syring beim DRV-Test über 2000 Meter auf dem Wasser den Vorlauf bestritt, „habe ich den Schmerz schon gespürt“, berichtet der 2,03-Meter-Hüne. „Aber für mich war es einfach wichtig, dass ich nach der langen Pause wieder ein Rennen bestreite.“ Auch mit Blick auf die Kleinboot-Meisterschaft.

B-Finale ist das Ziel

Es wäre nun vermessen, von Syring in Köln ein Wunder zu erwarten. „Allein die Teilnahme ist ja ein Wunder“, sagt Syring. Das grüne Licht dafür hat er vom Arzt in Magdeburg bekommen, wo er auch die erste Reha-Phase absolvierte. Gemeinsam mit Heimtrainer Roland Oesemann. „Wir haben mit kleinen Belastungen angefangen“, erklärt der 59-Jährige. „Und wir haben uns die Frage gestellt, ob ein Start bei der Kleinboot-Meisterschaft Sinn macht. Jetzt steht das Ziel.“

Auch für Syrings Teamgefährte Max Appel, der nach seiner Herz-Operation Anfang März erst vor 14 Tagen wieder ins Training eingestiegen ist. Die DRV-Prüfung kam für den 23-Jährigen aber noch zu früh.

„Mein Ziel ist das B-Finale, aber was für mich wirklich möglich ist, kann ich nicht sagen“, blickt Syring auf Köln voraus. An jenem Ort gewann er übrigens vor drei Jahren den Titel. „B-Finale wäre für beide der Kracher“, meint Oesemann.

Syring und Appel wären mit diesem Resultat zumindest im Dunstkreis des engeren Nationalkaders. Insgesamt sieben Skuller sollen bei der Weltmeisterschaft Ende August in Linz (Österreich) im Einer, Doppel-zweier und -vierer die Olympia-Startplätze sichern.

Wie Syring seine Chance auf einen Start bei den Sommerspielen sieht? „Ich weiß, worum es für mich geht. Dafür habe ich die ganzen Schmerzen durchlitten“, betont er, „und weil wir alle am Bundesstützpunkt in Hamburg trainieren, bleibe ich immer auf dem Schirm. Aber ich möchte auch nichts geschenkt haben.“