Plovdiv/Magdeburg l Nach der Weltmeisterschaft wird sich für Max Appel das Leben ändern. Es kommt ein Urlaub, es kommt der Umzug zu den Eltern nach Mölln und die temporäre Trennung von seiner Lena, die weiter in Magdeburg studiert. Und es kommt die Grundausbildung bei der Bundeswehr in Hannover.

Auf dem Trainingsgelände der SCM-Ruderer wird Appel dann höchstens selten auftauchen. „Das ist schon ein komisches Gefühl“, sagte der 22-Jährige. Wie es ein komisches Gefühl ist, Ersatzmann bei der WM zu sein, die am Sonntag in Plovdiv beginnt.

Appel hatte trotzdem ein Rennen auf der künstlich angelegten, 2200 Meter langen Regattastrecke in Bulgarien: Noch vor dem offiziellen Start durfte sich der Skuller bereits am Sonnabend mit den Ersatzfahrern aller anderen Nationen messen. Aber selbst ein Sieg hätte ihn nicht zu Jubelstürmen veranlasst. „Es tut schon weh, bei den Wettbewerben zugucken zu müssen“, erklärte Appel zu seiner Zuschauerrolle bei den Rennen der Doppel-zweier und -vierer. Aber: „Da muss ich jetzt durch.“

Die Gefühlslage seines Teamgefährten Philipp Syring ist dagegen eine ganz andere. Er ist voller Vorfreude, auch wenn er nach fünf Wochen Trainingslager in Weissensee (Österreich) und Ratzeburg nicht danach klingt. „Ich bin ziemlich kaputt“, bestätigt Syring. In Hamburg, in seinem Zimmer am Olympiastützpunkt, suchte er die Ruhe vor dem Ernstfall im Doppelvierer. Und der sieht so aus: „Es ist mit Abstand das beste Feld seit langem. Alle Nationen haben ihre besten Leute in dieses Boot gesetzt“, berichtet Syring.

13 Teams streiten sich ab dem ersten Vorlauf am Sonntag um 17.07 Uhr um den Titel. Wer dann auch immer ins Finale am nächsten Sonnabend fährt, meint Syring, „der kann auch Weltmeister werden“. Und wie steht es um die eigenen Chancen? „Sicher zählen wir auch zu den Medaillenkandidaten, und es wird auch Zeit für eine Medaille.“ Im vergangenen Jahr, bei seiner WM-Premiere in Sarasota (USA), belegte Syring den achten Platz.

Wertvolle Tipps für Syring

Wer Platz zwei, drei und vier bei den drei Weltcups in dieser Saison belegt hat, kommt nicht mehr am Medaillenziel vorbei. In den Trainingslagern haben Syring und seine Mitstreiter Stephan Krüger, Hans Gruhne und Ruben Steinhardt an den Grundlagen gefeilt, Kraft und Ausdauer getankt, um auch auf den letzten 500 der 2000 Meter langen Strecke in Harmonie den Endspurt ziehen zu können. Das war das bisherige Manko der vier, die von Marcus Schwarzrock trainiert werden.

„Wir haben uns weiter gesteigert“, ist sich Syring sicher. Mit 21 Jahren ist er das Nesthäkchen im Team. Und profitiert davon: „Man kann sich von Stephan und Hans vieles abgucken, sie geben wertvolle Tipps.“ Gruhne (30) ist bereits Olympiasieger in dieser Bootsklasse, Krüger (29) war 2009 Weltmeister im Doppelzweier.

Nach der WM wird Syring seine neue Wohnung in Hamburg einrichten. Dort lebt und trainiert er seit Jahresbeginn. Dort bereitet sich ab November der deutsche Skuller-Kader auf die Sommerspiele 2020 vor. Dort oder in Ratzeburg trifft er dann Appel regelmäßig zum Training wieder.

Appel wird allerdings von Mölln aus pendeln. Denn er will sparen. Seiner Lena hat er kürzlich an der Nordsee einen Antrag gemacht. Termin? „Den haben wir noch nicht. Aber wir werden erst nach den Olympischen Spielen heiraten.“ Sicher ist auch: Nach Tokio will Appel nicht mehr als Ersatzmann reisen.