Bergen/Magdeburg l Florian Wellbrock wusste genau, wie viel oder wie wenig Gas er noch geben musste, um eine schnelle Zeit zu erzielen. Denn der 21-Jährige hatte die Anzeigetafel in der Alexander Dale Oen Arena in Bergen immer im Blick. „Deshalb habe ich auch auf den letzten 100 Metern noch einmal Vollgas gegeben“, berichtete er von seinem Rennen über 1500 Meter Freistil am Freitagabend beim Swim Festival in Norwegen. Nach 14:44,80 Minuten schlug er zum Sieg an – für 24 Stunden war er auf der Strecke der schnellste Schwimmer des Jahres und in der Welt. Dann allerdings schüttelte der Italiener Gregorio Paltrinieri bei den nationalen Titelkämpfen in Riccione 14:38,34 Minuten aus seinen Armen und Beinen.

Am Samstagabend legte Wellbrock nach. Und sicherte sich nach den olympischen zehn Kilometern im Freiwasser und eben den 1500 Metern bereits das dritte Ticket für die Weltmeisterschaften in Gwangju (Südkorea/12. bis 28. Juli). Über 800 Meter gewann er in 7:49,44 Minuten und blieb damit 3,06 Sekunden unter der Vorgabe des Deutschen Schwimmverbandes (DSV). "Locker war das nicht", sagte Wellbrock. "Es lief muskulär ziemlich schwer. Nach den vielen Starts an den vergangenen Wochenenden war ich ziemlich platt." Über 400 Meter Freistil kraulte er am Sonntag in 3:49,16 Minuten ebenfalls zum Sieg.

Stärkere Konkurrenz in Stockholm

In Stockholm am kommenden Wochenende will er diese Zeiten weiter steigern. „Ich hoffe, dass es dort schneller geht“, blickte Wellbrock auf die Swim Open in der schwedischen Hauptstadt voraus, wo er auf eine stärkere Konkurrenz treffen wird. "Aber jetzt heißt es erst einmal: erholen."

In Bergen hatte er sich auf der längsten Beckendistanz gar nicht so stark gefühlt. „Vom Wassergefühl her lief es nicht so rund“, berichtete Wellbrock. Allerdings „hatten wir den Wettbewerb diesmal spezifisch vorbereitet. Und ich bin froh, dass es noch schneller ging als vor zwei Wochen in Halle“. Dort war er bereits in 14:49,62 Minuten zwischenzeitlich an die Weltspitze gekrault.

Für Franziska Hentke erfüllten sich indes nicht alle Erwartungen in Bergen: Trotz ihres Sieges über 200 Meter Schmetterling, zeitgleich mit der Ungarin Katinka Hosszu in 2:08,08 Minuten, war sie nicht zufrieden. „Das war nicht gut. Ich hatte von Anfang bis Ende keinen Rhythmus“, so die 29-Jährige, die erneut unter der WM-Norm blieb. Derweil kratzte sie als Dritte über 200 Meter Lagen mit 2:15,75 Minuten an ihrem persönlichen Rekord. Über 100 Meter Schmetterling wurde sie Vierte in 1:00,00 Minuten. Es gewann Sarah Sjöström (Schweden/56,86 Sek.)

Köhler bestätigt Norm

Sarah Köhler hatte in Bergen dagegen allen Grund zum Jubeln. Sie löste das WM-Ticket über 800 Meter Freistil in 8:23,63 Minuten. „Ich bin absolut glücklich mit dem Rennen“, sagte die 24-Jährige, die für die SG Frankfurt startet: „Mein Ziel war es, die Dinge aus dem Training auch im Wettkampf umzusetzen, das hat schon ganz gut funktioniert.“ Das bestätigte sie auch über 1500 Meter. Mit 16:07,33 Minuten blieb sie zum zweiten Mal unter der WM-Vorgabe und kraulte zugleich auf Rang vier der Weltrangliste. Über 400 Meter wurde sie beim Sieg von Hosszu Zweite in 4:10,31 Minuten. Damit verpasste sie die Norm für Gwangju um 2,81 Sekunden.

Marius Zobel (19) erzielte indes sein bestes Resultat über die 200 Meter Freistil: In 1:50,12 Minuten wurde er Fünfter. Es gewann Sebastien De Meulemeester (Belgien/1:49,44).