Abu Dhabi/Magdeburg l Als sieben Schwimmer nach zehn Kilometern dem Ziel „entgegenprügelten“, tat sich plötzlich die Lücke auf. Florian Wellbrock, der das Tempo dieses Freiwasser-Weltcups am Freitag in Abu Dhabi mitdiktiert hatte, scherte wenige Meter vor dem Anschlag kurz nach links aus und zog am Spitzenduo vorbei. „Die Lücke war auf einmal da“, berichtete der 21-Jährige. Er schüttelte nicht nur den Franzosen Marc Olivier ab, der ihn auf den letzten Metern bedrängt hatte. Er ließ auch noch Gregorio Paltrinieri (Italien) mit 0,5 und Kristof Rasovszky (Ungarn) mit 0,8 Sekunden hinter sich. Er siegte in 1:53:00,9 Stunden, gewann rund 2600 Euro Preisgeld.

Doch, doch, der derzeitige deutsche Überschwimmer hat auch Schmerz empfunden, obwohl er lange Zeit völlig unaufgeregt durch den Persischen Golf geschlichen war. „Hintenraus ist es ganz schön hart geworden“, erklärte Wellbrock nämlich. „Der letzte Kilometer war schnell, fast zu schnell.“ Aber nicht schnell genug, um den 1500-Meter-Europameister vorzeitig aller Kräfte zu berauben. Und so feierte Wellbrock letztlich nach Balatonfüred im Mai bei seinem zweiten Weltcup-Start seinen zweiten Sieg. „Eine 100-prozentige Quote“, sagte er lächelnd. „Das ist schon irgendwie witzig. Aber abgerechnet wird bei der Weltmeisterschaft.“ Die wird im nächsten Juli in Gwangju (Südkorea) ausgetragen. Das Ticket dafür hat der Schützling von Trainer Bernd Berkhahn zur Hälfte gelöst.

Das zweite Qualfikationsrennen zur WM steigt am 16. Februar in Doha (Katar). In der Summe beider Wettbewerbe fahren dann die beiden besten deutschen Frauen und Männer nach Gwangju. Und dort dürfte wie Wellbrock auch seine Teamgefährtin Finnia Wunram ziemlich sicher am Start stehen. Die 22-Jährige wurde in Abu Dhabi Siebte in 2:00:28,4 Stunden, 6,6 Sekunden hinter der Siegerin Arianna Bridi (Italien). Viel wichtiger allerdings: Wunram war die beste Deutsche im Feld. Ihr folgte Leonie Beck aus Würzburg auf Rang zehn, und ihr wiederum folgte Sarah Bosslet (Saarbrücken) erst auf Rang 23.

Wunram erreicht ihr Ziel

„Mit der Platzierung bin ich nicht ganz zufrieden, aber hintenraus hat mir etwas die Geschwindigkeit gefehlt. Daran muss ich in jedem Fall noch arbeiten“, sagte Wunram zwar. „Aber ich konnte genug Plätze zur dritten deutschen Starterin herausschwimmen, so dass ich Doha relativ entspannt angehen kann. Das war mein Ziel.“

Zudem fühlt sie sich in Doha wohl: Im vergangenen März ist sie beim Weltcup-Auftakt Dritte geworden. Nach dem Saisonfinale am Freitag schloss sie die Gesamtwertung auf Platz fünf ab. Schöner Nebeneffekt: Finnia Wunram sicherte sich damit ein Preisgeld von 11 000 Dollar, knapp 9700 Euro.

Einen gewaltigen Schritt weiter in Richtung WM wäre auch Rob Muffels gerne gewesen. Insbesondere für ihn gilt aber: Es bleibt spannend. Der 23-Jährige belegte in Abu Dhabi den achten Platz, 25,1 Sekunden fehlten ihm zu Wellbrock – und fast 20 Sekunden zu Andreas Waschburger (Saarbrücken), der als zweitbester Deutscher Sechster wurde. „Ich kann nicht unzufrieden sein. Platz acht ist eigentlich ein gutes Ergebnis in Anbetracht dieses starken Feldes“, sagte Muffels und ergänzte: „Allerdings kann ich nicht ganz glücklich sein mit meinem Rennen.“

Muffels mit schlechtem Start

Es hakte nämlich am Start, so gewaltig, dass er weit ins Hintertreffen geriet. „Dann habe ich mich schwergetan, Positionen im Feld gutzumachen, weil ich auch nicht zu viel Energie verpulvern wollte. Mit einem besseren Start hätte ich mir die Probleme erspart.“

Für Muffels heißt es nun, „dass Doha top vorbereitet werden muss“, betonte der EM-Dritte. „Zwei Plätze auf Waschburger aufzuholen, liegt definitiv im Bereich des Möglichen.“ Und damit das WM-Ticket.

Das ist für Marcus Herwig in weite Ferne gerückt. Er kam über Rang 33 in 1:54:30,6 Stunden nicht hinaus. Der 22-Jährige stieg schwer atmend und mit leerem Blick aus dem Wasser. „Ich bin absolut unzufrieden mit dem Ergebnis“, erklärte Herwig entsprechend enttäuscht. „Ich bin aber nach den krankheitsbedingten Ausfällen in den vergangenen Jahren einfach nicht fit genug.“

Ein Traum ist geplatzt, anders sind Herwigs Worte nicht zu deuten. „Ich habe in den vergangenen Monaten alles dafür getan, hier ein gutes Rennen abzuliefern, deshalb muss ich mir auch keine Vorwürfe machen.“ Aber: „Ich bin am Ende einfach weggebrochen, das konnte ich nicht verhindern.“

Ob er in Doha starten wird, scheint deshalb fraglich. Herwig: „Ich muss erstmal eine Nacht drüber schlafen. Dann sehen wir weiter.“