Magdeburg l Noch am Donnerstag hat Franziska Hentke die Zeit zwischen den Trainingseinheiten genutzt, um an der israelischen Mittelmeerküste durchzuatmen. Sie ist gebummelt durch den Sand, sie hat den Duft von Salzwasser eingeatmet und sich von der Sonne verwöhnen lassen. Diese Ruhe wandelte sich am Freitag in einen Sturm, der sie zu ihrem ersten Gold bei einer internationalen Meisterschaft trieb. Die 26-Jährige vom SCM ist nun Kurzbahn-Europameisterin über 200 Meter Schmetterling – aber tatsächlich ist es viel mehr.

Nach Bronze in Istanbul 2009 und Silber in Herning 2013 war sie erstmals die letzte, die bei der Siegerehrung aufgerufen wurde und die dann die deutsche Nationalhymne hörte. Der Tross des Deutschen Schwimmverbandes (DSV) auf der Tribüne begleitete Hentke mit „Franzi“-Rufen auf das oberste Podest. Und ihr Lächeln und ihre Freudentränen ließen das deuten, was womöglich alle im Team dachten, aber vor allem sie selbst: „Der Bann ist endlich gebrochen, ich bin überglücklich, dass ich es geschafft habe“, teilte sie fröhlich vor der obligatorischen Dopingprobe für Siegerinnen mit.

Sofort nach dem Rennen erklärte sie zu ihrem größten Karriereerfolg, den sie sehr souverän und in der deutschen Rekordzeit von 2:03,01 Minuten erschwamm: „Genau mit diesem Ziel bin ich hergefahren. Klar wäre ich gerne eine 2:02 geschwommen, aber auch mit der 2:03 bin ich absolut zufrieden.“ So leicht, wie es aussah, war es im Wasser allerdings nicht, meinte sie später lächelnd.

Mit diesem Titel ist ihr erster großer Abschnitt in der Vorbereitung auf Olympia in Rio 2016 abgeschlossen, wenngleich sie am Wochenende noch über die 200 Meter Lagen und die 100 Meter Schmetterling antritt. Und wenngleich sie noch zum „Duel in the Pool“, dem traditionellen Wettbewerb zwischen den USA und Europa, am nächsten Wochenende in Indianapolis fliegt. Sie stellte fest: „Ich hatte noch nie eine bessere Form zu diesem Zeitpunkt. Das zeigt mir, dass wir auf dem absolut richtigen Weg nach Rio sind.“ Die Athletin und ihr Trainer Bernd Berkhahn also. Der 44-Jährige analysierte: „Eigentlich hat sie nur die letzten 50 Meter Dampf gemacht. Aber für ,Franzi‘ war es ganz wichtig, dass sie weiß, dass sie auch vorne schwimmen kann.“