Budapest/Magdeburg l Aliena Schmidtke wird spätestens seit ihrer WM-Premiere ein wenig schmunzeln darüber, dass sie sich einst gegen die Disziplin Schmetterling halbwegs gewehrt hat. Als sie 2011 erst zur Universität in Las Cruces (New Mexico/USA) und ein Jahr später an die Ohio State in Columbus wechselte, war sie erstens eine Freistilspezialistin und zweitens weit entfernt vom Leistungssport, in dem sie ab 2005 sechs Jahre lang beim SCM aufgebaut worden war.

Spätestens seit den Weltmeisterschaften in Budapest (Ungarn) weiß sie die Umstellung womöglich besonders zu schätzen. Ihr Fazit aus acht Wettkampftagen in der Duna Arena lautet nämlich: „Das war eine erfolgreiche WM für mich, ich bin Bestzeiten geschwommen, war in allen Events in den Top Ten, da kann man sich nicht beschweren.“ Was die 24-Jährige im Wasser noch benötigt, ist über die 100 Meter Schmetterling eine bessere zweite Bahn, über die halbe Distanz noch etwas mehr Tempo. „Es gibt trainingsmäßig noch relativ viele Reserven“, erklärte sie.

Gerade das Tempo wollten die Trainer des Deutschen Schwimmverbandes (DSV) am Sonnabend zu ihrem letzten WM-Finale erhöhen. „Wir haben die Unterwasserphase nach dem Start verkürzt, damit ich mit mehr Speed rauskomme“, erklärte Schmidtke nach Platz acht über 50 Meter. Sie schlug letztlich beim Sieg von Sarah Sjöström (Schweden/24,60) in 26,08 Sekunden an und war damit vier Zehntel langsamer als bei ihrem deutschen Rekord im Halbfinale. Enttäuscht war Schmidtke aufgrund ihrer Gesamtbilanz deshalb nicht: Über 100 Meter wurde sie Zehnte mit Bestzeit (57,87), Platz sieben erreichte sie mit der Lagen-Mixedstaffel, die ab 2020 olympisch ist.

Fluch und Segen

In Tokio sind dann erstmals auch die 800 Meter Freistil der Herren im Programm. Bei der WM in Budapest war Florian Wellbrock dort Siebter geworden, hatte im Vorlauf eine neue Bestzeit erzielt (7:50,89 min.). Für den 17. Platz, den der 19-Jährige am Sonnabend über 1500 Meter erreichte, war das ein bisschen Fluch und Segen zugleich. „Ich würde behaupten, dass mir die Rennen über 800 Meter mit Vorlauf und Finale mehr wehgetan haben als gedacht. 15:07,43 Minuten war nicht das, was ich schwimmen wollte“, sagte Wellbrock nach dem Anschlag. Allerdings: „Das Ergebnis lässt sich leichter verkraften, weil ich starke 800 Meter hatte.“ Später bestätigte er zudem: „Ich bin nicht enttäuscht, ich bin mit meiner WM zufrieden.“ Auch für ihn war es eine Premiere in den Becken-Wettbewerben.

Seine erste im Freiwasser hatte Wellbrock 2015 bestritten. Er war in Kasan Fünfter über fünf Kilometer geworden. In Budapest hätte sich Wellbrock gerne mit der Konkurrenz sowohl im Balaton als auch in der Duna Arena gemessen. Mehrfach wurde er darauf angesprochen, welches Metier er künftig wählen wird, zumal ihn Freiwasser-Bundestrainer Stefan Lurz zur Medaillenhoffnung für Tokio ausgerufen hatte. Mehrfach erklärte er, er würde sich später entscheiden.

Chefbundestrainer Henning Lambertz eröffnete diese Option: „Wir können gerne beides probieren, dafür brauchen wir einen langfristigen Plan. Mit dem könnten wir schon in Glasgow über einen Doppelstart nachdenken.“ Bei der Europameisterschaft 2018. Wellbrock würde sich nicht dagegen wehren, er hat schon oft genug betont: „Ich fühle mich in beiden Wettbewerben wohl.“