Magdeburg l Die Bilder berichten von der ganzen Wucht der Alpen, von ihrer fulminanten Größe, der beeindruckenden Stille, der natürlichen Idylle. Diese Bilder schickten die Schwimmer des SC Magdeburg in den vergangenen Wochen reihenweise durch die sozialen Medien. Bilder aus dem Höhentrainingslager in Italien, in Südtirol, im Schnalstal. In 2030 Metern Höhe verbrachten die Schützlinge von Trainer Bernd Berkhahn drei Wochen lang zwischen Becken und Gipfel – und allen voran Isabel Gose kehrte offenbar beschwingt und auf den Punkt topfit nach Magdeburg zurück. Sie hat mal wieder einen Altersklassenrekord gebrochen. Und wieder über die 400 Meter Freistil.

Es war tatsächlich ein Wunder, dass die Magdeburger doch noch in luftiger Höhe ihre Zelte aufschlagen konnten. Ein Wunder der Kommunikation nämlich. Der gewohnte Aufenthalt in der spanischen Sierra Nevada musste wegen Corona und entsprechenden Reisebeschränkungen abgesagt werden.

Berkhahn gut vernetzt

Also „habe ich mich bei nationalen und internationalen Trainern nach einer alternativen Möglichkeit erkundigt“, sagt der allzeit gut vernetzte Berkhahn. Die Alternative hat er in Italien gefunden, wohin es seine Schützlinge ab dem 12. September zog – im Vereinsbus, elf Stunden Fahrt, „um kein Risiko einzugehen“, so Berkhahn. Im Vergleich zum Trainingskomplex der Sierra in 2300 Metern Höhe ist das Schnalstal ein eher tiefergelegter Aufenthalt. Aber ausreichend, um den nötigen Effekt zu erzielen. „Kinder spüren den Effekt bereits auf dem Rabenberg in 900 Metern Höhe, bei Erwachsenen sollten es schon über 1600 Meter sein“, berichtet Berkhahn über das Ziel, auf natürliche Art und Weise die Kapazität für die Sauerstoffaufnahme zu erhöhen. Das hat bei Gose auch diesmal sehr gut funktioniert.

Es ist nun nicht übermittelt, wie viele Altersklassenrekorde das Bad in Olvenstedt jemals erlebt hat, aber am 3. Oktober war solch ein Tag: Isabel Gose kraulte bei der SCM-Bestenermittlung auf der 25-Meter-Bahn die 400 Meter in 4:01,49 Minuten und steigerte die immerhin 33 Jahre alte Bestmarke der Magdeburgerin Astrid Strauß um 56 Hundertstelsekunden.

Titelkämpfe in Berlin Ende Oktober

Die 18-Jährige hat damit innerhalb von elf Monaten drei nationale Rekorde in jener Diszipin aufgestellt: am 17. November 2019 schwamm sie in der Elite in 3:58,91 Minuten zum Titel bei der Kurzbahn-Meisterschaft in Berlin. Am 25. Juli dieses Jahres brach sie in der Elbehalle mit 4:06,38 Minuten den Altersklassen-Bestwert von Hannah Stockbauer aus 2000. Der Rekord direkt nach der Höhe hat Berkhahn allerdings nicht überrascht: „Es kommt immer darauf an, wie man solch einen Wettbewerb vorbereitet: Wir haben bis zum letzten Tag durchgezogen und sogar noch Krafttraining absolviert“, berichtet der 49-jährige Coach, zugleich der Bundestrainer.

320 Kilometer im Schnitt ist jeder seiner Athleten in den drei Wochen in Italien geschwommen.

Sarah Köhler profitiert

Davon hat auch Sarah Köhler aus der Trainingsgruppe profitiert. „Beide haben starke Zeiten erzielt“, betont Berkhahn. Köhler (26) schlug in Goses Rekordrennen nur 37 Hundertstelsekunden später an. Lukas Märtens (18) kraulte mit 3:47,53 Minuten direkt an die Spitze der deutschen Jahresbestenliste. Wie auch Aliena Schmidtke mit 58,97 Sekunden über 100 Meter Schmetterling oder Marius Zobel mit 2:03,24 Minuten über 200 Meter Lagen.

Und die Rekordjagd geht ab dem 29. Oktober in die nächste Runde – dann auf der langen Bahn bei den nationalen Titelkämpfen über vier Tage im Berliner Europa-Sportpark. Aber nicht nur dieser Wettkampf ist wichtig: „Beim Pokalschwimmen im Dezember in Magdeburg können Olympianormen geschwommen werden“, verweist Berkhahn auf das nächste Event.

Zugleich hofft der Coach auf den dauerhaften Zustand seiner Athleten wie nach der Heimkehr aus Italien: „Alle sind kerngesund.“