Magdeburg l Neulich hat Sarah Köhler das Weihnachtsstollen-Turnier der Magdeburger Förderschulen besucht. Sie hat dort Autogramme gegeben, sie hat sich mit den Kindern beschäftigt. Sie hat „so viel Lebensfreude gesehen“, sagt die 24-Jährige. Natürlich standen dabei nicht zwangsläufig die Schwimmer des SCM im Vordergrund. In diesem Turnier geht es ja ums runde Leder. „Ich denke, sie haben sich über alle gefreut, aber ganz besonders über den Fußballer“, sagt Köhler lachend. Der Fußballer hieß Björn Rother, er spielt beim FCM.

Köhler lächelt viel am vergangenen Mittwoch, während sie auf der Tribüne der Elbehalle sitzt. Das rechte über das linke Bein gelegt. Die Antworten kurz und prägnant. Seit drei Monaten gehört sie der Trainingsgruppe von Bernd Berkhahn an. Sie ist nicht nur eine Bereicherung für Finnia Wunram, die Freiwasser-Athletin. Sondern auch umgekehrt. „Sie ist definitiv ein ganz anderes Kaliber als meine bisherigen Trainingspartner“, sagt Köhler. Zwei, die sich fordern. Bestätigt auch die 22-jährige Wunram: „Dass Sarah in Magdeburg ist, ist für mich sehr gut. Und wenn sie in einigen Trainingsserien schneller ist, spornt mich das nur an dranzubleiben.“

Matsch in der Birne

Der Besuch bei den Förderschülern, das Lob der Partnerin in den Einheiten: Köhler, die für die SG Frankfurt startet, ist voll integriert in Magdeburg. Dabei verändert sich gerade sportlich „gefühlt alles“, erklärt die Freistil-Spezialistin. Aber alles auch im Zeichen der Weltspitze.

Coach Berkhahn hatte die Wahl, eine der aktuell besten deutschen Schwimmerinnen einfach weiter wie bisher trainieren zu lassen und „zu hoffen, dass sie sich irgendwann steigert“, erklärt er. Oder zu versuchen, an deren Schwächen so hartnäckig zu arbeiten, um der Weltspitze noch näher zu kommen – bis hin zur Medaillenchance bei den Olympischen Spielen 2020 in Tokio.

Nicht jeder Tag auf diesem Neuland unter Berkhahn ist gleich gut. Nicht jede technische Änderung sitzt sofort perfekt. Einmal haben sie eine neue Drehung zur Wende geübt. Eine Einheit lang. Ranschwimmen. Drehung. Wende. „Ich habe es partout nicht hingekriegt. Das hat mich so viel Nerven und Konzentration gekostet. Ich war am Ende Matsch in der Birne. Und total frustriert“, berichtet Köhler.

Bei der technischen Umstellung, die die Olympia-Achte von Rio 2016 über die 800 Meter gerade bewältigen muss, geht es allein ums Tempo. Berkhahn sucht eine höhere Grundgeschwindigkeit bei seinem Schützling. Und nicht nur per Drehung, auch über eine größere Rumpfkraft. Schöner Nebeneffekt: „Ich hatte in den letzten eineinhalb Jahren immer mit Schulterproblemen zu kämpfen“, sagt Köhler, „die hatte ich in Magdeburg noch nicht.“

Schnell zum Saisoneinstieg

Ein frustrierter Tag lässt sich für die Freundin von Europameister Florian Wellbrock gerade gut verschmerzen, zumal die Zeiten zum Saisoneinstieg im November gestimmt haben. Nicht nur zum Auftakt in Kristiansand (Norwegen). Auch bei den hessischen Kurzbahn-Meisterschaften, die sie am zweiten November-Wochenende für einen Tag nach Baunatal führte. „So schnell war ich zu einem vergleichbaren Zeitpunkt noch nie“, sagt Köhler.

Dort schwamm sie 800 Meter in 8:18,25 Minuten und blieb damit 7,6 Sekunden über ihrem deutschen Rekord. Dann schwamm sie 400 Meter in 4:02,50 Minuten und verpasste ihre nationale Bestmarke nur um 3,38 Sekunden. „Das hat mich selbst überrascht“, erklärt die Vize-Europameisterin. Aber das gibt ihr auch ein gutes Gefühl – wie für die Kurzbahn-WM der kommenden Woche in Hangzhou (China).

Ihr Ziel ist dort zunächst die Zeit: „Ich möchte so dicht wie möglich an meine Bestmarken heranschwimmen“, sagt Köhler. „Und ich freue mich natürlich, wenn ich sie unterbieten kann.“ Es wäre wieder ein Schritt in Richtung Weltspitze.