Magdeburg l Lukas Märtens wird sich einige Tage in Graal-Müritz erholen. An der Ostsee ist natürlich Schwimmen eine Urlaubspflicht. Schöner Strand, kühles Wasser und der Ritt auf den Wellen. Wahlweise auf dem Rücken oder Bauch. Vielleicht ein paar Meter weit, aber sicher keine eineinhalb Kilometer. Um die geht es wieder, wenn Märtens zurückkehrt aus der Erholung und dann weiterreist ins Trainingslager in der Sierra Nevada in Spanien ab dem 5. September.

In jenen vier Wochen in 2300 Metern Höhe beginnt die heiße Phase der Vorbereitung auf die Olympischen Sommerspiele in Tokio im nächsten Jahr (23. Juli bis 8. August) für die Athleten des SC Magdeburg. Und in Japan soll es nicht nur ein Staffelstart über die 4x200 Meter Freistil sein für Märtens. Der 18-Jährige will Olympia auch in einer Einzeldisziplin erleben. Über die längste Beckendistanz eben. „Mein Trainer sagt, dass ich das kann“, sagt Märtens.

Chance für Norm ist da

Sein Trainer blickt nämlich auf die Chance seines Schützlings, die nationalen Normen für Olympia abzuliefern. Und die ist für diesen über 1500 Meter Freistil am größten, ist Bernd Berkhahn überzeugt. Die Tokio-Vorgabe des Deutschen Schwimmverbandes (DSV) steht bei 14:59,00 Minuten. Die Bestzeit von Märtens steht bei 15:24,34 Minuten, erzielt beim MWG-Cup im Februar.

Am vergangenen Wochenende indes, beim Wettkampf des Bundesstützpunktes (BSP) in der heimischen Elbehalle, ist er über die Distanz gar nicht geschwommen. Wohl auch, „weil ich zuvor vier Tage komplett raus war aus dem Training“, berichtet Märtens. „Solche kleinen Krankheiten werfen mich immer wieder zurück“, erklärt er ein wenig nachdenklich. „Aber so kann ich mir auch meine Leistung erklären.“

Rekorde auf Sprintstrecken

Wie jene über 400 Meter Freistil: Mit 3:51,03 Minuten blieb Märtens mehr als eine Sekunde über seiner Bestzeit und über seinem Anspruch. „Damit war ich nicht zufrieden“, sagt er. „Ich habe gemerkt, dass mir Grundlagen-Ausdauer fehlt.“ Der Coach sagt: „Er ist aber auf einem sehr guten Weg.“

Was wiederum die Zeiten auf den kürzeren Sprintstrecken belegen. Neuer persönlicher Rekord über 200 Meter Freistil: 1:48,21 Minuten. Neuer persönlicher Rekord über 200 Meter Rücken: 1:59,32 Minuten. „Er ist in jedem Fall ein Kandidat für die Freistil-Staffel in Tokio“, betont Berk- hahn. Aber Märtens träumt von mehr. Nicht erst seit dem vergangenen Wochenende, sondern seit der Verlegung der Spiele ins nächste Jahr.

Und nicht nur, „weil ich die 1500 Meter noch nie richtig ausgeruht geschwommen bin“, wie er berichtet. Schon deshalb sieht Berkhahn „noch große Reserven“. Bislang war die Distanz eher eine zusätzliche Herausforderung, eine Nebenstrecke im Wettkampfprogramm.

Werte eines Florian Wellbrock

Nun haben allerdings Tests ergeben, dass Märtens körperlich die Werte eines Florian Wellbrock mitbringt. Schwimmerisch sind sie allerdings sehr unterschiedlich: Während Doppelweltmeister Wellbrock zuletzt mit 14:53,62 Minuten eine internationale Spitzenzeit vorlegte, 1000 Meter grundlegend gemütlich kraulte, ehe er im letzten Drittel deutlich unter einer Minute pro 100 Meter blieb, „beginne ich schnell, kann das Tempo im mittleren Abschnitt halten, aber dann nicht mehr erhöhen“, analysiert Märtens seinen derzeitigen Stil. Mit dem ist er zumindest auf der kurzen Bahn seinem Teamgefährten schon näher gekommen. 20,02 Sekunden trennen dort die Bestzeiten der beiden Athleten, auf der langen sind es 48,18 Sekunden.

Das Gute: Märtens hat demnächst in der Sierra Nevada viel Zeit, sich auf der Strecke zu versuchen. „Ich muss dafür einfach mal durchtrainieren“, sagt er. Und wenn er durchtrainiert aus dem Höhencamp zurückkehrt, dann ist er bereit für ein neues Zeitziel noch in dieser Saison, die weiteren BSP-Wettkämpfe, einen Weltcup im Oktober und die deutschen Meisterschaften (29. Oktober bis 1. November) jeweils in Berlin. Märtens sagt: „Ich will die 15-Minuten-Marke in diesem Jahr angreifen.“