Magdeburg l Wenn Liebe Flügel verleiht, müssen die Gefühle zwischen Sarah Köhler und Florian Wellbrock unheimlich groß sein. Während der 20-Jährige vom SC Magdeburg in der Heimat die Daumen drückte, schwamm Köhler bei der jüngsten Universiade in Taipeh neue deutsche Rekorde. Die 23-Jährige von der SG Frankfurt knackte mit 4:03,96  Minuten über 400 Meter Freistil die 28 Jahre alte Bestmarke von Anke Möhring (SCM) um fast zwei Sekunden. Und als erste deutsche Frau überhaupt schwamm sie die 1500 Meter unter 16 Minuten (15:59,85). „Da darf man auch als Freund ein bisschen stolz sein“, sagt Wellbrock lächelnd.

Das war ziemlich viel Stolz, der mit Wellbrock in den vergangenen Monaten mitgeschwommen ist. Deutscher Meister über 1500 Meter, deutscher Meister im Freiwasser über fünf Kilometer und der siebte Platz über die künftigen olympischen 800 Meter bei seinem Weltmeisterschaftsdebüt im Budapester Becken inklusive Bestzeit im Vorlauf (7:50,89) haben sein Selbstbewusstsein weiter gestärkt. Und mit diesem blickt der Freistil-Spezialist nun entspannt auf die Kurzbahn-Europameisterschaft im Dezember in Kopenhagen voraus. „Mit meinem Start bei der Langbahn-WM bin ich automatisch für Kopenhagen gesetzt“, erklärt der Auszubildende zum Immobilienkaufmann. Das macht die Vorbereitung mental leichter: „Für den Kopf ist das gut“, bestätigt Wellbrock, „für den Körper eher nicht, wir werden weiter hart trainieren.“

So hätte er vor fünf Jahren noch nicht gesprochen. Als Kleinster mit 1,75 Metern in seiner damaligen Bremer Trainingsgruppe „wollte ich den Schwimmsport eigentlich schon an den Nagel hängen“, erinnert er sich. Aber dann wendete sich das Blatt, Wellbrock wurde schneller und größer, 1,92 Meter groß. 2014 kam er zum SCM und zu Trainer Bernd Berkhahn, weil sein Schützling härter und mehr arbeiten wollte. Das hat sich ausgezahlt. Was ihm aber im Vergleich zur internationalen Konkurrenz jedoch komplett fehlt, sind internationale Meisterschaften im Juniorenbereich. Als er 2015 die letzte Chance auf einen JEM-Start hatte, wurde er krank.

Der Weg über die eigene Routine

Gerade solche Wettbewerbe hätten ihn schon frühzeitig auf Routine getrimmt. Wie es zum Beispiel bei Gabriele Detti (Italien) der Fall gewesen ist. „Er ist quasi in der Weltspitze dabei, seitdem er schwimmen kann“, sagt Wellbrock über den 23-jährigen 800-Meter-Weltmeister. Detti und andere erfahrene Gegner sind so cool wie es Wellbrock noch werden will. „Es fasziniert mich immer wieder, wie selbstsicher die Jungs auftreten“, staunt er. Allein das Warten im „Callroom“ vor dem Start und das Einlaufen vor mehreren Tausend Zuschauern sind Dinge, die Wellbrock noch verinnerlichen muss. Psychologische Hilfe sucht er sich dafür aber nicht: „Das hilft nur, wenn man davon überzeugt ist. Ich möchte meinen Weg über Routine gehen.“

Die hat ihm bei Olympia 2016 noch gefehlt, selbstsicher war er zwar nach Rio gereist, aber dann „voll auf die Schnauze gefallen“, wie er sagt – im Wettbewerb bedeutete dies Platz 32 über 1500 Meter. Aber nun kann Wellbrock tatsächlich stolz auf seine Saison 2017 zurück- und optimistisch auf die kommenden Aufgaben vorausblicken. Motivation fällt ja immer leichter, wenn es gut läuft – im Sport und in der Liebe.