Sportsoldaten

Die Bundeswehr gilt als einer der größten Förderer des Spitzensports in Deutschland. Dank eines speziellen Fördersystems können sich die Athleten voll und ganz auf ihren Sport konzentrieren. Gerade in Sportarten, in denen keine Millionenverträge winken, ist das eine existenzielle Frage. Die Bilanz der Sportsoldaten ist beeindruckend: Seit der Wiedervereinigung nahmen 1051 Sportsoldaten an Olympischen Winter- und Sommerspielen teil, die 234 Medaillen für Deutschland errangen.

Zuletzt in Sotschi 2014 waren von den 152 Olympioniken 75 Sportsoldaten, die zehn Medaillen erkämpften.

Derzeit stehen 744 Förderplätze an 15 Standorten zur Verfügung. Voraussetzung für eine Aufnahme in eine Sportfördergruppe der Bundeswehr ist die Zugehörigkeit des Athleten zu einem Bundes- oder Landeskader der jeweiligen Sportart. Vom SCM gehören mit den Leichtathleten David Wrobel, Dennis Lewke, Thomas Schneider, Matthias de Zordo sowie den Schwimmern Franziska Hentke und Rob Muffels sechs Athleten der Sportfördergruppe der Bundeswehr an, die sich für Rio 2016 qualifizieren wollen.

Magdeburg l Als sich das Gros der deutschen Leichtathletik-Elite bereits im wohlverdienten Urlaub befand, um für die olympische Saison neue Kraft zu tanken, musste David Wrobel noch einmal richtig aufdrehen. Der 24-jährige Diskuswerfer vom SC Magdeburg musste sich quasi auf Befehl durch den Sommer quälen. Als Angehöriger der Bundeswehr-Sportfördergruppe standen für ihn (und rund 400 andere deutsche Top-Athleten und Betreuer) am Ende einer ellenlangen Saison noch die Militär-Weltmeisterschaften im südkoreanischen Mungyeong auf dem Programm.

Doch für Wrobel war es kein Problem, auf Urlaub zu verzichten und stattdessen im Training weiter Gewichte zu stemmen und bei langsam sinkenden Temperaturen im Freien den zigsten Wurf dieser Saison anzusetzen, um für die Militär-WM in Schuss zu bleiben. Und der Obergefreite beklagte sich auch nicht darüber, während der zwölf WM-Tage in einer Kaserne mit Zehn-Mann-Stube und Mini-Spind gehaust zu haben. Der gelernte Kaufmann für Bürokommunikation identifiziert sich nämlich sehr wohl mit seinem Arbeitgeber und sieht den Bundesadler auf der linken Brust als Verpflichtung an: „Die Bundeswehr fördert wie kaum eine andere Institution in Deutschland den Leistungssport. Ich finde hier ideale Bedingungen vor, kann mein Training frei gestalten, bin finanziell abgesichert. Deshalb sehe ich es als meine Pflicht an, mich als Gegenleistung für nur sechs Wochen Grundwehrdienst und die danach folgende optimale Unterstützung im Training voll reinzuhängen und das Bestmögliche beim Wettkampf herauszuholen.“

In Südkorea waren das am Ende 60,02 Meter und Rang fünf. Nur 95 Zentimeter fehlten dem Schützling von Trainer Armin Lemme zu Bronze. Sieger Zoltan Kovago aus Ungarn war allerdings mit starken 66,01 Metern jenseits von Gut und Böse und selbst für Weltmeister Piotr Malachowski (Polen/62,12 m) eine Nummer zu groß. Doch auch wenn er mehr als zwei Meter unter seiner persönlichen Bestweite blieb (62,72 Meter), war der Wahl-Magdeburger Wrobel zufrieden: „Sowohl mit der Weite als auch mit dem Platz kann ich angesichts des späten Zeitpunktes gut leben. Zwar hatte ich mir vorher einen Medaillenrang als Ziel gesetzt, aber da kannte ich die Teilnehmerliste auch noch nicht. Das war ja schon wie eine ,richtige‘ kleine WM.“

So wie sich Wrobel eindeutig zur „Truppe“ bekennt und sich sogar vorstellen kann, nach Ende der Karriere beim Bund zu bleiben („Ich hätte Spaß daran, anderen etwas beizubringen, so dass ich mir einen Job als Ausbilder gut vorstellen könnte“), so felsenfest steht er auch zu seiner Entscheidung, vom TVS Musberg, nahe Stuttgart, zum SCM gewechselt zu sein: „Ich bereue den Schritt nicht, den ich vor zwei Jahren gegangen bin“, erklärt der aus Baden-Württemberg stammende Ex-Zehnkämpfer, der sich mit 19 Jahren zum Diskuswerfer spezialisierte. „Es war genau der richtige Schritt zur richtigen Zeit in die richtige Richtung.“ Viele hätten ihn gefragt, warum der Osten, warum Magdeburg? „Aber Magdeburg ist umso vieles besser als sein Ruf. Echt schön und so grün.“ Und hier habe er alles, was er als Leistungssportler brauche. „Optimale Trainingsbedingungen, die beste Trainingsgruppe mit Martin Wierig als Zugpferd und den besten Trainer. Alles passt“, so der frischverliebte Wrobel, dessen Glück „fast perfekt“ ist, seitdem Ira Stops, eine gerade erst zum Bob gewechselten Ex-SCM-Leichtathletin, an seiner Seite ist.

Die Frage danach, was ihn rundum glücklich und zufrieden machen würde, fällt dem sympathischen, in sich ruhenden 130-Kilo-„Bär“ nicht schwer zu beantworten: „Wenn ich mir meinen großen Traum erfüllen und 2016 in Rio als Olympiastarter erleben könnte. Das Pro-blem ist nur, dass mehr als eine Handvoll Konkurrenten das gleiche Ziel hat.“ Dazu kommt noch, dass sich die Olympia-Norm mit 66 Meter gewaschen hat. Eine solche Hausnummer kann selbst Sportsoldat David Wrobel nicht auf Befehl „raushauen“. „Im Training habe ich in der vorolympischen Saison mehrfach bewiesen, dass ich Weiten über 65 Meter draufhabe. Jetzt warte ich nur darauf, dass es auch im Wettkampf ,klick‘ macht.“