Boxen

Seebühne: Ein gelungener Kampfabend endet mit Eklat

Beim 150. Kampfabend von SES feierte Promoter Ulf Steinforth gleich drei Titel. Schwergewicht Agit Kabayel, Cruisergewichtler Roman Fress und Halbschwergewichtler Michael Eifert holten sich die Gürtel. Doch der gelungene Abend endete mit einer Massenschlägerei.

Von Daniel Hübner
Faire Geste: Kevin Johnson applaudiert Agit Kabayel nach dem Sieg.
Faire Geste: Kevin Johnson applaudiert Agit Kabayel nach dem Sieg. Foto: Eroll Popova

Magdeburg - Der offizielle Grund war so erschreckend wie erbärmlich: Ein Junge im Rollstuhl und großer Fan von Agit Kabayel wollte sich nach dessen Sieg dem Ring nähern. Doch die einen versperrten ihm den Weg, die anderen wollten ihm diesen wieder öffnen, das Sicherheitspersonal ging dazwischen und stand plötzlich selbst im Fokus der Angreifer. Stühle flogen, ein Security-Mitarbeiter wurde am Kopf verletzt und musste medizinisch versorgt werden. Die Polizei rückte an, suchte nach den Tätern. Dies waren die letzten und schrecklichen Szenen eines gelungenen SES-Kampfabends am Sonnabend auf der Magdeburger Seebühne. Es war die 150. Veranstaltung, die Promoter Ulf Steinforth organisiert hatte. Und so sehr er sich auch über drei Titel freute, so sehr schüttelte er über die Ereignisse danach den Kopf. „Das ist ein bitterer Moment, ich bin froh, dass nicht mehr passiert ist. Das kenne ich einfach nicht“, sagte Steinforth.

Zum ersten Mal in der Corona-Pandemie waren wieder 1000 Zuschauer erlaubt, und sogleich hatten sich die besonders Gewaltbereiten unter die Besucher gemischt. Solche, die auch Agit Kabayel nicht sehen will. „Das ist sehr enttäuschend, ich habe einen riesen Kampf gemacht. Aber ich kann mich nicht freuen“, erklärte der 28-Jährige aus dem SES-Boxstall, der gerade sein WBA-Continental-Titel im Schwergewicht in zwölf Runden nach einem harten Schlagabtausch verteidigt hatte. Kabayel gewann gegen den erfahrenen Amerikaner Kevin Johnson nach Punkten (118:111, 118:111, 119:110).

Am Ende der zwölften Runde reckte also der Lokalmatador die Arme in den Magdeburger Nachthimmel. Und den Gürtel außerdem. Von Beginn an war eines klar: Kevin Johnson würde den Fight nur durch K.o. gewinnen können, weil er selbst viele Treffer zuließ. Doch Kabayel fiel nicht gegen den konditionell überraschend starken Johnson. Obwohl sich der 41-Jährige in der zweiten Hälfte des Kampfes redlich bemühte. Und am Ende umarmten sich beide Kämpfer freundschaftlich. Das war die schönste Szene zum Abschluss, bevor die hässlichen folgten.

Fress gewinnt durch K.o.

„Papa liebt dich“, rief Roman Fress seiner kleinen Tochter Viviane zu und verteilte mehrere Handküsse. Während der 27-Jährige eigentlich ein ganz herzliches Familienoberhaupt ist, hatte sein Gegner herzlich wenig zu lachen. Kamel Kouaouch aus Belgien flog nach 1:58 Minuten der sechsten Runde und nach einem fulminanten Aufwärtshaken hart auf den Boden - und stand zunächst nicht mehr auf. K.o-Sieg für den völlig überlegenen Fress im Duell der ungeschlagenen Boxer, den Intercontinental-Titel der WBO im Cruisergewicht gab es zur Belohnung. „Das ist mein neuer Schatz“, sagte Fress euphorisch. Und der passt auch perfekt in dieses Jahr, nachdem er mit seiner Lena im Januar Eltern des kleinen Ivar wurde. „Besser kann es nicht laufen“, erklärte der Schützling von Robert Stieglitz. „Dafür bin ich sehr dankbar.“

Eifert holt WM-Titel der Junioren

Michael Eifert ist Weltmeister. Noch am Freitagabend hatte die WBO seinen Titelkampf bei den Junioren im Halbschwergewicht bestätigt. Am Samstagabend nutzt der 23-Jährige seine Chance und setzte sich gegen den Gummersbacher Dustin Amman nach acht Runden und nach Punkte (77:75, 77:75, 79:73). Trotz der knappen Wertung „hatte ich immer das Gefühl, den Kampf klar zu gewinnen“, sagte Eifert. Ammann, nur 1,74 Meter, arbeitete sich an seinen Kontrahenten ab, ging immer wieder auf den Körper, suchte den Punch mit dem Aufwärtshaken. Doch damit ließ sich Eifert nicht aus der Deckung bringen, setzte selbst mit Kombinationen Akzente. Und hätte es gegen den tapferen, aber immer schwächer werdenden Amman durchaus auf ein K.o. ankommen lassen können. „Ich erzwinge nie ein K.o“, sagte Eifert allerdings. Er feierte seinen siebten Sieg im achten Kampf. Aber nach Feiern war am Ende niemanden mehr zumute.

Trauriges Ende eines tollen Abends: Nicht nur im Ring, sondern auch außerhalb flogen die Fäuste. Und die Stühle.
Trauriges Ende eines tollen Abends: Nicht nur im Ring, sondern auch außerhalb flogen die Fäuste. Und die Stühle.
Foto: Eroll Popova