Boxen

Steinforth feiert Jubiläum

Der Magdeburger Box-Promoter Ulf Steinforth spricht im Interview mit Volksstimme-Redakteur René Miller über den Corona-Frust und die Lust auf seinen 150. Kampfabend.

Ulf Steinforth hatte überlegt, alles hinzuwerfen. Doch die sinkenden Zahl der Corona-Neuinfektionen und dier Rückkehr der Zuschauer an den Ring hat auch die Lust des SES-Promoters wieder entfacht,
Ulf Steinforth hatte überlegt, alles hinzuwerfen. Doch die sinkenden Zahl der Corona-Neuinfektionen und dier Rückkehr der Zuschauer an den Ring hat auch die Lust des SES-Promoters wieder entfacht, Foto: Eroll Popova

Magdeburg - Beim SES-Boxstall ist die Freude groß, am Sonnabend wieder einen Kampfabend veranstalten zu können. Dabei feiert SES sogar ein Jubiläum. Denn es ist das 150. Boxevent unter dem Logo mit den drei Buchstaben. Und bevor auf der Seebühne die Fäuste fliegen (Hauptkampf ab 22.35 Uhr im MDR), sprach Volksstimme-Redakteur René Miller mit SES-Promoter Ulf Steinforth.

Volksstimme: Die letzte Veranstaltung mit Zuschauern fand vor acht Monaten beim Duell zwischen Dominic Bösel und Robin Krasniqi statt. Wie viele Momente gab es seitdem eigentlich, komplett hinzuwerfen?

Ulf Steinforth: So hart das jetzt auch klingt, aber es gab wirklich einige dieser Momente. Vor allem im Februar hatte ich einen echten Hänger. Da wurden die Zahlen rund um Corona immer schlimmer und wir haben schon mit dem einen oder anderen Gedanken gespielt, hinzuwerfen. Nachdem wir im Dezember komplett ohne Fans im Hotel Maritim veranstalten mussten, war uns klar, dass wir so auf keinen Fall weitermachen werden und unter solchen Voraussetzungen besser aufhören. Schließlich heißt unsere Firma Sport Events Steinforth. Veranstaltungen ohne Zuschauer sind aber keine Events. Doch jetzt bin ich wieder richtig heiß und freue mich drauf, wieder loslegen zu können. Die Stimmung dreht sich ja auch allgemein wieder ins Positive.

Was war in der langen Pause am schwierigsten?

Sich immer wieder selbst zu motivieren. Ich bin trotzdem jeden Tag ins Büro gefahren, wusste aber schon mittags nicht, was ich eigentlich machen soll. Ich wusste ja auch nicht, ob die Konzepte, die entwickelt wurden, wirklich umsetzbar sind. Hinzu kamen die Gespräche mit unseren Sportlern, Angestellten, Subunternehmern. Da musste ich als Motivator auftreten, obwohl ich selbst an meine Worte nicht so richtig geglaubt habe. Und die wirtschaftlichen Verluste tendierten eigentlich zu 100 Prozent. Die einzige Einnahme, die es gab, war der Kampf von Adam Deines in Moskau gegen Artur Beterbiev.

Morgen heißt der Hauptkampf Agit Kabayel kontra Kevin Johnson. Ist dieser alte Haudegen nach der langen Pause für Kabayel nicht ein zu großes Risiko?

Absolut, denn Kevin Johnson ist nicht nur mit allen Wassern gewaschen und verfügt über eine große Erfahrung. Der will es mit seinem Team auch unbedingt wissen. Bei seinem Sieg über Pablo Hernandez im vergangenen August war er schon gut vorbereitet. Aber jetzt hat er wohl eine noch intensivere Vorbereitung hingelegt. Das wird ein echter Brocken für Agit. Aber es soll ja spannend sein und wir wollen nach der langen Pause den Zuschauern etwas bieten. Außerdem will Agit Kabayel ganz nach oben. Da muss er sich jeder Aufgabe stellen und einen Gegner wie Johnson klar besiegen. Agit ist der bestpositionierte deutsche Schwergewichtler und hätte ohne Corona-Pandemie im Dezember eigentlich gegen Tyson Fury geboxt.

Fury, Anthony Joshua oder Deontay Wilder – wer ist für Sie eigentlich der König im Schwergewicht?

Ganz klar Tyson Fury. Das ist für mich der kompletteste Boxer, der auch das ganze Drumherum glänzend zelebriert. Trotzdem habe ich ihn als bodenständigen Menschen kennengelernt. Und dass er nach seinem Burnout und diesen ganzen Geschichten so stark zurückgekommen ist, spricht für seine Einstellung. Schade, dass der Kampf gegen Joshua verschoben werden musste und Fury erst gegen Wilder in den Ring muss. Den hat er im letzten Kampf klar besiegt. Aber nun kommt es zu einem dritten Duell. Das ist immer schwierig.

Im zweiten Hauptkampf klettert Roman Fress in den Ring. Wie sehen Sie seine Entwicklung? Bekommt er alsbald eine WM-Chance?

Von einer WM-Chance zu sprechen, wäre vermessen und unrealistisch. Roman muss sich ja erst einmal in den Weltranglisten entsprechend platzieren. Zusammen mit seinem Trainer Robert Stieglitz ist das aber ein interessantes Projekt. Und bei Roman ist auch eine stetige Entwicklung da.

Was passiert eigentlich, wenn es Samstagabend regnet?

Zum einen gibt es auf der Seebühne ein Dach, zum anderen sei es uns nach der langen Pause vergönnt, mit dem Wetter Glück zu haben. Schließlich ist es mit der 150. Veranstaltung auch ein Jubiläum für uns. Und wir haben den Kampfabend schon zwei Mal verschoben. Erst war der April geplant, dann der Mai, nun Juni. Und aller guten Dinge sind eigentlich drei.

Wird es noch in diesem Jahr das Rematch zwischen Dominic Bösel und Robin Krasniqi geben?

Geben wird es diesen Kampf auf jeden Fall. Aber wann, das ist völlig offen. Unter den aktuellen Voraussetzungen ist dieser Kampf wirtschaftlich nicht umsetzbar. Und wir hoffen natürlich, dass dieser Kampf auch wieder im Ersten übertragen wird. Wir wollen aber schon in acht Wochen mit der nächsten Veranstaltung nachlegen. Vorausgesetzt, die Corona-Zahlen lassen das zu. Dann könnten unter anderem Peter Kadiru und Adam Deines in den Ring steigen.

Auf der Seebühne dürfen 1000 Zuschauer dabei sein. Allerdings müssen alle getestet sein. Wie läuft das ab?

Mit unserem Modellprojektpartner Be.Safe ist sichergestellt, dass jeder Zuschauer nach dem Erwerb einer Eintrittskarte direkt vor Ort am Zugang einen kostenfreien Covid-Antigen-Schnelltest durchführen kann. So ist sichergestellt, dass nur negativ getestete Personen an dieser SES-Box-Gala teilnehmen. Es werden auch nur negative Testergebnisse von Be.Safe akzeptiert, wo man sich auch vorher online registrieren muss. Wer kein Smartphone oder die App besitzt, der bekommt das Ergebnis mit dem QR-Code als Dokument ausgehändigt.