Magdeburg l Was sich schon seit längerem andeutete, ist mittlerweile Gewissheit. Der ehemalige Tennis-Profi Martin Emmrich (36) aus Magdeburg kehrt Deutschland endgültig den Rücken und bleibt in seiner Wahlheimat Florida/USA.

Tochter Gabriella da

„Ich sehe meine Zukunft absolut hier, habe quasi mit Deutschland abgeschlossen“, sagt der frühere Doppel-Spezialist, der 2020 sogar „als das glücklichste Jahr“ seines Lebens bezeichnet. „Ich weiß, so etwas klingt in Corona-Zeiten, in denen es vielen Menschen richtig dreckig geht, irgendwie brutal, aber es war so. Der Hauptgrund dafür ist die Tatsache, dass ich vergangenes Jahr Vater geworden bin. Und das stellt alles andere und jeden Titel in den Schatten“, sagt der Magdeburger, der seit 2018 mit der gebürtigen Südafrikanerin und Ex-Tennisspielerin Tamaryn „Tammy“ Hendler verheiratet ist. Die Tochter heißt Ga- briella – mit zwei „l“, wie Emmrich betont. „Wir sind total happy. Gabriella hat mein Leben komplett verändert. Und wenn ich an die Geburt, bei der ich dabei war und sogar mitgeholfen habe, zurückdenke, kriege ich heute noch eine Gänsehaut“, gibt er gerne zu.

Zum privaten Glück gehört auch, dass die Familie Emmrich vor rund einem halben Jahr umgezogen ist in ein eigenes Haus, das zudem dichter an der IMG-Tennis-Akademie liegt, wo er als Trainer arbeitet. Sie wohnen nun in Bradenton. Weiterer Vorteil: Bis zum Strand sind es gerade einmal zehn Minuten.

Amerikanische Staatsbürgerschaft

Rund neun Stunden steht Emmrich, der es seinerzeit sogar bis ins deutsche Tennis-Daviscup-Team schaffte, an einem Trainingstag auf dem Platz. Und demnächst erhält er nach seiner „Greencard“ (Daueraufenthaltsrecht) auch die amerikanische Staatsbürgerschaft.

Nicht mehr für Wernigerode

Kontakt nach Deutschland besteht natürlich weiterhin, allein schon durch seine Eltern Thomas und Monika Emmrich. „Vor allem meine Mutter ist traurig, dass sie nicht reisen und unsere Tochter in den Armen halten kann, aber in Corona-Zeiten ist eben vieles anders“, sagt der 36-Jährige, der es ausschließt, dass er noch einmal wie 2018 für den TC Wernigerode (Herren 30+) antritt: „Es gab immer mal wieder Anfragen, aber das Kapitel ist ebenfalls abgeschlossen.“ Zumal es ihm auch gesundheitlich guttut. Denn seitdem er nicht mehr aktiv spielt, bereitet auch seine Schulter, an der er sich eine komplizierte Verletzung zugezogen hatte, keine Probleme mehr.

Und wie hat Emmrich die Ära Donald Trump erlebt? Der Magdeburger antwortet, wie man es nicht unbedingt erwartet: „Der Mann hat viel Blödsinn gemacht, aber so negativ, wie es in den deutschen Medien immer dargestellt wurde, war es nicht.“ Mehr will er dazu nicht sagen, „sonst heißt es noch, ich wäre ein Trump-Anhänger. Mit Politik habe ich nämlich nichts zu tun.“ Allerdings hatte auch ihn der Sturm aufs Kapitol aufgewühlt: „Als ich mir die Bilder im Fernsehen angeschaut habe, dachte ich spontan: Das ist nicht mein Land ...“

Südafrika nächstes Reiseziel

Emmrichs nächstes Ziel ist – natürlich erst nach der Corona-Pandemie – nun eine Südafrika-Reise: „Da wohnen Tammys Großeltern. Die kenne ich persönlich noch nicht.“