Sommerspiele in Tokio

Wellbrock und Muffels: Zwei Männer, zwei Chancen

Wie bei der WM 2019: Die Freunde Rob Muffels und Florian Wellbrock vom SC Magdeburg wollen auch im Freiwasser-Finale von Tokio gemeinsam auf das Podest schwimmen.

Von Daniel Hübner
Florian Wellbrock hat die Strecke im Odaiba Marine Park erstmals am vergangenen Montag inspiziert. Er beklagte wie alle anderen das trübe Wasser. Sieben Runden sind auf einem Viereckskurs bis zum Anschlag zu absolvieren.
Florian Wellbrock hat die Strecke im Odaiba Marine Park erstmals am vergangenen Montag inspiziert. Er beklagte wie alle anderen das trübe Wasser. Sieben Runden sind auf einem Viereckskurs bis zum Anschlag zu absolvieren. Foto: dpa

Tokio/Magdeburg - Der letzte Härtetest hat sein positives Gefühl bestärkt: Rob Muffels hatte eine gute Wasserlage, er hatte eine gute Technik. „Und hintenraus bin ich auf Tempo gekommen“, berichtete er über die letzte Intensität im Rennanzug, die er in Tokio trainierte. 100 Mal 100 Meter. Zehn Kilometer also. Im Hallenbad. „Nur zum Schluss hat mich die Energie etwas verlassen.“ Denn Rob Muffels war zwischenzeitlich sogar etwas zu schnell.

Auf Schnelligkeit wird es auch heute ab 23.30 Uhr (MESZ) ankommen. Denn Muffels startet mit Florian Wellbrock im Freiwasser-Finale über die zehn Kilometer. Beide Athleten vom SC Magdeburg verbindet eine großartige Erinnerung an die vergangene Weltmeisterschaft in Südkorea. Vor zwei Jahren gewann Wellbrock Gold, Muffels sicherte sich Bronze. Nur Marc-Antoine Olivier aus Frankreich hatte sich zwischen die Freunde gedrängelt. Dieser Erfolg, sagte Muffels, „ist meine Ausgangsposition“. Und nicht die jüngste Europameisterschaft in Budapest, wo er im Mai einen Top-Ten-Platz verpasste. Allerdings bei kühlen Temperaturen und im Neopren-Anzug. „Daran orientiere ich mich nicht“, betonte der 26-Jährige. „Wir sind da ohne eine optimale Vorbereitung gestartet. Trotzdem war die EM gut, um Rückschlüsse auf den aktuellen Leistungsstand zu schließen.“

In Ungarn hatte zumindest ein Schwimmer eine verblüffende Vorstellung geliefert – Gregorio Paltrinieri, der in allen drei Wettbewerben – im Einzel über fünf und zehn Kilometer sowie in der Team-Staffel – den Titel gewann. „Das hat mich schon ein bisschen überrascht“, hatte Wellbrock danach erklärt. Er wird damit nicht allein gewesen sein.

Die Bedingungen sind hart.

Florian Wellbrock

Dass mit dem Italiener Paltrinieri auch sechs Wochen nach seiner Erkrankung an Pfeifferschem Drüsenfieber zu rechnen ist, hat er in den Beckenwettbewerben in Tokio gezeigt, als er über die 800 Meter Freistil zur Silbermedaille schwamm. Aber er ist natürlich nicht der einzige Konkurrent, den es zu beachten gilt: „Das Feld ist sehr stark“, blickte Muffels auf das Freiwasser-Finale im Odaiba Marine Park voraus. 26 Starter zählt dieses Feld. Inklusive Rio-Olympiasieger Ferry Weertman aus den Niederlanden. Inklusive London-Olympiasieger Oussama Mellouli aus Tunesien, mittlerweile 37 Jahre alt.

Mellouli hatte 2012 das Kunststück geschafft, nicht nur Gold im Freiwasser zu holen, sondern auch im Becken über 1500 Meter Bronze zu gewinnen. Letzteres ist auch Wellbrock in Tokio bereits gelungen. Die wichtige Frage, die nun alle beantworten müssen: Wie gut kommen sie mit den Bedingungen zurecht? Der 23-jährige Wellbrock hatte einen Einblick gegeben nach dem ersten Training am Montag: „Das Wasser auf der Strecke ist sehr trüb. Die Temperatur lag bei 28,3 Grad. Die Bedingungen sind also hart. Es bleibt deshalb abzuwarten, wie warm es sich tatsächlich anfühlt, wenn man sich zwei Stunden lang bei Maximalbelastung in der Sonne und in dem warmen Wasser bewegt.“ Und dies auf einem Viereckskurs, der siebenmal umschwommen werden muss. Und an entsprechend vielen Bojen vorbei. „Da das Feld nicht groß ist, befürchte ich auch keine Kollisionen“, erklärte Muffels.

Mein Körpergefühl hat sich verbessert.

Rob Muffels

Zwei Magdeburger suchen also ihre Chance auf Edelmetall. Denn nicht nur Wellbrock geht mit Ambitionen auf einen Podestplatz an den Start. „Mein Anspruch ist es, um die Medaillen mitzuschwimmen“, sagte Muffels, der in den vergangenen eineinhalb Jahren sein Körpergefühl mit neurokinetischem Training verbessert hat. „Ich hatte immer extreme Nackenschmerzen“, berichtete er über den Grund für diese Therapie. Zum Beispiel über Augenübungen sendete er also positive Signale zwischen Gehirn und Muskulatur, um „die Schulterbeweglichkeit zu verbessern“. Das ist ihm gelungen. „Mein Körpergefühl hat sich verbessert.“

Das gute Gefühl muss er auch im Rennen pflegen. Durch die permanente Verpflegung mit kühlen Getränken. Muffels ist nach seinen Trainingseinheiten nicht nur ins Wärmebad mit Temperaturen um die 40 Grad eingetaucht, um sich an die ungewöhnlichen Temperaturen zu gewöhnen. „Wir werden auch Kühlwesten vor dem Start tragen, um den Körper runterzukühlen“, erklärte er. Denn die Gefahr der Überhitzung ist gegeben. Tokio erwartet mit 36 Grad Lufttemperatur ausgerechnet zum Finale der Männer seinen heißesten Tag in dieser Woche.

Und heiß wird es auch in diesem Finale. Muffels hat seit Gwangju an seiner Taktik nichts mehr geändert. „Ich werde auch in Tokio nicht experimentieren, dafür waren meine Ergebnisse zu gut“, bestätigte er. Er wird das Feld kontrollieren und zum richtigen Zeitpunkt das Tempo anziehen. Nur nicht zu früh, nur nicht zu schnell. Dann hat auch Rob Muffels eine Medaillenchance.