Fußball

Sacher: Freundschaften wichtiger als Titel

Seit 14 Spielzeiten beackert Benjamin Sacher die Außenbahnen in der Fußball-Verbandsliga.

Eilsleben l Nach langen Jahren in Völpke und Oschersleben ist der 32-Jährige mittlerweile beim Haldensleber SC heimisch geworden. Im Interview mit Sportredakteur Christian Meyer spricht „Mr. Zuverlässig“ über die Entwickelung der Liga, seinen Verein und eine geplante Rückkehr zum Heimatklub Eilslebener SV.

Herr Sacher, wie viele Spieler kennen Sie, die in den vergangenen 14 Jahren durchgängig Verbandsliga gespielt haben?

Da fällt mir kein Einziger ein und schon niemand, den ich persönlich kenne.

Sind Sie stolz darauf?

Ja, schon. Wahnsinn ist für mich, wie schnell diese Zeit vergangen ist. Mittlerweile bin ich bei über 300 Verbandsligapartien. Als ich 2007 nach meinem Abitur am Sportgymnasium Magdeburg und aus der A-Jugend beim 1. FC Magdeburg mit 19 Jahren zum TSV Völpke kam, habe ich nicht damit gerechnet kontinuierlich in dieser Liga zu spielen.

Hatten Sie nie Lust eine andere Liga kennenzulernen?

Das hat sich bis heute nie wirklich ergeben. Ich wollte immer die sportlich höchste Herausforderung wahrnehmen. Aber vielleicht auch durch meine große Heimatverbundenheit ist es zu keiner anderen Liga gekommen. Ich bin in dieser Liga einfach „gefangen geblieben“.

Hat sich das Niveau oder die Art Fußball zu spielen in den vergangenen Jahren in der Verbandsliga verändert?

Sowohl das Niveau als auch die Art Fußball zu spielen haben sich in den vergangenen Jahren verändert. Das Spiel ist schneller geworden, was von den Trainern und dem modernen Fußball auch gewünscht wird, jedoch zu Lasten der Qualität des Spiels geht. Je mehr Tempo und Schnelligkeit, um so höher die Fehlerquote. Durch den vermehrten Einsatz vieler junger Spieler, die sich weiterentwickeln sollen und den damit sinkenden Altersdurchschnitten der Mannschaften, hat das Niveau der Verbandsliga abgenommen. Früher waren höhere Altersdurchschnitte in den Mannschaften zu verzeichnen, damit war mehr Erfahrung auf dem Platz. Die Spiele waren von der Qualität und Zweikampfintensität früher besser und höher, um nicht zu sagen härter.

Sie haben in Völpke und beim OSC meist gegen den Abstieg gespielt, beim HSC hat es auch noch nicht nach ganz vorne gereicht. Vermissen Sie etwas in ihrer Karriere?

Ich vermisse nichts. Natürlich möchte man als Sportler so viele Titel wie möglich gewinnen, dies blieb mir die meiste Zeit verwehrt. Aber Titel sind für mich nicht alles, eher die entstandenen Freundschaften und die für immer bleibenden Erinnerungen bei den jeweilig genannten Mannschaften stehen für mich an erster Stelle.

Sie sind relativ lange bei ihren Vereinen geblieben. Wie wichtig ist ihnen Stabilität, auch auf sportlicher Ebene?

Sehr wichtig. Konstante und stabile Verhältnisse sind der Grundstein, auch für eine positive sportliche Entwicklung. Mit der Stabilität wächst das Vertrauen und die Bindung zueinander. Leider war nach den Jahren beim TSV Völpke die Stabilität auf den Trainerbänken beim Oscherslebener SC und auch Haldensleber SC nicht mehr gegeben. In den letzten acht Spielzeiten habe ich auch sieben Trainerwechsel miterlebt. Auf dieser Position hätte ich mir mehr Konstanz gewünscht.

Wo hatten Sie ihre beste Zeit als Fußballer?

Ich fand meine sechs Jahre beim TSV Völpke am eindrucksvollsten und prägendsten. Dort begann parallel zur Berufsausbildung in Magdeburg meine Laufbahn im Männerbereich. Wir wurden in meinem ersten Jahr Vierter und nach anfänglich guten Jahren folgten durchwachsenere Jahre gegen den Abstieg. Doch der Abstiegskampf schweißt zusammen und wir waren über die gesamten Jahre eine tolle Einheit. Gerne habe ich drei Jahre je dreimal in der Woche den Weg aus Hannover, meinem damaligen Arbeitsort nach absolvierter Ausbildung, auf mich genommen, um dann, nach Trainingsschluss wieder nach Hildesheim zu meinem damaligen Wohnort zu fahren. Wahnsinn, was für ein zeitlicher Aufwand das war. Aber ich glaube, das sagt viel über mich und die damalige Zeit beim TSV Völpke aus. Auch die sechs Jahre mit Thoralf Bennert als Trainer haben mich geprägt und sehr beeindruckt. Natürlich bleiben die Pokalhighlights gegen den 1. FC Magdeburg und den Halleschen FC mir immer in Erinnerung.

Gab es weitere prägende Momente in dieser Zeit?

Ich kann mich noch sehr gut an ein besonderes Abstiegsdrama am entscheidenden letzten Spieltag in meiner letzten Saison beim TSV Völpke 2012/2013 erinnern. Wir spielten bei IMO Merseburg und der letztliche Absteiger Fortuna Magdeburg war bei Halle-Ammendorf zu Gast. Durch Treffer von mir und Ingo Hermanns, der mich bis heute begleitet, gewannen wir unser Spiel. Da Fortuna Magdeburg zeitgleich verloren hatte, hieß es für uns am Ende Klassenerhalt geschafft.

Viele Trainer schätzen ihre Fähigkeiten als Allrounder. Wo sehen Sie sich selbst am liebsten auf dem Platz?

Ich glaube, dass ich in der Offensive meine Qualität besser einbringen kann als in der Verteidigung. Die linke und rechte Außenposition passen am besten zu mir.

Wenn Sie eine fußballerische Fähigkeit an sich verbessern könnten, welche wäre das?

Seit meiner ersten Saison im Männerbereich beantworte ich diese Frage immer gleich: Mein linker Fuß und mein Kopfballspiel sind verbesserungswürdig.

Unter Marco Wagner und Marko Fiedler hat der Haldensleber SC sein Image in den vergangenen Monaten aufpoliert. Wie sehen Sie die Entwicklung der Mannschaft und was kann sie in der Zukunft noch erreichen?

Ich finde die Entwicklung unserer jungen Mannschaft beeindruckend. Natürlich resultiert dies aus der geleisteten Arbeit der genannten Trainer und des gesamten Trainerteams. Durch Zusammenhalt und Teamspirit machen wir das Bestmögliche aus den uns gegebenen Möglichkeiten. Wenn sich unsere jungen Spieler und die, die aus der eigenen Jugend nachkommen, so positiv weiterentwickeln, sehe ich Haldensleben in den kommenden Jahren gut aufgestellt.

Mit dem abgesagten Pokalspiel in Lüttchendorf und der anschließenden Beendigung des Landespokal-Wettbewerbs wurde euch ein großer sportlicher Höhepunkt genommen. Wie groß war der Schmerz damals, beziehungsweise ist er noch heute?

Der kürzeste Weg zum Erfolg ist der Pokalwettbewerb. Diese einmalige Gelegenheit in das Finale einzuziehen, wurde uns durch Planungs- und Strukturfehler beim Fußballverband Sachsen-Anhalt genommen. Ich glaube, jeder hätte sich das Finale im Rahmen „Der Tag der Amateure“ und den damit verbundenen TV-Auftritt gewünscht. Ich finde es bedauernswert, dass das Land Sachsen-Anhalt eines der wenigen Bundesländer ohne diesen genannten Tag war.

Ist die wahrscheinliche Landespokalpartie gegen den 1. FC Magdeburg so etwas wie eine Genugtuung?

Es freut mich für unsere gesamte Mannschaft und für die jungen Spieler bei uns, wenn es zu diesem Spiel kommt. Da ich bereits gegen den FCM im Pokal spielen durfte, ist dies für mich in dem bevorstehenden Achtelfinale kein Highlight. In der vergangenen Saison, in einem möglichen Finale, wäre dies etwas anderes gewesen.

Haben Sie Bedenken, dass auch diese Partie der Corona-Pandemie zum Opfer fallen könnte?

Da es sich um das Achtelfinale handelt und ich optimistisch bin, dass es im kommenden Jahr mit dem Spielbetrieb weiter geht, bin ich mir sicher, dass dieses Spiel stattfindet.

Wie halten Sie sich fit und fehlt ihnen etwas?

Ich gehe regelmäßig laufen. Des Weiteren haben wir uns im Freundeskreis ein kleines Fitnessstudio eingerichtet, in dem ich mich des Öfteren „sehen lasse“. Natürlich fehlt mir die gemeinsame Zeit mit der Mannschaft und die ein oder andere Anekdote nach den Trainingseinheiten. Jedoch hat man aktuell auch mehr Zeit für private Dinge, was ich auch schön finde.

Wie lange möchten Sie noch spielen und werden Sie auch nach dem Karriereende dem Fußball erhalten bleiben, beispielsweise als Trainer?

Da in meinem privaten Bereich in der kommenden Zeit viel ansteht, werde ich sehen, ob der Fußball noch den Stellenwert wie bisher für mich hat. Wenn ich weiterhin mithalten kann, es die Gesundheit und die Fitness hergibt, möchte ich eigentlich noch nicht aufhören. Eine Verbindung zum Fußball wird es nach meinem Karriereende sicher in einer Form geben. Ob als Trainer, weiß ich noch nicht. Dazu sind meiner Meinung nach einige Lehrgänge oder gar eine Trainerlizenz Voraussetzung.

Wie oft wollte Sie ihr Cousin Chris Sacher schon zu einem Wechsel nach Ummendorf überreden?

Natürlich flachsen wir ab und zu mal darüber. Ich freue mich für ihn, dass es für den USV in den vergangenen Jahren steil bergauf ging. Aber ich glaube, wir wissen beide, dass dies einige Schwierigkeiten und Hürden mit sich bringen würde.

Gibt es noch etwas, was Sie in ihrer Fußballerlaufbahn erreichen wollen?

Natürlich möchte ich mit dem HSC noch viele Spiele gewinnen, mich dort voll reinhauen und auch im Pokal möglichst weit kommen. Aber ich fasse zum Ende meiner Karriere nochmal ein Engagement beim Eilslebener SV auf der brandneuen Anlage ins Auge. Dort wo ich mit fünf Jahren das Fußballspielen begonnen und erlernt habe, um mit ihnen ihren Traum, den Landesklasseaufstieg, zu erleben.