Handball

Eine starke Schulter für den glücklichen Kluge

Der SCM hat sich vor dem Kracher gegen Flensburg in Stellung gebracht – mit Teamspirit und einer starken Wurfquote

Magdeburg

Justus Kluge musste seinen 1,94 Meter großen Körper schon ein bisschen tiefer beugen, um mit dem Kopf die starke Schulter des um zwölf Zentimeter kleineren Lukas Mertens zu erreichen. Die beiden teilen sich nach der schweren Verletzung von Matthias Musche die Position auf der linken Außenbahn beim SC Magdeburg. Sie haben sich dort am Dienstagabend auf der Platte der Getec-Arena freundschaftlich abgewechselt.

Sieben Treffer

Während Mertens zunächst vor allem im Positionsangriff gegen den HC Pelister Bitola gefordert war, erwischte Kluge in der zweiten Halbzeit die erste und zweite Welle so vorzüglich, weshalb ihm letztlich sieben Tore gegen die Nordmazedonier gelangen. Womit er bester Werfer war, womit er seinen Teil zum Einzug ins Viertelfinale der European Handball League beigetragen hat. Die Ausbeute wird er gestern noch zum Geburtstag seiner Mutter gefeiert haben. „Ich widme jeden meiner Treffer der Familie“, sagte er nach der Schlusssirene. Nicht nur jene vom Dienstag.

Siebenmal hatte der 23-Jährige also zu seinem persönlichen Glück geworfen, insgesamt 35-mal traf die Mannschaft beim deutlichen Sieg in diesem Achtelfinal-Rückspiel (35:24). Und zum Stolz des Trainers. „Ich habe der Mannschaft ein Kompliment gemacht“, sagte Bennet Wiegert und lüftete damit das Geheimnis des besonders lauten Jubels in der Umkleidekabine nach dem Erfolg. Kluge fand es „interessant, wie solch ein Jubel interpretiert wird“. Für ihn war es ganz normal: „Ich glaube, wir freuen uns einfach über jeden Sieg.“ Und zuweilen auch über ein Spiel, welches nicht verloren wurde.

Rekordverdächtige Serie

22 Partien in Serie sind es nunmehr, die der SCM nicht mehr mit leeren Händen verlassen, womit er gegen Bitola den bisherigen Vereinsrekord eingestellt hat. Gegen die SG Flensburg-Handewitt am Ostersonntag (13.30 Uhr) können die Grün-Roten also eine neue Bestmarke aufstellen. Ausgerechnet gegen Flensburg, gegen den Tabellenführer. „Wir müssen einfach gegen eine, wenn nicht die beste deutsche Mannschaft unsere Leistung bringen“, so Wiegert.

Allein der Teamspirit reicht nicht zum neuerlichen Erfolg, da ist sich auch Wiegert sicher. Aber mit einer herausragenden Wurfquote (74 Prozent) oder einer starken Torhüterleistung wie die von Tobias Thulin (zwölf Paraden) gegen Bitola ist das zu schaffen.

Dieser Teamspirit, betont der 39-Jährige, ist es, „der uns durch solch eine lange Saison trägt“. Und der gegen Bitola eine Steigerung erfahren hat. „Keiner geht mit einem schlechten Gefühl nach Hause, jeder hat Selbstvertrauen getankt“, so der Coach. Selbst gegen einen solchen Gegner, gegen den nach 20 Minuten die Messe gesungen, der Drops gelutscht, das Spiel entschieden war. Nach dieser Leistung hat Wiegert seiner Mannschaft eineinhalb Tage frei gegeben. Was dem Vernehmen nach der eine oder andere zum Sonnenbad im Magdeburger Zoo genutzt hat.

Bitolas Co-Trainer Bozidar Mojsov, der in Magdeburg für den coronaerkrankten Cheftrainer Zeljko Babic in die Haupt-Verantwortung gesprungen war, schwärmte jedenfalls beeindruckt von der „starken Magdeburger Mannschaft“ und äußerte sogar die Hoffnung, dass der SCM diesen Wettbewerb nun für sich entscheiden wird. Genau das haben die Wiegert-Mannen ja vor. Aber dazu müssen sie zunächst im Viertelfinale den IFK Kristianstad schlagen. Am 13. April wird das Hinspiel in Schweden, am 20. April das Rückspiel in der Getec-Arena ausgetragen.

Jeder wird brennen

Aber erst kommt Flensburg. Und wenn jeder seiner Treffer in dieser Partie wieder zum Sieg beiträgt, dann wird Justus Kluge noch viel glücklicher sein als gegen Bitola. „Jeder aus der Mannschaft und in der Stadt freut sich auf das Duell“, ist sich Kluge sicher. „,Benno’ (Wiegert/d. Red.) wird es leicht haben in der Kabine, denn jeder wird heiß sein, jeder wird brennen.“ Ob nun eher groß oder eher klein.