Handball

SC Magdeburg: Die Stimmung kehrt in die Halle zurück

125 Fans pushen die SG Flensburg-Handewitt zum Sieg in der Handball-Bundesliga gegen den SC Magdeburg.

Von Daniel Hübner
Flensburgs KeeperTorbjörn Bergerud ließ sich auch von den Fans mitreißen.
Flensburgs KeeperTorbjörn Bergerud ließ sich auch von den Fans mitreißen. Foto: Michael Täger

Flensburg/Magdeburg - Maik Machulla hat sich nach der Schlusssirene in der Kabine seiner Mannschaft umgehört, und die Umfrage deckte ein Gefühl der Spieler auf, das sie so schon lange nicht mehr erlebt haben. 125 Zuschauer – trommelnd, schreiend, jubelnd – haben am Mittwochabend in der Flens-Arena die Rückkehr der Gänsehaut eingeläutet. Nur 125 Zuschauer. So haben es die Akteure der SG Flensburg-Handewitt beim 33:30 (13:16)-Sieg in der Handball-Bundesliga gegen den SC Magdeburg empfunden. Nicht auszudenken also, wie sich die Spieler am kommenden Dienstag fühlen werden, wenn 1500 Besucher in der Getec-Arena erlaubt sind. Wenn es mit dem SCM und dem THW Kiel zu einem erneuten Liga-Gipfel kommt (20.30 Uhr).

Die Welt des Handballs dreht sich also allmählich wieder in normalen Bahnen. Und dies nach einer „komischen und schwierigen Saison“, sagte SCM-Trainer Bennet Wiegert, in der der Fokus der Mannschaften über das eigentliche Spiel hinaus in die Themen Gesundheit und Sicherheit gegangen ist. Die Saison ist aber längst nicht zu Ende. Kiel ist für Magdeburg die erste von sechs Partien, die bis zum 27. Juni absolviert werden müssen.

Und schon in Flensburg hat man gesehen, dass „die Zündschnur zum Ende etwas kürzer wird“, meinte Wiegert zum Schlagabtausch auf der Platte, aber vor allem unter den Verantwortlichen an der Seitenlinie. Allerdings „sind wir als Trainer eben bei unserem Stil geblieben“, betonte Wiegert. Auch Corona konnte dem Coach die Emotionen nicht nehmen. Warum auch. „Wir leben das Spiel mit. Es geht um Punkte, die über das Saisonziel entscheiden.“ Für Flensburg. Für Magdeburg. Und um den Kopf dafür frei zu haben, hat Wiegert sich und den Grün-Roten nach Abpfiff zwei freie Tage verordnet.

Zwei entscheidende Momente

Flensburg hat sich mit dem Sieg jedenfalls viel Selbstvertrauen geholt im Titelzweikampf mit Kiel. Eine „unglaubliche Effektivität von außen“, sagte Machulla über die zweite Hälfte, hat dabei geholfen. Flensburg kam auf eine Wurfquote von 73, der SCM auf 60 Prozent. Mit einer Leistungssteigerung vom Torwart bis zum Kreisläufer und in zwei entscheidenden Momente brachten sich die Gastgeber in Vorteil.

Der SCM hat es derweil nicht geschafft, die Leistung aus „einer sehr, sehr guten ersten Halbzeit“ , so Wiegert, vollständig in den zweiten Abschnitt zu transportieren. Mit einem 5:0-Lauf vom 14:18 zum 19:18 (38.) und den beiden Toren zum 28:26 (55.) kamen die SG erst zurück ins Spiel und dann auf Siegkurs. Gänsehaut inklusive. „Da hat man gesehen, was in der Flens-Arena geht. 125 Fans haben Stimmung für 1000 gemacht“, freute sich Machulla. „Bis zum 26:26 haben wir mit Leidenschaft einen Schlagabtausch geliefert“, so Wiegert. Letztlich hat „Flensburg mit drei Toren verdient gewonnen“.

Zurück zu den Zielen. Flensburg hat seinen Anspruch auf den Titel untermauert. Kiel will beim SCM nachziehen, und nach dem verpassten Einzug ins Pokal-Final-Four-Finale gestern in Hamburg dürfte die Wut besonders groß sein. Magdeburg will indes den dritten Platz verteidigen, einen Punkt Vorsprung bei einer Partie weniger haben Grün-Roten auf die Rhein-Neckar Löwen, die am Mittwoch überraschend in Balingen verloren haben (30:32). Dabei muss der SCM noch nach Mannheim reisen. Die Zündschnur wird also nicht länger. Das Gefühl von Gänsehaut dafür umso intensiver.