Handball / SCM

SCM mit drei Halbzeiten

Das letzte Saison-Heimspiel des SC Magdeburg wurde noch einmal zu einer großen Handball-Party. Obwohl sich die Grün-Roten gegen Wetzlar mit einem 27:27 begnügen mussten, folgte ein emotionaler Abschied von vier verdienstvollen Spielern.

Von René Miller und Lukas Reineke
Im Rahmen des letzten Heimspiels wurden beim SC Magdeburg die Spieler Zeljko Musa, Christoph Steinert, Tobias Thulin und Justus Kluge (v. l.) verabschiedet.
Im Rahmen des letzten Heimspiels wurden beim SC Magdeburg die Spieler Zeljko Musa, Christoph Steinert, Tobias Thulin und Justus Kluge (v. l.) verabschiedet. Foto: Eroll Popova

Magdeburg - Dass es in der Getec-Arena laut werden kann, ist bekannt. Auch dass es richtig laut werden kann. Gestern Abend war es wieder soweit. Erst wurde mit 1500 Zuschauern beim 27:27 (12:11) im letzten Saison-Heimspiel gegen Wetzlar bis zum Ende gezittert, um danach mit einem richtig tollen Rahmen vier Spieler zu verabschieden und zwei weitere zu ehren. So wurde es ein Handball-Spiel, das sogar drei Halbzeiten hatte. Zwei sportliche und eine emotionale.

Emotionale Verabschiedung

Denn nach der Schlusssirene wurde es erst so richtig laut. Zeljko Musa, Tobias Thulin, Christoph Steinert und Justus Kluge erhielten jeweils eine Fotocollage mit den schönsten Bildern ihrer SCM-Zeit. Auf dem Videowürfel waren die vier mit kurzen Clips außerdem noch einmal in Aktion zu sehen. Und die Fans feierten Musa und Co. mit Ehrenrunde und stehenden Ovationen. Völlig klar, dass bei den Spielern und Fans auch so manche Träne über die Wange kullerte.

Auch Magnusson und Green geehrt

Bejubelt wurde auch Omar Ingi Magnusson als bester SCM-Werfer der Saison. Die bisher 262 Treffer sind vereinsintern nicht mehr aufzuholen. Als Kämpfer der Saison wurden die langzeitverletzten Matthias Musche und Gisli Kristjansson geehrt. Bis gestern konnten die SCM-Fans auch darüber abstimmen, wer Spieler der Saison wird. Die meisten Klicks erhielt Jannick Green. Der Däne konnte aufgrund seiner Knieoperation nicht in der Halle sein, bedankte sich aber mit einer Videobotschaft bei den Fans.

Auf Sky konnte der Däne vorher live verfolgen, dass Thulin erneut einen grandiosen Tag erwischte. Von seinen 14 Paraden legte er schon zur Pause neun hin und hielt gleich drei Siebenmeter. „Tobi, Tobi“ – so schallte es von den Rängen durch die Getec-Arena. Kräftig gefeiert wurde natürlich auch Musa, der sich beim 7:4 (14.) in die Torschützenliste eintrug. Christoph Steinert hatte in seinem Abschiedsspiel schon zuvor zum 6:3 (11.) getroffen. „Steini“ durfte übrigens im rechten Rückraum fast durchspielen, weil Magnusson im Angriff die zentrale Position übernahm.

Spannung im Duell um Torjägerkrone

Für den Isländer geht es ja auch noch im Fernduell mit Göppingens Marcel Schiller um die Bundesliga-Torjägerkrone. Weil Schiller beim Sieg seines Klubs 14 Tore beisteuerte und Magnusson „nur“ achtmal traf, liegt der SCM-Spieler jetzt ein Tor zurück.

Ob Magnusson von Schillers Aufholjagd während des Spiels erfuhr, ist nicht bekannt. Aber er zeigte plötzlich Nerven und vergab sechs Minuten nach der Pause den ersten von drei Siebenmetern. Aber das steckte Magnusson wie gewohnt cool weg und traf dafür noch einige Male aus dem Feld.

SCM muss sich mit Punkt begnügen

Obwohl der SCM Rang drei schon vor dem Anwurf sicher hatte, sollte es kein „Wir-legen-alle-Bälle-auf-Omar-ab“ oder Schaulaufen werden. „Wir haben die Verpflichtung, auch unsere letzten zwei Spiele professionell über die Bühne zu bringen“, hatte Trainer Bennet Wiegert immer wieder betont. Als Wetzlar auf 19:18 (40.) verkürzte, schalteten die Magdeburger auch noch mal einen Gang hoch und legten zwei Tore nach. Die Gäste blieben aber dran und machten acht Minuten vor Schluss daraus ein 22:23. Der SCM drehte das Spiel zwar noch einmal, musste sich aber am Ende auch wegen einiger strittiger Entscheidungen der Schiedsrichter mit dem einen Punkt begnügen.

„Ich bin traurig, dass ich den SCM und die Bundesliga verlasse“, sagte ein emotional berührter Musa nach dem Spiel bei Sky. „Ich bin sehr dankbar, dass ich die Chance bekommen habe, hier sechs Jahre zu spielen.“