Handball / SCM

SCM steht im Finale

Der SC Magdeburg greift nach dem Europacup. Beim Final Four in Mannheim stehen die Grün-Roten durch ein 30:29 (13:15) gegen Wisla Plock im Endspiel der European League. Der Sieg war allerdings ein hartes Stück Arbeit.

Von René Miller
Nachdem der SCM im Halbfinale des Final Four der European Handball League gegen Wisla Plock lange Zeit hinten lag, brachte Moritz Preuss beim 20:19 nach 42 Minuten die Grün-Roten wieder in Führung.
Nachdem der SCM im Halbfinale des Final Four der European Handball League gegen Wisla Plock lange Zeit hinten lag, brachte Moritz Preuss beim 20:19 nach 42 Minuten die Grün-Roten wieder in Führung. Foto: Franzi Gora

Mannheim - Am Ende zählt nur der Einzug ins Finale. Und den können die Handballer des SC Magdeburg bejubeln - auch wenn es beim 30:29 (13:15) gegen Wisla Plock keine Handball-Gala war. Lange Zeit liefen die Grün-Roten beim Final Four in Mannheim einem Rückstand hinterher und stellten erst Mitte der zweiten Halbzeit die Weichen in Richtung Endspiel. Omar Ingi Magnusson und Michael Damgaard waren mit je sechs Treffern die besten Werfer.

Im dritten Anlauf ins Endspiel

„Dass es ein hartes Stück Arbeit wird, war uns allen klar. Umso glücklicher sind wir, im Finale zu stehen“, freute sich Trainer Bennet Wiegert, der 2017 und 2018 mit seinem Team beim Final Four des EHF-Cups jeweils im Halbfinale scheiterte.

Chrapkowski trifft zuerst

Es ging gut los für den SCM. Weil die Polen ihren ersten Angriff nicht nutzen konnten, stürmte Piotr Chrapkowski mit nach vorn und nutzte die Lücken zum 1:0. Auch der Handball schreibt die schönsten Sportgeschichten. Denn dass ausgerechnet der Pole in Diensten des SCM gegen seine Landsleute das erste Tor des Abends wirft, damit hätte kaum einer gerechnet. Der hinter dem Tor von Plock auf einem Tisch aufgebaute Pokal der European League schien den SCM aber irgendwie zu hemmen. Im Angriff hatten die Grün-Roten große Probleme mit der offensiven Abwehr des Gegners. Und im SCM-Tor konnte Jannick Green nicht wie erhofft und eigentlich gewohnt helfen.

„Überrascht hat uns das System von Plock nicht. Wir haben viele Videos gesehen und wussten, was da auf uns zukommt“, sagte Lukas Mertens nach dem Spiel. In dem der SCM nach sechs Minuten mit 1:3 hinten lag.

Thulin rückt für Green ins Tor

Nach einer Viertelstunde konnten die Magdeburger durch Michael Damgaard zum 6:6 ausgleichen. Zeljko Musas anspornendes „Kommt, Jungs“ war zwar bis in den letzten Winkel der SAP-Arena zu hören – aber es wollte einfach nicht laufen. Green verließ nach 20 Minuten frustriert sein Tor. Dafür kam Tobias Thulin. Und beim 8:11 (21.) nahm Trainer Bennet Wiegert die erste Auszeit.

Weil Thulin richtig gut ins Spiel kam und zwei Paraden hinlegte, glich der SCM innerhalb von drei Minuten zum 11:11 aus. Das brachte aber immer noch keine Sicherheit. Fast mit der Pausensirene konnte Omar Ingi Magnusson wenigstens noch auf 13:15 verkürzen.

Wiegert lobt die Geduld

Für den Coach eine ganz entscheidende Szene. Wiegert: „Ich bin stolz darauf, dass die Mannschaft Ruhe und Geduld bewahrt hat. Zuletzt wären wir in dieser Phase vielleicht sogar mit minus vier oder fünf Toren in die Halbzeit gegangen.“

Die Pause tat den Magdeburgern zusätzlich gut. Mertens: „Wir haben ein paar Angriffszüge umgestellt. Und der Coach hat uns gesagt, wenn wir ruhig bleiben, gewinnen wir das Spiel auch..“ Nach dem Seitenwechsel lief es auch wieder viel besser. In der 38. Minute glich der SCM zum 17:17 aus. Und obwohl Magnusson sogar einen Siebenmeter und freien Wurf vergab, durfte der SCM in der 42. Minute wieder eine Führung bejubeln. Moritz Preuss traf da zum 20:19. Damgaard und Christian O'Sullivan erhöhten noch auf 22:19 (45.) nach. Auch zur Freude des mitgereisten Matthias Musche, der auf der Tribüne saß und dort am liebsten einen der als Pappfigur aufgestellten Fan umarmt hätte.         

Drei-Tore-Führung als Knackpunkt

Für Mertens waren das ganz wichtige Minuten. „Dass wir da mit drei Toren davon ziehen konnten, war aus meiner Sicht so etwas wie der Knackpunkt im Spiel“, analysierte Mertens. Weil der SCM dann auch mehr über die Außen und weniger über den Kreis spielte, hatte Plock nicht mehr diesen Zugriff wie noch zu Beginn der Partie. Und Thulin wurde im Tor im stärker. „Schön, dass ich der Mannschaft richtig helfen konnte“, sagte der trotz seiner tollen Leistung bescheiden bleibende Schwede.

Gewonnen hatten die Magdeburger aber noch lange nicht Gut neun Minuten vor Ende der Partie leuchtete ein 24:24 auf der Anzeigetafel. Doch der SCM behielt die Nerven. Gut fünf Minuten vor Ende stellte O'Sullivan beim 28:25 wieder das Drei-Tore-Polster her. Und das reichte dann am Ende auch ganz knapp.

Im Finale warten die Füchse

Ausgelassen hüpften die Magdeburger nach der Schlusssirene auf der Platte herum und feierten mit den wenigen mitgereisten Trommlern. Und müde ist für das Finale am Sonntagabend (20.30 Uhr) gegen die Füchse Berlin, die das andere Halbfinale gegen Gastgeber Rhein-Neckar Löwen mit 35:32 (19:16) gewonnen haben, trotz des anstrengenden Spiels auch keiner. O'Sullivan: „Im Finale zu stehen, gibt zusätzlich Kraft. Wir haben da schon noch genug Reserven im Tank.“