Handball

Steinert vom SC Magdeburg vermisst die Fans

Christoph Steinert will in 13 Liga-Spielen und in einem Turnier seine Ziele mit dem SC Magdeburg erreichen.

Von Daniel Hübner
Christoph Steinert will noch oft in dieser Saison jubeln. Foto: Popova

Magdeburg. Seine Sportlehrerin konnte diesen Anblick nicht mehr ertragen. Selbst bei der Erwärmung zündete Christoph Steinert den Turbo und sprintete den Mitschülern davon. Wenngleich er zu diesem Zeitpunkt seiner Vereinslosigkeit ein wenig Hüftspeck angesetzt hatte. Denn Fußball spielte er nicht mehr, nach dem Umzug der Familie aus Berlin ins brandenburgische Zossen waren der Weg und der Stress zu den Partien beim VfB Neukölln irgendwann so groß geworden, weshalb Steinert sich vom Rasenballsport verabschiedet hatte. „Dann hat mich meine Sportlehrerin zum Handball geschleppt“, berichtet er. Und zum SV Lok Rangsdorf. Mit 13 Jahren. Und das war gut so. Vier Jahre später wechselte er zu den Youngsters des SC Magdeburg und startete weitere zwei Saisons später in der Bundesliga durch.

Diesen Weg hatte Steinert ja irgendwie geplant. Oder zumindest davon geträumt. „Wenn man mich nach meinem Berufswunsch gefragt hatte, wollte ich nie Polizist oder Pilot werden.“ Sondern Profisportler, ursprünglich mit dem Ball am Fuß, später mit dem Ball in der Hand. Diesen hält der Rückraumrechte in dieser Saison noch für den SC Magdeburg in der linken – wenngleich Steinert eigentlich als Rechtshänder zur Welt gekommen ist. Und mit den Grün-Roten tritt er am Pfingstwochenende in Mannheim zum Final Four der European League an. Den Viertelfinal-Erfolg zuletzt gegen Kristianstad „haben wir sicherlich auch genossen, aber damit ist ja unsere Reise nicht beendet“, betont Steinert. „Jetzt wollen wir auch den Titel gewinnen.“

Am Sonntag gegen Erlangen

In der Bundesliga kann es indes für den dritten Platz am Ende der Saison reichen. Festlegen will sich Steinert in Anbetracht der Konkurrenten wie Rhein-Neckar Löwen oder sogar Frisch Auf Göppingen allerdings nicht. „Wir gewinnen ab jetzt einfach jedes Spiel und schauen, was am Ende dabei herauskommt“, sagt er. Das nächste Spiel wird am Sonntag in der Arena Nürnberg angepfiffen, gegen den HC Erlangen (16 Uhr/Sky), zu dem er zurückwechselt im Sommer. Und Christoph Steinert ist nun gespannt, zu welch einer Leistung seine künftige Gemeinschaft überhaupt im Stande ist.

Drei Wochen lang plagten sich die Franken durch die Corona-Quarantäne, drei Spiele sind dadurch zum Opfer gefallen. Steinert hält ja noch den regelmäßigen Kontakt zu den Akteuren, mit denen er bereits zwischen 2017 und 2019 gemeinsam kämpfte. „Es sind Freundschaften entstanden“, berichtet er. Vor allem zu Nico Büdel oder Nikolai Link, mit denen er im regelmäßigen Austausch steht. Aus dem Corona-Lager in Erlangen hat Steinert einiges über das Leid der Mannschaft erfahren.

Die Fans fehlen

Ein Akteur soll gleich fünf Kilogramm abgenommen haben, was er nicht nur auf der Waage sehen kann, sondern was er auch ganz sicher in jedem Zweikampf spüren wird, sollte jener Akteur zum Einsatz kommen. Allzu viele solcher Spielabsagen, wie sie Erlangen erteilen musste, kann die Liga inzwischen nicht mehr vertragen. „Für mich ist das inzwischen ein Glücksspiel“, blickt Steinert auf die Gefahr, dass die Handball-Bundesliga (HBL) vorzeitig einen Strich unter die Saison setzt und die Platzierten dann über die Quotientenregel ermittelt werden.

Was den 31-jährigen Steinert allerdings besonders stört in dieser Phase und was ihn dann auch beim Final Four stören wird: „Es sind keine Zuschauer zugelassen. Die Fans geben einem immer noch den zusätzlichen Kick. So bereitest du dich über Wochen im Training auf die Spiele vor und hast auch in diesen dann eine Trainingsspielatmosphäre.“ Die Stille in der Halle, der Blick auf die leeren Ränge. So fehlt auch Steinert der Rausch zum Spiel. Aber deshalb verliert er nicht seinen Fokus auf die Ziele mit dem SCM, die er in den nächsten 13 Partien in der Liga und in einem Turnier erreichen will.

Ein Ziel hat er nach seiner frühzeitigen Berufswahl erreicht: Profisportler. Demnächst wieder in Franken, wo er die Mischung aus Großstadtidylle und ländlichem Flair so sehr schätzt. Wo er sich bereits um eine Wohnung bemüht hat. Wenn es nach seinem Vater gegangen wäre, „hätte ich eher einen handwerklichen Beruf ergriffen“, berichtet er lächelnd. Wie Tischler zum Beispiel. Interesse an der Holzverarbeitung ist bei ihm ja durchaus vorhanden. „Ich würde aber nicht sagen, dass ich dafür Talent habe.“ Umso besser lässt er die Muskeln auf der Platte spielen. Und irgendwie wird er seiner Sportlehrerin deshalb dankbar sein, dass sie ihn damals nicht zur Leichtathletik geschleppt hat.