Pyeongchang (dpa) - Vor den Augen seines Königs Carl Gustaf hat sich der Schwede Andre Myhrer zum ältesten Slalom-Olympiasieger der Ski-Geschichte gekrönt.

Im Alter von 35 Jahren und 42 Tagen gewann Myhrer bei den Winterspielen von Pyeongchang vor dem Schweizer Ramon Zenhäusern und ist der erste Alpin-Olympiasieger aus Schweden seit dem großen Ingemar Stenmark. "Er ist einer der größten Athleten in der schwedischen Geschichte. Mit ihm in einer Reihe genannt zu werden, ist eine große Ehre", sagte Myhrer. "Ich habe mein Herz auf der Piste gelassen." Auch im Damen-Slalom hatte in Frida Hansdotter eine Schwedin triumphiert.

Hinter Zenhäusern wurde der Österreicher Michael Matt Dritter. Sein Bruder Mario hatte vor vier Jahren in Sotschi im Alter von 34 Jahren Gold gewonnen. Sein anderer Bruder, Skicrosser Andreas Matt, holte Silber in Vancouver.

Myhrer profitierte bei seinem Sieg auch vom Aus des Norwegers Henrik Kristoffersen, der nach dem ersten Durchgang geführt hatte, dann aber nach einem Fehler nicht ins Ziel kam. "Es ist besser, es zu probieren und zu scheitern, als es gar nicht zu probieren", sagte Kristoffersen danach. Der Patzer des 23-Jährigen kam so unerwartet, dass Matt bereits bei den Journalisten in der Mixed Zone stand und zurück in den Zielraum musste. Top-Favorit Marcel Hirscher aus Österreich, in Pyeongchang in der Kombination und dem Riesenslalom schon mit Gold dekoriert, war bereits im ersten Lauf ausgeschieden.

Für Myhrer ist es nach Bronze in Kanada vor acht Jahren die zweite Olympia-Medaille. Vor vier Jahren in Sotschi war er nach dem ersten Durchgang Zweiter, schied im Finale aber aus. Diese Enttäuschung trieb den besten Skifahrer Schwedens der vergangenen Jahre an und ließ ihn noch fokussierter arbeiten. Im Weltcup holte Myhrer bislang acht Siege - und kaufte sich danach stets eine Gitarre. "Ich bin nicht ganz sicher, was Olympia-Gold in Gitarren wert ist. Vielleicht muss ich zwei kaufen", sagte Myhrer.

Das einzige Resultat für den Deutschen Skiverband verbuchte in Abwesenheit des schmerzlich vermissten Kreuzband-Patienten Felix Neureuther der ehemalige WM-Zweite Fritz Dopfer auf Rang 20. "Im Moment gibt es keine Gedanken an ein Karriereende", betonte Dopfer. Wegen der Folgen eines Schien- und Wadenbeinbruchs ist er weit von seiner einstigen Form entfernt. Nach der Saison soll der Nagel aus dem Bein operiert werden. "Dann wird es wieder aufwärts gehen."

Linus Straßer war wie Hirscher im ersten Lauf ausgeschieden. Weil in der Alpinen Kombination vier Jahre nach dem Olympiasieg von Maria Höfl-Riesch keine Deutsche am Start stand, bleibt nur noch das Team-Event am Samstag, um die ersten Winterspiele ohne deutsche Alpin-Medaille seit 2006 noch zu verhindern.

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