Magdeburg l Sie sind also alle wieder zusammengekommen, um sich die „Brisanz, die in diesem Kampf steckt“, vor Ohren zu führen. Diese erkennt nämlich Ulf Steinforth, der SES-Boxpromoter, in dem Stallduell zwischen Robin Krasniqi und Stefan Härtel. Eine Brisanz, die zwischen „Hatschi“ und „Steffi“ – so nennen sich die Protagonisten gegenseitig – vor allem aus der Absage des ersten Duells im November 2018 entstanden ist, als Härtel passen musste. Was Krasniqi so kommentierte: „Ich kann auch jederzeit einen Krankenschein schicken.“

In einer launischen Pressekonferenz am Mittwoch im Magdeburger Maritim-Hotel blickten nun beide auf den neuerlichen Versuch, um die Europameisterschaft im Supermittelgewicht zu kämpfen, voraus. Dazu treten Titelverteidiger Krasniqi und Härtel am 11. Mai in der Stadthalle an (22.35 Uhr/live MDR). „Es wird der Spitzenkampf des Jahres in Deutschland“, ist sich Steinforth sicher. Und es geht nicht nur um den Gürtel. Nein (Hört! Hört!), es geht auch um die Rente.

Härtel will Krasniqi in die Rente schicken

Jetzt muss jeder Mittdreißiger kurz innehalten, durchatmen, in sich ruhen, um die Worte Härtels nicht als Beleidigung aufzufassen. Zu seiner Entschuldigung: Er ist eben ein Berliner, und die bestechen ja zuweilen mit einer größeren Klappe als die Antarktis Fläche hat. Härtel, der 17 seiner bislang 18 Kämpfe gewonnen hat (zwei K.o.), will seinen Gegner an jenem Abend also in den Vorruhestand schicken. „Wenn ich gewinne, wird er in die Rente eintreten“, verkündete Härtel, der sich für den kompletteren Boxer hält. Krasniqi ist 32 Jahre, laut Härtel also „alt“, bringt die Erfahrung aus 54 Profikämpfen (49 Siege, 17 K.o.) mit. Härtel ist zarte zwei Jahre jünger. Aber was macht er eigentlich, wenn er verliert? Die Jugendweihe nachholen?

Der Kämpfer Krasniqi hat in diesem Fall ein versöhnliches Angebot. „Ich würde dir immer eine Chance geben“, sagte er. Und sollte er selbst krankheitsbedingt verhindert sein wie Härtel damals, der sich bei seiner Tochter angesteckt hatte, dann schickt er seinen 21-jährigen Bruder Quendrim vorbei, der bislang drei Profikämpfe bestritten und zwei durch K.o. gewonnen hat. „Der würde für dich reichen“, ist sich Krasniqi jedenfalls sicher. „Ja, der würde mir reichen“, erwiderte Techniker Härtel schmunzelnd.

Über die Vorbereitung auf das Duell fabulierten beide nicht. „Die Hunde bellen“, sagte Krasniqis Coach Magomed Schaburow seufzend zu den Ansagen Härtels und fügte nüchtern an: „Wir werden den Kampf gewinnen.“ Härtel entgegnete: „Wenn ich ein Hund wäre, würde ich nicht nur bellen, sondern auch beißen.“ Das kann ja ganz schön bissig werden am 11. Mai – ganz sicher aber nicht mehr heiter.