Neukirchen  im  Heiligen  Blut l Tom Schwarz muss dieser Tage überaus beweglich sein. Wenn der SES-Schwergewichtler im Trainingslager im Bayerischen Wald mal telefonieren will, rotiert er oft mit seinen Armen und Händen. Und wenn dann mal ein Balken auf der Empfangsskala aufleuchtet, wird das fast so gefeiert wie ein Niederschlag beim Boxen.

Vielleicht ist dieses Beweglichkeitstraining der anderen Art ja eine gute Vorbereitung für den großen Tag in gut vier Wochen. Dann boxt Tom Schwarz im Ring des MGM-Hotels von Las Vegas gegen Tyson Fury. Der größte Kampf seiner Karriere. Und darauf bereitet er sich entsprechend intensiv vor. Abgeschiedener jedenfalls kann ein Profi kaum trainieren.

Vor rund 150 Jahren stand hier nur eine Hütte, in der Schmuggler ihre Waren austauschten. Jetzt bietet das Hotel Waldschlößl mit der angeschlossenen Sportschule Kinema ideale Bedingungen für den großen Box-Traum von Tom Schwarz. „Ich falle hier fast aus dem Bett ins Gym und bin fit wie noch nie“, berichtet Schwarz.

Training mit Traktorreifen

Seit Ende März quält er sich in der Höllhöhe – der Name ist absolut Programm. Drei Trainingseinheiten stehen pro Tag auf dem Programm. In Sichtweite der Grenze zu Tschechien läuft Schwarz die Berge hoch und runter. Im Kraftraum werden Klimmzüge mit 80 Kilogramm schweren Ketten um den Hals gemacht. Und die Leute in der kleinen Gemeinde kommen auch aus dem Staunen nicht raus, wenn der 1,97 Meter große Box-Riese aus Magdeburg Traktorreifen auf der Straße nach oben rollt. „Alles Dinge, die ich in Magdeburg so gar nicht machen könnte. Aktuell bin ich bei 113 Kilo Körpergewicht. Bis zum Kampf sollen noch drei Kilo runter“, verrät Schwarz.

Trainiert wird er außer von René Friese auch vom gebürtigen Kubaner Roberto Norris. SES-Promoter Ulf Steinforth erklärt: „Er lebt in Las Vegas und soll Tom neben neuen Trainingsinhalten auch ein bisschen darauf vorbereiten, was ihn alles in den USA erwarten wird.“

Für die Fitness ist Sepp Maurer zuständig. Und der lobt: „Beim Krafttraining haben wir viel Wert auf Schnelligkeit und Spritzigkeit gelegt. Da hat sich Tom von Woche zu Woche deutlich verbessert.“ Begeistert ist Schwarz speziell von der Desmodronik-Maschine, einer computergesteuerten Beinpresse.

Kampf war kein Spaß

„Nach meinem Urlaub habe ich bei den Bergläufen noch richtig gepumpt“, erzählt Schwarz. „Inzwischen macht es mir es sogar richtig Spaß, die Steigungen hochzustürmen. Und ich weiß vor allem, warum ich das hier alles mache.“

Sein letzter Kampf stieg am 2. März im Magdeburger Maritim-Hotel – unter dem Motto „Las Vegas in Magdeburg“. Da schickte er Kristijan Krstacic schon in der zweiten Runde auf den Boden und war nichtsahnend nach Ägypten in den Urlaub geflogen. „Als ich wieder in Magdeburger war, holte mich mein Promoter Ulf Steinforth ins Büro und fragte, ob ich denn Lust hätte, wirklich mal in Las Vegas zu boxen. Ich habe gesagt: ,Klar, gegen wen denn?‘ Als er mir Tyson Fury nannte, dachte ich zuerst, jetzt macht er Spaß. Dann habe ich eine Nacht drüber nachgedacht und am nächsten Tag mein Okay gegeben. Um das aber richtig zu begreifen, hat es schon noch paar Tage länger gedauert.“

Schwarz will gewinnen

So surreal wie es dem gebürtigen Hallenser zunächst erschien, so konzentriert geht er die bisher größte Chance seines Lebens inzwischen an. „Ich stehe im Ring, wenn die Boxwelt nach Las Vegas schaut. Absolut verrückt. Da geht ein Traum in Erfüllung. Fury ist für mich aktuell im Schwergewicht der beste Boxer der Welt. Aber ich fliege nicht dorthin, um für Fury ein Aufbaugegner zu sein, sondern will den Kampf gewinnen.“

Und wenn er sich nächste Woche auf den Weg nach Las Vegas macht, dann wird auch sein Handy wieder problemlos funktionieren.