Dessau l – Robin Krasniqi hatte nach seinem klaren Punktsieg gegen Ronny Landaeta gleich zwei Frauen an seiner Seite. Geküsst hat er aber nur eine, seine Freundin Heidi. Die andere Frau wollte etwas anderes vom Europameister im Halbmittelgewicht. „Ich muss noch zur Dopingkontrolle. Und bis dahin darf ich keinen Schritt ohne Beaufsichtigung machen“, erklärte Krasniqi, als er an einem Nebeneingang der Anhalt-Arena mal kurz frische Luft schnappen wollte.

Rechter Haken kam zu früh

Der Kampf war schließlich anstrengender, als mancher gedacht hätte. Vor allem nach der ersten Runde. Da kam Krasniqi mit seinem rechten Aufwärtshaken schon so hart durch, dass der Spanier angezählt werden musste. War allerdings so nicht vorgesehen. Krasniqis Trainer Magomed Shaburov: „Diesen Schlag hatten wir für die 6. Runde geplant. Denn dann wäre der Gegner wahrscheinlich nicht mehr so schnell aufgestanden.“ Krasniqi entschuldigte sich lächelnd: „Trainer, wenn sich die Lücke beim Gegner so bietet, dann kann ich doch gar nicht anders. Dann muss ich den Schlag so setzen.“

Sein in Venezuela geborener Gegner schüttelte sich kurz und biss sich von Runde zu Runde mit einer eher unorthodoxen Taktik immer mehr in das Duell rein. So musste Krasniqi bei seiner ersten Titelverteidigung gegen den ehemaligen MMA-Kämpfer über die volle Distanz gehen. Krasniqi: „Durch seine Vergangenheit war klar, dass er einiges einstecken kann und ziemlich zäh ist. Aber er hat auch ziemlich wild geboxt, teilweise auch unsauber. So bekam ich immer mal auch einen Schlag in die Hüfte und auf den Hinterkopf.“

Ganz klarer Punktsieg

Was vom Ringrichter in Runde vier aber auch mit einem Punktabzug geahndet wurde. Seine Kollegen mit den Punktzetteln stimmten schließlich mit 120:107, 116:111 und 116:110 für den in München wohnenden Krasniqi.

Die nächste Titelverteidigung könnte es noch mehr in sich haben. Jürgen Brähmer ist der nächste Pflichtherausforderer - und will diesen Kampf auch unbedingt wahrnehmen. „Ich bereite mich auf diesen Kampf schon vor, und die Gespräche mit SES-Promoter Ulf Steinforth laufen“, verriet der inzwischen 40-Jährige in den letzten Wochen in mehreren Interviews. Wie ernst der Schweriner diese Möglichkeit nimmt, zeigt allein schon, dass er bei Krasniqis Kampf in Dessau am Ring saß und aufmerksam zuschaute.

Krasniqi vor Jubiläum

Krasniqi ist guter Dinge. „Gegen Brähmer habe ich vor drei Jahren verloren“, sagt er. „Deshalb würde ich mich besonders darüber freuen, wenn ich mich jetzt dafür revanchieren könnte. Ich habe mich als Boxer weiterentwickelt und will das gerade auch in so einem Duell den Zuschauern zeigen.“ Die aus deutscher Sicht sehr attraktive Neuauflage könnte im Frühjahr steigen. Für Krasniqi wäre dabei auch der statistische Rahmen wie gemalt. Der 31-Jährige würde dann seinen 55. Profi-Kampf bestreiten und könnte den 50.  Sieg feiern.

Ob er seinen Titel im Supermittelgewicht (bist 76,203 kg) noch oft verteidigen wird, ist allerdings eher fraglich. Krasniqi: „Durch meine Körpergröße (1,86 Meter) ist es für mich immer schwierig, diese Gewichtsklasse zu halten. Da werde ich wohl eher irgendwann wieder ins Halbschwergewicht zurückkehren.“ Dort darf er bis 79,378 Kilo wiegen.