Magdeburg l Wenn die Vorkämpfer bei der SES-Gala am 27. Oktober in der Stadthalle von Weißenfels schon im Ring schwitzen, wird es sich der Hauptkämpfer des Abends zwischen den Zuschauern gemütlich machen und noch eine Tüte Gummibärchen naschen. „Eine Exotic-Fruchtmischung ist vor meinen Kämpfen inzwischen zum Muss geworden“, verrät Dominic Bösel sein süßes Geheimnis.

Gegen den Berliner Enrico Kölling will der Kämpfer aus aus Freyburg an der Unstrut am nächsten Sonnabend (ab 22.50 Uhr im MDR) seinen EM-Titel im Halbschwergewicht der EBU verteidigen. Bösel: „Während viele Boxer erst spät in die Halle kommen und dann lieber in ihrer Kabine bleiben, schaue ich mir schon immer gerne auch die anderen Kämpfe vorher an. Da boxen ja meistens auch immer Jungs aus unserem Boxstall, die man gut kennt und denen man die Daumen drückt.“

Und warum die Gummibärchen? Bösel: „Weil ich die mag. Und direkt vor dem Kampf muss ich ja auch nicht mehr so auf das Gewicht achten.“

Zusätzliche Brisanz

Aktuell ist an solche Naschereien natürlich nicht zu denken. Am 3. März stand der 28-Jährige letztmals im Ring und musste den für ursprünglich 9. Juni geplanten Kampf gegen Kölling wegen einer Operation an der Achillessehne absagen. Bösel: „Deshalb muss ich natürlich bisschen was aufholen, aber ich bin gut im Plan. Auch das Sparring war ordentlich. Der Kampf kann kommen.“

Ein Kampf, in den Bösel mit seinem vorzeitigen Abgang bei der ersten Pressekonferenz zusätzliche Brisanz reingebracht hat. Eine Show sollte das aber nicht sein. Bösel: „Enrico hat mir vorgeworfen, dass ich den Kampf zu spät abgesagt habe und er mir die Schwere der Verletzung nicht richtig abnimmt. Darüber war ich sauer, weil das so nicht stimmt. Dass mich die Verletzung behindert, habe ich erst zum Ende der Vorbereitung gespürt, als die Belastung am höchsten war. So etwas sollte man akzeptieren und respektieren.“

Lässt der gebürtige Naumburger am nächsten Dienstag die Pressekonferenz vor Ort etwa wieder platzen? Bösel: „So etwas kann man nicht planen. Das ist eher situationsbedingt.“ Beide hatten bis dato übrigens nie Probleme miteinander. Bösel: „Wir sind der gleiche Jahrgang und uns schon im Nachwuchs bei Turnieren begegnet. Später waren wir auch im Nationaltem zusammen unterwegs und kamen gut miteinander klar.“ Da kann man eigentlich nicht ewig sauer sein. Bösel: „Erst wird gekämpft. Dann werden wir uns schon wieder die Hände geben.“ Vorher will er seinem Gegner aber auch für die Sprüche noch mal richtig weh tun. „Enrico wird mich anders im Ring erwarten, als ich dann boxen werde“, plant Bösel die eine oder andere Überraschung.

Denn der Sieger des SES-internen Duells hat gute Chancen, kurzfristig auch um die WM-Krone boxen zu dürfen. Bei der IBF sind die Chancen am größten, zum Pflichtherausforder für Weltmeister Artur Beterbiev zu werden. Bösel: „Nächstes Jahr um einen WM-Gürtel zu boxen, ist mein großes Ziel.“ Und die Gummibärchen werden auch da am Ring nicht fehlen!