Magdeburg l Im Gym des SES-Boxstalls erklingen wieder altbekannte Töne. „Schön mit den Fäusten variieren. Und auf die Beinarbeit achten.“ So treibt Dirk Dzemski seine Schützlinge an. Die mussten rund fünf Monate ohne den 46-Jährigen auskommen. Der Trainer hatte sich wegen zweier Hand-Operationen eine Auszeit nehmen müssen. Aber seit einer Woche ist er wieder der Chef am Ring.

Und passt pedantisch auf, wenn seine Jungs trainieren. „Hey, es sind erst vier Minuten rum. Nicht nachlassen, eine Minute haben wir noch“, ruft er seinen Schattenboxern zu. Bei den Laufeinheiten und beim Bauchmuskeltraining macht er selbst noch mit. Und kann so auch am besten „überwachen“, ob jeder auch alles gibt. Dzemski: „Im Ring kommt es bei den Kämpfen oft auf Kleinigkeiten an. Deshalb ist es mir wichtig, auch schon im Training auf alle möglichen Details zu achten. Das war schon immer mein Ding. Schon als Kind habe ich das Kommando im Training übernommen, wenn der Trainer selbst mal nicht konnte oder später kam.“

Trainingsgruppe mit fünf Boxern

Wie die Boxer heute über Dirk Dzemski als Trainer denken, brachte Tom Schwarz auf den Punkt. Dzemski: „Tom hat mal gesagt, wer wirklich auf mich hört, der wird gut.“

Schwarz selbst ist aus der aktuellen Trainingsgruppe als WBO-Interconti-Champ am erfolgreichsten. Neben dem Schwergewichtler gehören auch noch Cruisergewichtler Jurgen Uldedaj, Halbschwergewichtler Adam Deines, Supermittelgewichtler Elvis Hetemi und Dzemskis Sohn Tom (Halbschwergewicht). Und wer hört am meisten auf den Trainer? Dzemski: „Ich denke, dass das Elvis ist. Adam hat da eher seinen eigenen Kopf, was andererseits beim Kampf in engen Situationen auch von Vorteil sein kann.“

Lob für den SES-Trainer

Für Dirk Dzemski ist neben den sportlichen Qualitäten auch die menschliche Komponente ganz wichtig. „Ich muss mich mit meinen Boxern auch außerhalb des Rings und der Trainingshalle verstehen“, betont der Trainer. „Das ist hier anders als beispielsweise im Fußball. Da kann man sich auch auf die reine Trainerarbeit beschränken und muss nicht mit jedem aus der Mannschaft zwingend klarkommen. Das ist im Boxen aber komplett anders.“

Diese Einstellung wird von seinen Boxern auch gelobt. Adam Deines sagt: „Dirk stellt nicht nur unser Training zusammen und bereitet uns auf die Kämpfe vor. Wir können auch mit jeder anderen Sache und auch privaten Dingen zu ihm kommen. Er hört sich alles an und hilft, wo er kann.“ Dass es Probleme geben kann, wenn die Chemie zwischen Coach und Boxer nicht stimmt, hat sich bei SES zuletzt gezeigt. Ulli Kaden sollte Dzemski als Trainer von Schwarz ersetzen, kam aber mit dem 24-Jährigen nicht klar. Deshalb wurde nach nur einem Kampf der Vertrag mit Kaden wieder aufgelöst.

Nun steht beim Kampf gegen Christian Lewandowski Samstagabend in Dessau-Roßlau (ab 22.20 Uhr im MDR) wieder Dzemski in der Ecke. Schwarz: „Ich bin froh, dass er wieder da ist. Denn keiner kennt mich so gut wie er und weiß, wie er mich zu nehmen hat.“