Magdeburg/Freyburg l Dass er jetzt zusammen mit seinem Vater in Freyburg am eigenen Haus Reparaturarbeiten tätigt, hätte sich Dominic Bösel vor einigen Wochen nie vorstellen können. Da war sein Tagesprogramm voll auf den für 28. März in Magdeburg geplanten WM-Kampf ausgerichtet. In der Getec-Arena wollte der SES-Halbschwergewichtler gegen den Australier Zac Dunn seine zwei WM-Gürtel (IBO, WBA-Interim) verteidigen. Dafür hatte er fleißig trainiert. Doch das Corona-K.o. konnte auch er nicht verhindern.

Bösel war gut drauf

Bösel: „Als es Ende der letzten Woche durch die Politik die ersten einschneidenden Maßnahmen gab und man gesehen hat, wie sich die Situation in Italien verschärft hat, konnte ich mir schon denken, dass es mit dem Kampf wohl leider nichts wird. Klar bin ich darüber sehr enttäuscht. Aber es gibt momentan wichtigere Dinge als einen Boxkampf. Entscheidend ist, dieses Virus zu besiegen“. Am vergangenen Freitag noch hatte er seine letzte Sparringeinheit. Bösel: „Ich habe mich richtig gut gefühlt, konnte den Kampf eigentlich kaum erwarten.“ Was auch sein Trainer Dirk Dzemski bestätigt: „Dominic war sehr gut drauf. Deshalb bin ich mir sehr sicher, dass er diesen Kampf gewonnen hätte. Aber es ist nun einmal so. Jetzt geht es nur noch um die Gesundheit von uns allen.“

Trainer Dirk Dzemski am Knie verletzt

Bei Dzemski gilt das übrigens nicht nur bezüglich des Coronavirus. Der 47-Jährige humpelt nämlich seit voriger Woche. Dzemski: „Ich habe mir beim Tatzentraining irgendwie das rechte Knie verdreht. Das ist auch ziemlich dick geworden. Eine genaue Diagnose bekomme ich aber erst am Donnerstag nach der MRT-Untersuchung. Wenn der Kampf stattgefunden hätte, dann wäre ich schon noch irgendwie in unsere Ecke gehumpelt. So kann ich mich jetzt aber wohl richtig auskurieren.“

Wohnungsbau statt WM-Kampf

Der Kämpfer will sich dagegen so gut es geht fit halten. Bösel: „Auch für mich bleiben natürlich die Sportstätten geschlossen. Wir konnten ja zuletzt auch schon in Halle nur noch begrenzt trainieren. Und die Median-Klinik in Leipzig muss sich jetzt um andere Dinge kümmern. Da werde ich mich auch nicht aufhalten. Deshalb mache ich jetzt ein paar Tage frei und widme mich meiner Wohnung. Mit meinem Papa haben wir uns schon Materialien besorgt, um ein paar Sachen auszubauen. Und dann werde ich mich natürlich privat weiter fit halten, gehe Joggen und mache Krafttraining.“

Wann wieder richtig geboxt werden kann und das Duell neu angesetzt wird, steht natürlich in den Sternen. Bösel: „Das kann zum jetzigen Zeitpunkt keiner sagen. Aber irgendwann wird es hoffentlich einen neuen Termin geben. Und dann will ich dafür bereit sein.“

WM-Gürtel bleiben erhalten

Obwohl der 30-Jährige vor einem seiner wichtigsten Kämpfe stand und das Boxen zurück auf die Bildschirme der ARD gebracht hätte, nimmt er die Kampfabsage gefasst auf. Bösel: „Wir können es ja nicht ändern und haben in der Welt jetzt ganz andere Sorgen. Wenn ich mir die Hand gebrochen hätte, dann könnte ich auch nicht boxen. Außerdem musste ich als Boxer ja auch schon einige Rückschläge einstecken. Und ich verliere durch die Absage ja nicht meine Titel. Die Gürtel sind immer noch bei mir und irgendwann werde ich sie verteidigen.“

SES-Partner müssen um ihre Existenzen bangen

Wenn Bösel über die Kampfabsage spricht, will er sich selbst aber eher zurücknehmen. „Leid tut es mir vielmehr um die vielen Leute und Firmen, die durch die Absage meines Kampfes jetzt finanzielle Einbußen haben, die sogar existenziell sind. Ich weiß auch, was bei SES um Promoter Ulf Steinforth alles für diesen Kampf organisiert und ausgegeben wurde“, sagt Bösel traurig.

Uldedaj bleibt Mega-Kampf verwehrt

Und Dzemski ergänzt: „Die ganzen Sparring-Einheiten waren ja alle umsonst. Und da rede ich nicht nur von Dominic. Auch Agit Kabayel und Peter Kadiru hatten sich ja auf diesen Kampfabend vorbereitet. Auch die ganze Werbung, die Plakatierungen usw. – das war alles umsonst.“ Auch SES-Cruisergewichtler Jurgen Uldedaj bleibt durch die weltweiten Absagen im Sport ein Highlight verwehrt. Dzemski verrät: „Er hätte am 22. April im Fußballstadion von Melbourne geboxt und dort den zweiten Hauptkampf bestritten.“