Las Vegas/Magdeburg l Als Tom Schwarz und Tyson Fury sich endlich im Ring gegenüber- standen, machten sich die Uhren in Deutschland schon bereit für den Schritt auf 6 Uhr. Und für Schwarz sollte das Duell im legendären MGM Grand von Las Vegas ein großer Schritt seiner noch jungen Box-Karriere werden. Aber nach nicht einmal sechs Kampfminuten endete der große Traum mit einem blutenden Cut neben dem Auge und einer angebrochenen Nase.

Nase angebrochen

„Es tut mir leid. Aber ich habe alles gegeben und wollte gewinnen, deshalb bin ich offensiv reingegangen. Mich hinter einer Doppeldeckung zu verstecken, hätte ich nicht mit meiner Ehre vereinbaren können“, analysierte ein sichtlich gezeichneter Schwarz noch im Ring. Während Fury sich feiern ließ und für seine Siegesparty fein machte, musste Schwarz sicherheitshalber zu einem kurzen Check ins Krankenhaus, wobei ein Haarriss in der Nase diagnostiziert wurde. Ein operativer Eingriff ist da aber nicht nötig.

Einlauf mit Bob Marley

Ob beim öffentlichen Training, bei der Pressekonferenz oder beim Wiegen – da hielt Schwarz bei den Showeinlagen seines Gegners Tyson Fury ordentlich dagegen. Doch schon beim Einlaufen vor knapp 10 000 Fans in die Grand Garden Arena des MGM Hotels stahl ihm der Engländer die Show. Schwarz hatte sich zum Song „One Love“ von Bob Marley in den Ring begeben und trug dabei wie im A bis Z in der Volksstimme schon angekündigt einen Mantel mit Versace-Muster.

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Fury aber marschierte in einem Anzug und mit einem Zylinderhut auf dem Kopf in den amerikanischen Farben zur Musik „Living in America“ von James Brown ein. Und im Ring trennten die beiden Schwergewichtler dann sogar Box-Welten. Während Fury den Angriffen von Schwarz mit unglaublich eleganten Körperbewegungen auswich, schlugen seine Fäuste gnadenlos bei Schwarz ein.

Schwarz zu offensiv

In der ersten Runde gab sich der 30-Jährige noch damit zufrieden, den Kampf lediglich zu kontrollieren. Während Schwarz in der Ringmitte stehend die Hände in der Deckung hielt, tänzelte der 2,06 Meter große Box-Riese um ihn herum und punktete auch dank der größeren Reichweite mit der Führhand. In der zweiten Runde passierte aber das, wovor viele gewarnt hatten. Schwarz war plötzlich im Vorwärtsgang und wollte Fury einen frühen K.o.-Schlag verpassen

„Nicht den Helden spielen“, hatte auch die Volksstimme am Sonnabend noch getitelt. Und das war so auch nicht mit seinem Trainer abgesprochen. René Friese: „Tom sollte schon druckvoll boxen, sich aber nicht so sehr öffnen.“ Wie locker Fury da an den Ringseilen stehend deckungslos die Schlagversuche seines Gegners mit dem Oberkörper auspendelte, dürfte in Deutschland auch den letzten Zuschauer vor Staunen wach gemacht haben.

Harte Schläge von Fury

Der „Gypsy King“ selbst hatte sogar die Auslage gewechselt und Schwarz damit vor weitere Probleme gestellt. Und als ihm Schwarz dann doch zu stürmisch wurde, schickte Fury ihn mit einer harten Schlagserie zu Boden. Der SES-Kämpfer blutete aus dem Cut und aus der Nase und wurde angezählt. „Die Schläge haben sich angefühlt wie Beton. Aber ich wollte unbedingt weiterkämpfen und habe mich da auch noch mal aufgerappelt“, beschrieb der 25-Jährige diese Sekunden.

Doch das Kämpferherz des Magdeburgers allein reichte nicht. Weil Schwarz danach in der Ringecke mit den Fäusten vor seinem Gesicht von Fury mit Schlägen regelrecht eingedeckt wurde, brach Ringrichter Kenny Bayless den Kampf vorzeitig ab. Parallel kam aus der Ecke von Schwarz auch noch ein weißes Handtuch als Zeichen der Aufgabe geflogen.  Fury: „Als ich die Auslage gewechselt und ihm dann mit der Linken eine verpasst habe, war es aus.“

Trainer Friese trotzdem stolz

Aufgrund der harten Treffer war nach dem Kampf auch  SES-Promoter Ulf Steinforth zunächst einmal froh, dass „es Tom gut geht und es kein schwerer K.o.“ war. Natürlich hätte sich auch der SES-Chef paar Lehrminuten für Schwarz mehr gewünscht. Steinforth: „Aber Tom war kein Feigling und vielleicht ein bisschen zu übermotiviert und mutig. Denn er hat nun einmal gegen den Besten der Welt geboxt. Aber daraus kann er nur lernen und an dieser Erfahrung wachsen.“

Auch für den Trainer ist durch diese Niederlage die Karriere seines Schützlings noch lange nicht vorbei. Friese: „Tom hat gekämpft wie ein Löwe. Und weil er auch in der Vorbereitung immer alles gegeben hat, bin ich trotzdem stolz auf ihn. Wir haben uns auch nichts vorzuwerfen und werden nach dieser Niederlage gestärkt zurückkommen.“

Einladung von Fury

Während Schwarz sich nach seiner ersten Niederlage im 25. Profikampf das Blut aus dem Gesicht wischen lassen musste, feierte der als Profi weiterhin ungeschlagene Fury seinen Sieg ausgelassen – aber sehr fair. „Guten Abend, Deutschland. Ich bin der Weltmeister aus Großbritannien“, grüßte er auf Deutsch. Und dann verriet er noch, was er seinem geschlagen Gegner nach Kampfende angeboten hat. Fury: „Ich habe ihn eingeladen, nach Manchester zu kommen und mit mir zu trainieren. Ich mag ihn, will ihm beibringen, wie man sich richtig bewegt, und damit einen besseren Boxer aus ihm machen.“