Schkeuditz/Magdeburg l Als Fernsehlegende Rudi Carrell vor 31 Jahren erstmals die Flirtshow „Herzblatt“ im Fernsehen moderierte, waren Dominic Bösel (29) und Enrico Kölling (28) noch nicht einmal geboren. Dienstag erinnerten die beiden Kämpfer bei ihrer Pressekonferenz in Schkeuditz aber kräftig an die einstige Partnersuche in der ARD.  Jeweils drei Frauen oder drei Männer mussten durch spontane und witzige Antworten ihr hinter einer Wand sitzendes „Herzblatt“ von sich überzeugen. Wenn die Entscheidung getroffen war, durfte sich die oder der Auserwählte an die Trennwand stellen, die dann langsam zurückgefahren wurde.

Trennwand auf der Pressekonferenz

Bösel und Kölling mussten sich mit ihrem Aussehen natürlich nicht überraschen und blieben deshalb auch im Schkeuditzer Airport-Hotel durch eine Wand getrennt. Beide suchten ja auch alles andere als eine neue Liebe, sondern teilten vor ihrem Duell um den EM-Titel im Halbschwergewicht viel lieber die nächsten verbalen Schläge aus.

Selbst beim traditionellen „Face to Face“, dem Gegenüberstehen der beiden Kämpfer, blieb die Wand als Trennung stehen. Da nutzte also selbst ein noch so böser Blick nicht, um den anderen einzuschüchtern.

Endlich in den Ring

Hintergrund der „Sicherheitsmaßnahme“ war Bösels Abgang bei der ersten Pressekonferenz. Der Titelträger war sauer über Köllings Kommentare bezüglich der verletzungsbedingten Absage (Bösel wurde an der Achillessehne operiert)des ursprünglich für Juni geplanten Kampfes und verließ vor drei Wochen den Saal.

„Dazu gibt es nicht mehr viel zu sagen. Und es reicht auch, wenn ich Enrico heute nur auf dem Plakat sehe“, war Bösel eher froh über den virtuellen Gegner-Entzug. Der Herausforderer kann den Kampf-abend kaum erwarten. Kölling: „Jetzt ist langsam genug mit dem Rumgeplänkel. Es wird Zeit zu kämpfen. Erzählen können wir viel. Entscheidend ist, es auch im Ring zu zeigen.“

Bösel richtig selbstbewusst

Während die Trennwand vom Dienstag wieder ihren Dienst als Werbetafel versehen wird, prallen die harten Jungs  endlich direkt aufeinander. Die vielen Sprüche und Aktionen sorgen für zusätzliche Brisanz. Bösel: „Aus meiner Sicht ist das der wichtigste Kampf des Jahres für das deutsche Boxen. Und wenn ich das umsetze, was ich kann, wird Enrico keine Chance haben. Auch wenn er bei Olympia war und schon um eine WM geboxt hat. Diese Erfahrung wird ihm nichts nutzen." Kölling kontert mit einem Lächeln: „Ich kann mich besser durchbeißen und Dominic hat den Druck des Titelverteidigers und seiner Fans. Ich fühle mich als Underdog wohl", so der Berliner.

Steinforth doppelt gefordert

Die Trennwand brachte übrigens den Promoter ordentlich ins Schwitzen. Da beide Jungs für SES boxen, wechselte Ulf Steinforth ständig den Platz, um immer neben dem Boxer zu sitzen, der gerade sprach. Machte er aber gern. Denn Steinforth ist überzeugt: „Dieser Kampf wird in die Geschichte eingehen.“

Der MDR überträgt den Boxkampf  Dominic Bösel gegen Enrico Kölling in Weißenfels am Sonnabend  (22.50 Uhr, MDR).