Magdeburg l Dominic Bösel hatte angekündigt, dass der Kampf gegen Robin Krasniqi vorzeitig enden wird. Aber dass er in der Nacht zum Sonntag beim SES-Duell im Halbschwergewicht selbst kurz vor Ende der 3. Runde in der Getec-Arena am Boden liegt, damit hätte er nicht mal im Ansatz gerechnet. Weil er dort auch einige Minuten liegen blieb, hielten seine Eltern, Freundin Luisa unter Tränen und seine Fans den Atem an – während Krasniqi durch den Ring hüpfte und mit seinen Fans ausgelassen feierte.

Krasniqi von Gefühlen überwältigt

„Auf diesen Moment habe ich 15 Jahre gewartet. Das sind Gefühle, die kann man mit keinem Geld der Welt bezahlen“, erzählte der neue Champion stolz. Zusammen mit Trainer Magomed Schaburow hatte sich Krasniqi eine perfekte Taktik zurechtgelegt. In der zweiten Runde konnte er Bösel einige Male mit schnellen Aufwärtshaken beeindrucken. Die trafen zwar nicht richtig, waren aber Teil des Siegplanes. „Ich wollte mit diesen Schlägen dafür sorgen, dass er mit seiner Deckung nach unten absichert und sich irgendwann oben die Lücke bietet. Und dieser Plan ist aufgegangen“, verriet Krasniqi.

Im dritten Anlauf auf den WM-Thron

Der 33-Jährige erfüllte sich damit im dritten Anlauf den lang ersehnten Weltmeister-Traum. Nach Niederlagen gegen Nathan Cleverly und Jürgen Brähmer konnte er sich in der Nacht zum Sonntag vor 2000 Zuschauern in der Getec-Arena den Interims-Gürtel der WBA und den Gürtel der IBO umhängen. Krasniqi: „Ich habe auch nach den Niederlagen immer an mich geglaubt. Auch wenn ich unten war, habe ich immer dieses große Ziel vor Augen gehabt.“ Zwei Runden lang hatte Bösel bei seiner ersten Titelverteidigung den Kampf kontrolliert. Obwohl er keine klaren Treffer setzen konnte, lag er bei den Punktrichtern vorne. Krasniqi: „Er hat mich da einige Male hart getroffen. Aber davon habe ich mich nicht aus dem Konzept bringen lassen.“

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Ringrichter sah ersten Wirkungstreffer nicht

Als Bösel dann eher aus dem Nichts plötzlich zu Boden ging, sah es zunächst danach aus, als sei er nur gestolpert. Dachte auch Ringrichter Oliver Brien und zählte Bösel deshalb nicht an. Aber Krasniqi hatte ihn so hart getroffen, dass Bösel auf wackligen Beinen stand. Deshalb setzte Krasniqi gnadenlos nach und beendete mit einer hammerharten Rechten 35 Sekunden vor Ende der 3. Runde den Kampf.

Bösel musste ins Krankenhaus

Im Überschwang der Gefühle vergaß er den geschlagenen Gegner aber nicht. Krasniqi: „Ich wünsche Dominic, dass er schnell wieder auf die Beine und stark zurückkommt.“ Bösel war nämlich voll auf den Hinterkopf gefallen und musste gestützt von seinem Team in seine Ecke geführt werden. Trotzdem gab er noch im Ring ein erstes Interview. „Ich bin sprachlos und erschrocken. Man passt einmal nicht richtig auf und kassiert dann so eine Hand“, so Bösel, dem immer noch der Schock ins Gesicht geschrieben stand. Um ihn nach dem schweren Kopftreffer richtig durchzuchecken, ging es wenig später ins Krankenhaus. Weil glücklicherweise alles okay war, konnte er dann aber noch in der Nacht nach Hause fahren. „Mir geht‘s gut“, schickte Bösel dann am Sonntag auch selbst Entwarnung.

Kritik von Henry Maske

Zusammen mit Trainer Dirk Dzemski wird er in den nächsten Tagen analysieren, was schief gelaufen ist. Für Ex-Weltmeister Henry Maske hat er den Kampf ein bisschen zu locker gesehen. „Dominic war sehr von sich überzeugt. Selbstbewusstsein ist auch gut, nur muss man beim Kampf trotzdem extrem konzentriert sein. Und in der entscheidenden Szene war er sträflich offen“, kritisierte Maske, der als ARD-Experte am Ring saß.

2,5 Millionen TV-Zuschauer dabei

Im Ersten waren übrigens rund 2,5 Millionen Zuschauer am Fernseher dabei. Für Boxkämpfe in Deutschland inzwischen eine Traumquote. „Das macht uns sehr stolz. Und dieser Kampf war auch eine tolle Werbung für das Boxen“, so SES-Promoter Ulf Steinforth, der eine Rückkampfklausel vereinbart hat. Somit können sich die Fans also auf ein zweites spektakuläres Duell zwischen Krasniqi und Bösel freuen.