Dessau l Wenn es nach dem Körper geht, ist Robin Krasniqi gegenüber Ronny Landaeta klarer Punktsieger. Mit muskelgestähltem Oberkörper stand er beim Wiegen dem Spanier gegenüber. Während Landaeta (76 kg) beim Face-to-Face eine Schirmmütze aufsetzte und die venezolanische Flagge (sein Geburtsland) ins Gesicht zog, machte der hundert Gramm leichtere Europameister im Supermittelgewicht mit überkreuzten Händen die Doppeladler-Geste und zeigte mit dem Formen des albanischen Wappentiers seine kosovo-albanische Herkunft an.

Heute Abend zählen diese ganzen Gesten aber nicht. Da geht es bei der SES-Gala in der Anhalt-Arena (ab 22.20 Uhr im MDR) um Treffer und den EM-Gürtel.

Krasniqi ist Titelverteidiger

„Ich habe lange dafür kämpfen müssen und gebe den nicht wieder her“, kündigt Krasniqi seine Titelverteidgung an. Geholt hatte er sich die europäische Krone in seiner Gewichtsklasse vor fünf Monaten in Bad Tölz gegen den Russen Stanislav Kashtanov. Der absolute Höhepunkt in seinen bisher 53 Profikämpfen.

Dass der in Junik (Kosovo) geborene Kämpfer so viele Duelle auf seiner Visitenkarte zu stehen hat, hängt mit der fehlenden Amateur-Karriere zusammen. Krasniqi: „Ich habe gleich als Profi begonnen und mich bis nach oben gearbeitet. Und der EM-Titel soll nicht mein letzter großer Erfolg gewesen sein. Mein Traum ist die Weltmeisterschaft.“

Zwei verlorene WM-Kämpfe

Zweimal nahm er dafür schon Anlauf, verlor da noch im Halbschwergewicht gegen Jürgen Brähmer und Nathan Cleverly. Seitdem sucht Krasniqi sein Glück im Supermittelgewicht. Im April 2017 stand er da sogar Arthur Abraham gegenüber, verlor aber klar nach Punkten. Krasniqi: „Gerade in diesem Kampf habe ich viel gelernt und würde gerne noch einmal gegen Arthur boxen und mich revanchieren. Denn ich habe mich von Kampf zu Kampf weiterentwickelt und bin stärker als damals.“

Aus dem Festzelt zum Hauptkämpfer

Krasniqi wurde in seiner Karriere nichts geschenkt. Am Anfang hat er in Bayern und in seinem Wohnort München sogar bei Boxveranstaltungen in Festzelten sein Geld verdienen müssen. Doch mit viel Fleiß arbeitete er sich bis zum Hauptkämpfer nach oben.

Neben dem normalen von SES finanziertem Trainingslagern in der Sportschule „Kinema“ in Neukirchen verbringt der 31-Jährige sogar auf eigene Kosten mehrere Wochen im bayerischen Wald, um sich von Konditions-Trainer Sepp Maurer schinden zu lassen. Sein Bilderbuch-Body zeigt das deutlich an.

Krasniqi verspricht Spektakel

Krasniqi: „Einen Titel zu verteidigen, ist nicht immer einfach. Aber ich kann den Kampf in Dessau kaum erwarten. Denn für mich ist es jedes Mal wie ein Krieg, wenn ich in den Ring steige. Und da will ich den Leuten einen spektakulären Abend bereiten.“