Magdeburg l Boxer Tom Schwarz ist selbstbewusst, keine Frage. Und er hat, gelinde gesagt, eine große Klappe. „Weltmeister werde ich. Das steht fest“, ist er sich zum Beispiel sicher. Und, dass ihm kein Boxer einfalle, der so gut kontern kann wie er – außer der momentane Dreifach-Weltmeister im Schwergewicht, Anthony Joshua. Aber der 23-Jährige, der zum Magdeburger Boxstall SES gehört, offenbart auch andere Seiten. Liebevoller Partner, Yoga-Anhänger, Hausmann – jedes Box-Klischee erfüllt Schwarz dann eben doch nicht.

Zum Interviewtermin erscheint der Schwergewichtler mit dicker Lippe. Für ihn kein Zeichen für eine schlechte Deckung, sondern für gute Sparrings-Partner. „Ich mache gegen drei Bomben-Gegner Sparring. Die wechseln sich immer ab, nach jeder Runde steigt ein frischer in den Ring“, berichtet Schwarz. Seit rund acht Wochen läuft die Vorbereitung auf die SES-Box-Gala in Berlin, gegen Senad Gashi aus Zweibrücken will der gebürtige Hallenser dort zum zweiten Mal seinen WBO-Inter-Conti-Titel im Schwergewicht verteidigen. Es ist ein Kampf, in dem beide etwas zu verlieren haben: ihre Unschlagbarkeit.

Schwarz und Gashi sind ungeschlagen

So steht sowohl bei Schwarz (20-0-0/13 K.o) als auch bei Gashi (16-0-0/16 K.o) die Null. Wie der Kampf ablaufen wird, ist für den Schützling von Trainer Dirk Dzemski trotz der makellosen Bilanz Gashis klar: „Mein Gegner wird nach vorne stürmen. Vier Runden werde ich ihn ausboxen, auch mal kommen lassen und müde machen. Und dann komme ich. Dann kommt meine Zeit nach der vierten Runde.“ Ob die Taktik, erst einmal vier Runden abzuwarten, nicht auch mit Risiken verbunden ist? „Auch wenn mir eine Bandscheibe rausfällt. Bevor ich falle, falle ich auf“, gibt sich Schwarz selbstbewusst.

Die Anspielung auf seine Bandscheibe ist kein Zufall, bereits zweimal wurde der 23-Jährige daran operiert. „Ich bin sehr erfreut, dass da keine Probleme mehr sind. Wir haben das alles überprüfen lassen, beim letzten Kampf war ja auch nichts“, sagt Schwarz zu seinem Gesundheitszustand. „Ich habe da keine Bedenken, dass irgendwann überhaupt wieder etwas passiert.“

Durch OPs zu mentaler Stärke gefunden

Aus dem Tief sei er schlussendlich sogar gestärkt hervorgegangen: „Keiner ist mental so stark wie ich. Es gibt keinen anderen Boxer, der zwei künstliche Bandscheiben im Halswirbelbereich hat und trotzdem noch weitermacht. Nach der ersten Operation habe ich kurz überlegt: ‚Was mache ich jetzt?‘ Als ich gesehen habe, dass alles gut ist, habe ich die zweite OP auch noch machen lassen – und zwei Wochen später wieder trainiert. Ich habe nie gezweifelt.“

Neben der Gewissheit, dass sein Körper die Strapazen weiter aushalten kann, zieht Schwarz insbesondere Kraft aus der Beziehung zu seiner Tessa, die er im Sommer heiraten wird. „Sie bringt eben auch den Gegendruck, den ich brauche. Ich war so einer, der einer Frau immer gesagt hat: ‚Mach das und das‘. Aber jetzt wasche ich Wäsche, ich putze und wische sogar“, sagt Schwarz und lacht. Ihr schenkte er auch einen Chihuahua, „obwohl ich mir einen Dobermann kaufen wollte“. Immerhin: Der kleine Hund heißt Hades, nach dem Herrscher über die Unterwelt.

Festes Ritual ist Kinobesuch

Von beiden hat sich der Boxer mittlerweile verabschiedet, vor dem Kampf stehen in Berlin nämlich am Mittwoch noch das öffentliche Training und am Freitag das offizielle Wiegen an. Danach geht die Trainingsgruppe noch gemeinsam ins Kino – zur Ablenkung.

„Das Schlimmste ist das Bauchgefühl nach dem Kino und am nächsten Tag. Ich habe das nicht mehr so doll wie am Anfang, weil ich weiß, dass ich der Beste sein kann und was ich drauf habe. Aber das ist das Schlimmste am Sport, nicht die Schläge, die man einsteckt, sondern das Gefühl. Das ist scheiße“, berichtet Schwarz.

WM-Kampf kann schnell da sein

Um vor dem Kampf in den sprichwörtlichen Tunnel zu finden, dafür nutzt er auch Yoga. „Das bringt mich halt runter. Die Dehnung ist die Hauptsache und die Konzen-tration, die wird bei mir besser.“

Wenn Schwarz am Sonnabend also voller Konzentration in den Ring steigt, dann tut er das auch, um seinem Ziel, Weltmeister zu werden, wieder ein Stückchen näherzukommen. „Da gibt’s nix anderes, ich lebe jeden Tag dafür, ich trainiere jeden Tag dafür. Meine Frau und mein Trainer wissen das. Nur die beiden wissen, wozu ich im Stande bin, wenn ich wirklich böse bin.“ Laut den Verantwortlichen bei SES könne es mit einem WM-Kampf ganz schnell gehen. Immerhin liegt Schwarz in den Weltranglisten innerhalb der Top 15 (WBO 5/IBF 14).

Ungeduldig ist er allerdings nicht: „Ich bin 23 Jahre alt, habe viel Zeit. Mit 30, 31 bin ich total entwickelt und dann so schnell wie Ray Jones junior.“