Halle l So richtig fassen konnte Dominic Bösel auch eine Stunde nach seinem Sieg gegen Sven Fornling immer noch nicht, was da gerade passiert war. Während er in der Pressekonferenz nach Worten rang, sagten die zwei auf dem Tisch liegenden Gürtel ja auch schon alles: Interims-Weltmeister der WBA und neuer IBO-Champion. „Davon habe ich immer geträumt, als ich vor 25 Jahren mit dem Boxen begonnen habe“, erzählte Bösel und nahm sich einen verdienten Schluck aus der Bierflasche.

Mit cleverer Taktik zum K.o.-Sieg

Sein Gegner war zu dieser Zeit im Krankenhaus, um sich durchchecken zu lassen. Dabei wurde aber nichts Schlimmes festgestellt. Zum Glück. Denn der Schwede hatte vor 3500 Zuschauern in der Messe-Arena in Halle viele harte Treffer von Bösel einstecken müssen und ging nach 82  Sekunden der elften Runde auch K.o. Bösel: „Ich habe ihn in der Mitte des Kampfes auspowern lassen, weil mir klar war, dass er das kräftemäßig nicht durchstehen wird.“

Im Stile eines Champions schenkte der SES-Kämpfer dann auch mal eine Runde her, um mit einer Schlagserie das Duell vorzeitig zu beenden. Als Fornling in die Ringseile taumelte und keine Gegenwehr mehr hatte, brach Ringrichter Jean Robert Laine aus Monaco den Kampf vorzeitig ab. Bösel: „Ich habe die Schläge auch deshalb zugelassen, weil ich gespürt habe, er kann mir nicht entscheidend wehtun.“

Kampf kostet Boss Steinforth Nerven

Damit strapazierte er allerdings manche Nerven. SES-Promoter Ulf Steinforth: „Dominic macht mich wahnsinnig. Er hat den Kampf im Griff und spielt da plötzlich Katz und Maus mit ihm. Unterm Strich gehörte das aber zu seinem Plan.“ Dass er sich das gegen Gegner mit einem härteren Punch nicht leisten kann, weiß Bösel natürlich selbst. „Tut mir leid, dass ich die Nerven der Fans und Verantwortlichen so strapaziert habe. Da muss ich einiges künftig noch besser machen.“

Doch sonst gab es an diesem packenden Kampf nichts zu kritisieren. Während Bösel durch einen Kopfstoß nur eine Beule an der Stirn als Kampfspur davontrug, war Fornling schon früh gezeichnet. Mit seiner Führhand hatte Bösel immer wieder wirkungsvolle Treffer gesetzt. Trainer Dirk Dzemski meinte: „Ich bin zufrieden mit ihm. Denn unterm Strich hat er die Taktik gut umgesetzt und sich für seine fleißige Arbeit in den letzten Monaten belohnt.“

Nach Robert Stieglitz hat der Magdeburger Boxstall jetzt wieder einen Weltmeister. Steinforth: „Besonders stolz bin ich darauf, dass wir uns erstmals bei einer eigenen Veranstaltung den Gürtel geholt haben. Zuvor haben wir uns die Titel ja immer woanders geholt.“

Maske als Experte am Ring

Und das Partymachen ist vor der eigenen Haustür auch viel schöner. Das kostete der neue Weltmeister auch bis in die frühen Morgenstunden aus. Im Kreise seiner Familie, mit Freundin Luisa und vielen Freunden fiel der ganze Druck ab. „Eigentlich bin ich ja eine coole Socke. Aber dieses Mal war ich total aufgeregt. Es ging um zwei WM-Titel, die Halle war richtig voll und dann war mit Henry Maske auch noch mein großes Vorbild dabei. Den hatte ich vorher noch nie getroffen und jetzt saß er bei meinem Kampf am Ring“, verriet Bösel.

Bevor der erste Gong ertönte, fragte er seinen Trainer Dirk Dzemski sogar noch, von wo aus Maske den Kampf kommentiert. Und genau auf dieser Seite holte Bösel dann auch zu den entscheidenden Schlägen aus. Die Umarmung mit Maske war ein weiterer Lohn. „Er darf jetzt glücklich sein, weil er es zu Recht geschafft hat“, lobte ihn der frühere Weltmeister.