Magdeburg l Sieben Profi-Kämpfe hat Peter Kadiru bisher bestritten, alle sieben gewonnen, drei davon durch K.o. Ein schmerzverzerrtes Gesicht hat man dabei selten gesehen. Aber wenn der 23-Jährige über seine Corona-Testungen redet, verzieht er das Gesicht, als hätte er gerade saure Gurken oder megascharfe Paprika gegessen. „Die gehen dabei mit dem Stäbchen richtig tief in den Rachen hinein. Ich empfinde das als extrem unangenehm“, berichtet Kadiru mit zusammengekniffenen Augen und Mund. Wichtig aber, dass die Tests bisher allesamt negativ waren und seinem achten Kampf nichts im Wege steht.

Gegner Wolf war im MMA aktiv

Dass sein Gegner Ruben Wolf aus dem Vollkontaktsport Mixed Martial Arts (MMA) kommt und dort 23 Kämpfe (12 Siege) auf dem Konto hat, gibt dem Kampf schon das gewisse Etwas. Kadiru: „Er ist es gewohnt, viel zu schlagen, und kann auch harte Treffer einstecken. Aber wir haben uns schon die richtige Taktik ausgedacht.“ Und die dürfte so ausgelegt sein, sich den Gegner erst einmal zurechtzulegen.

„Wir müssen uns auf einen eher unorthodoxen Stil einstellen und gehen auch davon aus, dass der Gegner Druck machen wird“, verrät Kadirus Trainer Christian Morales. Und Kadiru ergänzt: „Ich will den Kampf aber dominieren. Die Leute sollen sehen, dass ich der bessere Boxer bin.“

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Im Boxring war der aus Augsburg stammende und in Wien lebende Wolf bisher als Profi fünf Mal aktiv und hat alle Kämpfe gewonnen.

Stolz auf seinen ersten Gürtel

Ganz neu ist ein MMA-Kämpfer für Kadiru auch nicht. Sein allererster Gegner im Profibereich, Artur Kubiak, kam ebenfalls aus der MMA-Szene. Und am Ende hatte Kadiru im März 2019 den Kampf über sechs Runden einstimmig nach Punkten gewonnen.

An den boxerischen Qualitäten Kadirus gibt es ohnehin keinen Zweifel. Sonst hätte er es nicht zum WBC-Weltmeistertitel bei den Junioren geschafft. Kadiru: „Schon nach so kurzer Zeit als Profi einen Gürtel zu haben, hätte ich mir nie erträumen lassen. Da bin ich richtig stolz drauf.“

Kadiru lässt sich Zeit

Und Erfahrungen im Ring durfte er auch schon in kurzer Zeit sehr viele sammeln. „Der größte Unterschied zu den Amateuren ist die größere Anzahl an Runden. Als Amateur hat man nur drei Runden Zeit und muss versuchen, pausenlos zu treffen. Als Profi ist es wichtig, die Kontrolle über das Geschehen zu haben und sich die Runden genau einzuteilen.“

An einen Hauptkampf über zwölf Runden ist deshalb noch nicht zu denken. Kadiru: „So weit bin ich noch nicht, boxe aktuell über acht Runden. Danach werde ich mich auf zehn Runden steigern. Für eine längere Distanz muss ja auch das Training intensiviert werden.“

Viel Zeit für das Töchterchen gehabt

Für eine zusätzliche Trainingseinheit sorgt auch sein neuestes Hobby. Kadiru: „Durch die Corona-Pause bin ich aufs Fahrrad gekommen. In Hamburg mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zu fahren, war mir einfach zu gefährlich. Da stehen so viele eng in den U-und S-Bahnen nebeneinander. Da ist mir das Fahrrad lieber. Und ich komme damit ja auch überall hin.“ Und so bitter es war, nicht kämpfen zu können, so schön war es, viel Zeit mit der Familie zu verbringen. Während sich beim Thema Wattestäbchen Kadirus Miene verzog, glänzen beim Thema Familie seine Augen. Kadiru: „Ich bin sonst durch das Training viel unterwegs. Aber nun war ich immer zu Hause und konnte es auch richtig genießen, wie mein eineinhalbjähriges Töchterchen wieder ein Stückchen größer geworden ist und immer mehr Worte sagt.“

Dem Familienmenschen ist es deshalb auch sehr wichtig, dass morgen Abend nun doch einige Verwandte und Freunde zum Kampf kommen dürfen. Kadiru: „Wir Boxer brauchen die Anfeuerungen der Fans. Das wird ganz sicher ein schöner Abend mit einer coolen Location.“