Magdeburg l „Die SES-Schwergewichte stehen bereit!“ So titelte die Volksstimme Anfang März nach dem letzten SES-Boxabend. Dass dieser auch noch unter dem Motto „Las Vegas in Magdeburg“ stand, war im Fall von Tom Schwarz fast schon Vorahnung. Für den 24-Jährigen soll nämlich am 16. Juni das richtige Las Vegas wahr werden. Und das auch noch mit einem spektakulären Kampf. In der Glitzer-Metropole wartet laut US-Medien mit Ex-Weltmeister Tyson Fury einer der schillerndsten Typen der aktuellen Box-Szene.

Offiziell soll der Kampf am Sonnabend nach dem Fight zwischen Kubrat Pulev und Bogdan Dinu verkündet werden. Bei SES selbst hielt man sich am Freitag deshalb bedeckt und wollte die Meldungen aus den USA nicht kommentieren. Noch sind nicht alle Unterschriften unter den Verträgen. Laut Volksstimme-Informationen ist der Kampf am 16. Juni im Thomas & Mack Center aber so gut wie perfekt.

„Wir sind von der Weltspitze nicht mehr weit weg. Und deshalb bin ich sicher, dass wir noch in diesem Jahr oder spätestens Anfang des nächsten Jahres einen großen Kampf für unsere Schwergewichtler kriegen“, hatte SES-Promoter Ulf Steinforth nach dem Kampfabend Anfang März gesagt.

TV-Verträge bieten Chancen

Sein Optimismus resultierte vor allem aus den TV-Verträgen der drei Top-Leute. Anthony Joshua, der die WM-Gürtel der Verbände WBO und IBF hält sowie Superchampion der WBA ist, hat einen Deal mit dem Sport-Streamingdienst DAZN abgeschlossen, der dem Engländer für die kommenden acht Jahre umgerechnet rund 840 Millionen Euro beschert. WBC-Champ Deontay Wilder boxt exklusiv auf dem Pay-TV-Kanal Showtime. Und Tyson Fury erhält vom US-Sender ESPN für fünf Kämpfe umgerechnet 91 Millionen Euro. Steinforth: „Da unsere Jungs in den Ranglisten mit vorne stehen, rechnen wir uns gute Chancen aus.“

Und die kommt jetzt sogar noch schneller als erhofft. Fury braucht für seinen TV-Deal schließlich fünf attraktive Gegner, die in den Ranglisten vorne stehen. Und Schwarz wird bei der WBO hinter Dillian Whyte sogar an Nummer zwei gelistet. Außerdem bringt er als WBO-Interconti-Champ einen Titel mit. Und dass Schwarz von seinen bisher 24 Kämpfen 16 vorzeitig gewonnen hat, kommt in den USA auch gut an.

Schwarz vor neuer Erfahrung

„Ich kann es kaum erwarten, endlich wieder in Aktion zu sein. Aber auf diesem Niveau ist es schwer, viele gute Kämpfe zu bekommen“, erklärte Fury gegenüber der „Sun“ und versprach den Fans, dass sie sich auf einen Kampf im Sommer in Las Vegas einstellen sollen. Seinen letzten Kampf bestritt der 30-Jährige im Dezember gegen WBC-Weltmeister Wilder. Beim umstrittenen Unentschieden hatten viele Fury aber leicht vorn gesehen. Seinen größten Kampf absolvierte er im November 2015, als er in Düsseldorf Wladimir Klitschko als Mehrfach-Weltmeister entthronte.

Während Joshua am 1. Juni auf Jarell Miller trifft und Wilder am 18. Mai gegen Dominic Breazeale boxt, rückt auch Schwarz gegen Fury ins ganz große Rampenlicht. Für ihn wäre es der größte Kampf in seiner bisherigen Karriere. Und es wäre für den gebürtigen Hallenser auch eine völlig neue Erfahrung. Erst zwei Mal hat Schwarz außerhalb Deutschlands geboxt: 2016 in Pilsen und 2017 in Prag. Viele seiner Kämpfe bestritt er fast vor der Haustür, zwei der letzten drei Kämpfe direkt in Magdeburg.

Richtig große Namen waren noch nicht dabei. Aber gegen Fury kann Schwarz nur gewinnen. Wenn er sich bei einer Niederlage gut schlägt, stehen ihm weitere gute Kämpfe offen. Und für einen 24-Jährigen fängt im Schwergewicht eigentlich alles erst so richtig an.