Magdeburg l Bevor Jurgen Uldedaj am Donnerstag zum Gespräch durfte, stand erst einmal der letzte Corona-Test der Kämpfer an. „Die ganzen Vorkehrungen sind wichtig, damit wir überhaupt wieder boxen können“, nimmt es Uldedaj gelassen. Denn nach seiner 15-monatigen Pause sind die Tests im Moment die kleinste Hürde, die zwischen ihm und seiner Rückkehr in den Ring liegen.

Nach „einem Jahr Funkstille“, wie er im sozialen Netzwerk Instagram schreibt, wird der SES-Boxer am Samstag beim „Sommer Open-Air“ auf der Magdeburger Seebühne wieder angreifen. Seine Botschaft: „Ich bin zurück und hungriger denn je.“

Verletzung warf Uldedaj zurück

Dass es zuletzt ruhig um den 22-Jährigen geworden war, lag allerdings nicht nur an Corona. Im Mai 2019, als er gegen Krzysztof Twardowski um den Junioren-Weltmeisertitel der WBC boxte und diesen auch gewann, brach in der vierten Runde der Zeigefinger in seiner rechten Mittelhand. „Danach habe ich zweimal versucht, zu kämpfen, aber bin beide Male ausgefallen“, erzählt er. „Ich war noch nicht bei 100 Prozent.“

Die Narbe an seiner Hand ist noch gut sichtbar, bei der Operation ist ihm zudem eine Platte eingesetzt worden. „Die Platte ist gerade noch drin, soll aber entfernt werden“, sagt Uldedaj, „das schränkt mich beim Boxen aber überhaupt nicht ein.“ Der Cruisergewichtler betont: „Ich bin in Top-Form.“

Per Sondergenehmigung ins Gym

Dafür hat er in den vergangenen Monaten vor allem in seiner Heimat Albanien geschuftet. Bei seiner Familie in Lezha, nördlich der Hauptstadt Tirana und am Adriatischen Meer gelegen, erlebte er den vollständigen Corona-Lockdown. „Wir durften nicht einmal das Haus verlassen“, erzählt Uldedaj, „allerdings konnte ich mit der Polizei eine Sondergenehmigung aushandeln, so dass ich wenigstens jeden Tag zu einem privaten Gym und wieder zurück fahren durfte.“

Den kompletten Stillstand hinzunehmen, war für ihn gar nicht so leicht. „Da ist man natürlich traurig, wenn alles abgesagt wird. Jeder Sportler arbeitet ja auf ein Ziel hin. Wenn das fehlt, wird es schwer. Aber ich habe meine Form nicht verloren“, sagt Uldedaj.

Titelverteidigungen in Reichweite

Auch für Trainer Dirk Dzemski keine einfache Situation. „Jurgen hätte ja zudem einen Kampf in Australien bestreiten sollen. Dass der abgesagt werden musste, war natürlich noch einmal besonders bitter für ihn“, erinnert sich Dzemski.

Seit zwei Monaten ist Uldedaj nun wieder zurück in Magdeburg. Zu seinem Gegner am Samstag, dem Kroaten Robert Grguric, will er gar nicht so viel sagen: „Ich bin gut drauf und zuversichtlich, dass ich den Kampf gewinne.“ Nach einem erfolgreichen Auftritt könnten zudem bald die nächsten Titelverteidigungen anstehen. Uldedaj ist im Moment sowohl Junioren-Weltmeister der WBO als auch der WBC im Cruisergewicht.

Fernsehsender aus Albanien vor Ort

Einziger Wermutstropfen bleibt, dass beim anstehenden Boxabend weder Freunde noch Familie aus Albanien anreisen können. Doch Uldedaj hat in den vergangenen 15 Monaten gelernt, positiv zu bleiben. „Ein Fernsehsender aus Albanien zeigt meinen Kampf. Sie werden mich also sehen.“ Anstatt an den Heimatstrand von Shengjin ging es für ihn am Donnerstag noch einmal an die Elbe. Für die letzte Abkühlung vor einem heißen Kampf.