Magdeburg l Der gebürtige Kubaner Yoan Pablo Hernandez versprüht einfach gute Laune. Und wenn er an den Teller Nudeln mit Scampi denkt, der nach seinem Boxkampf am Samstagabend (MDR, 22.30 Uhr) auf ihn wartet, dann wird das Lachen gleich noch einmal viel breiter. Das Essen wird – geht es nach Hernandez – nicht nur Belohnung für sein gelungenes Comeback sein. Es ist für ihn auch die Bestätigung dafür, mit dem Wechsel ins Schwergewicht den richtigen Schritt gemacht zu haben. Das Gewichtmachen gehört nun nämlich endgültig der Vergangenheit an.

„Man kann sich gar nicht vorstellen, wie weh das tut“, sagt Hernandez und meint damit das „Herunterhungern“ auf die vorgeschriebenen 90,7 Kilogramm, das Limit im Cruisergewicht. Das ist nun passé. „Ich wiege zwischen 106 und 107 Kilo, aber so genau weiß ich das gar nicht, denn ich brauche das ja nicht mehr zu kontrollieren“, sagt er und schmunzelt.

Hernandez Karriere war schon beendet

Der offizielle Gang auf die Waage war für Hernandez daher am Freitag auch ein Kinderspiel. Diese zeigte letztlich 105,5 Kilo an – „aber darüber muss ich ja gar nicht mehr nachdenken“.

Viel nachgedacht hat er dagegen über sein Comeback beim SES-Boxstall. 2015 beendete Hernandez mit 30 Jahren seine Karriere. Bis dahin hatte er 30 Kämpfe absolviert, 29 davon siegreich. Er trug vier Jahre den Weltmeistergürtel im Cruisergewicht der IBF, konnte diesen im Oktober 2015 allerdings aus Verletzungsgründen nicht verteidigen. Die IBF erkannte den Titel ab, Hernandez ließ sich an Knien und am Ellbogen operieren. Seine Karriere schien beendet.

Johnson ist erfahrener Gegner

Ende Juli verkündete SES-Promoter Ulf Steinforth dann die spektakuläre Rückkehr des Kubaners. Für SES ein Glücksgriff: „Er bereichert unser Team und hat nichts zu verlieren“, sagt Steinforth. Einen großen Anteil am Comeback hatte auch sein jetziger Trainer und Freund Christoph Schlender, Vorsitzender des Box-Clubs in Stendal. „Wir haben viele Abende zusammen verbracht und ich habe gespürt, dass er nicht zufrieden ist“, erzählt Schlender. Hernandez verrät: „Er hat mich überredet, mir den letzten Schubs gegeben. Dafür bin ich einfach nur dankbar.“

Mit Kevin Johnson (40) trifft er nun auf einen erfahrenen Gegner, der bereits Vitali Klitschko, Anthony Joshua, Kubrat Pulev und Tyson Fury gegenüber stand. „Wir werden sehen, wie das ausgeht“, hält sich der 35-jährige Hernandez zurück, „lasst euch überraschen“.

Wegner ist selbst vor Ort

Einer, der sich diese Überraschung auf keinen Fall entgehen lassen möchte, ist Ulli Wegner. Er trainierte Hernandez damals im Sauerland-Stall und will bei dessen Kampf auch unbedingt selbst auf der Seebühne dabei sein.

„Ich kann wirklich nur positiv über Pablo Hernandez sprechen. Er ist ein sympathischer Junge und eine positive Erscheinung. Er hat sich damals bei uns im Boxstall sehr gut eingefügt und zu einem absoluten Weltklasse-Boxer entwickelt“, erzählt Wegner.

Veletzungen und private Schwierigkeiten

Heute noch wurmt den Kult-Trainer, dass Hernandez nicht nur von Verletzungen, sondern auch privaten Fehltritten zurückgeworfen wurde: „Es war sehr bedauerlich, dass er aufgrund einer Verletzung aufhören musste. Denn er war auf dem besten Weg, für lange Zeit Weltmeister zu bleiben. Privat lief leider alles auch nicht so optimal. Da hätte ich vielleicht ein bisschen besser auf ihn aufpassen müssen“, sagt Wegner. Hernandez geriet damals in finanzielle Schwierigkeiten. Auch das allerdings gehört – wie das Gewichtmachen – der Vergangenheit an.

So sieht es auch Wegner, der hofft, dass sein ehemaliger Schützling schnell zu seiner Form findet. „Kevin Johnson ist aber ein harter Bursche. Eine direkte Prognose möchte ich deshalb nicht abgeben, weil ich Pablo nicht im Training und beim Sparring gesehen habe. So kann ich seine Form nicht genau einschätzen“, meint er, „auf den Fotos macht er natürlich einen guten Eindruck. Aber eine tolle Figur hatte er ja schon immer“.

Hernandez hat Zeug zum Weltklasse-Mann

Sein jetziger Coach Schlender stapelt erst einmal tief. „Wir befinden uns immer noch im Aufbau. Jetzt werden wir sehen, wo wir stehen“, merkt er an. Und: „Wichtig ist, dass wir einfach loslegen.“

Wegner jedenfalls traut Hernandez sogar noch einmal den ganz großen Wurf zu. „Wenn Pablo gesund bleibt und richtig geführt wird, dann dürften sich im Schwergewicht noch einige wundern. Denn er bringt boxerisch alles mit für einen Weltklasse-Mann.“

Wohin ihn sein Weg nach Samstagabend auch führen wird, Hernandez ist sich sicher, dass er den ersten, richtigen Schritt gemacht hat. Die Portion Nudeln mit Scampi sind für ihn Beweis genug.