Magdeburg l Als Ulf Steinforth vor 20 Jahren einen Anruf von Jörg-Peter Schubert bekam, wäre er am liebsten im Boden versunken. Seine rechte Hand „Schubi“ holte damals für den ersten SES-Kampfabend den Gegner von Schwergewichtler René Monse am Flughafen in Berlin ab. Steinforth: „Wir hatten extra einen Kämpfer aus den USA organisiert. Doch plötzlich rief Schubi aufgeregt an und meinte, dass der Boxer hinkt.“ Zum Glück stellte sich das dann aber als Gehfehler heraus und die allererste SES-Gala konnte genau heute vor 20 Jahren starten.

Monse und Dzemski im Ring

Der im Juni 2017 im Alter von erst 48 Jahren gestorbene Monse machte im Hauptkampf mit Ken Woods aber kurzen Prozess und beendete den Kampf schon in Runde zwei. Mit Dirk Dzemski feierte ein anderer SES-Kämpfer damals erst sein Profidebüt und gewann im Mittelgewicht gegen Ramdane Kaouane durch K.o. in Runde zwei. „Dirk wollte gar kein Profi werden. Den haben Schubi und ich erst wenige Wochen vor dem Kampf in Dessau dazu überredet“, erzählt Steinforth, der damals sogar Ulli Wegner überreden konnte, als Trainer auszuhelfen. Durch Wegner kam dann Werner Kirsch als erster langjähriger Coach zu Steinforth.

Minus in der Kasse beim Debüt

Sportlich war durch die zwei Siege seiner ersten Zugpferde der Abend für Steinforth gerettet. „Aber finanziell habe ich erst einmal ordentlich Lehrgeld bezahlt. Weil die Halle nicht richtig voll war und es auch nicht mit allen Sponsoren wie gewünscht geklappt hat, betrug das Minus rund 35 000 D-Mark“, erinnert sich der heute 52-Jährige.

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Aber er wurde ja, angeführt von seinem Freund und Mentor Jean-Marcel Nartz, oft genug gewarnt, Boxabende zu organisieren. „Es gibt im Boxen nichts, was es nichts gibt. Da kann man im Vorfeld einer Veranstaltung noch so gut gearbeitet haben“, weiß Steinforth nach inzwischen 146 Veranstaltungen und ergänzt: „Eigentlich war das nur ein Hobby, was ich mal für zwei, drei Events ausprobieren wollte.“

Acht WM-Gürtel und 146 Events

Daraus sind 20 Jahre mit acht WM-Gürteln, über zehn EM-Kronen, sechs Junioren-Weltmeisterschaften und vielen weiteren Titeln geworden. Aktuell gehören 16 Sportlerinnen und Sportler zum SES-Boxstall. Und aus dem Hobby ist längst Berufung geworden. Steinforth: „Wir haben alle noch viel vor und wollen noch zahlreiche Jubiläen feiern.“

VHS-Kassetten statt Internet

Schließlich macht die Technik jetzt vieles leichter. Steinforth: „Leute aus Übersee zu bekommen, war mit Fax und Telefon damals ziemlich abenteuerlich. Statt im Internet auf Videos und Portale zurückzugreifen, mussten wir uns VHS-Kassetten von Kämpfen der Gegner besorgen und für Kampfrekorde in Büchern blättern. Und wenn das Stadtfernsehen mal übertragen hat, waren wir schon froh. Da sind wir heute zum Glück auf einem ganz anderen Level.“