Magdeburg l Der Ort für die Bekanntgabe des WM-Kampfes war derselbe. Statt per Video zugeschaltet, saß der Gegner von Dominic Bösel am Dienstagmittag aber nur wenige Meter von ihm entfernt. Und das ist wie in der Volksstimme gestern schon angedeutet Robin Krasniqi. „Zunächst möchte ich mich bei der Landesregierung und der Stadt Magdeburg bedanken, dass diese Veranstaltung möglich ist. Wir hätten alle niemals gedacht, dass uns Corona so lange beschäftigt, haben aber mit unserem Team immer daran geglaubt, dass wir es schaffen, wieder Boxabende zu veranstalten“, sagte SES-Promoter Ulf Steinforth zu Beginn der Pressekonferenz in der Johanniskirche von Magdeburg und betont: „Wir möchten damit auch ein Zeichen für unseren Sport setzen.“

Kampf wird live in der ARD übertragen

Für die beiden Boxer geht es natürlich um viel mehr. Mit diesem Kampfabend kehrt das Boxen in die ARD zurück. Und bevor ab 23.15 Uhr der Gong beim Hauptkampf in Magdeburg ertönt, läuft im Ersten das Länderspiel der deutschen Fußball-Nationalmannschaft in der Ukraine. Da ist die Hoffnung natürlich groß, dass viele Sportfans dann auch beim Boxen vor dem Fernseher dabei bleiben.

Und dafür braucht es einen heißen Kampf. Bösel: „Ich bin total heiß auf diesen Kampf. Dass der Kampf in der ARD übertragen wird, ist eine Riesenchance für unsere Sportart. Unsere Mission ist also auch, Boxen in Deutschland wieder groß zu machen.“

Dunn sitzt in Australien fest

Ursprünglich sollte Bösel schon am 28. März gegen den Australier Zac Dunn kämpfen. Der war bei der Pressekonferenz im Februar live zugeschaltet und hätte damals wohl nicht gedacht, dass er selbst sieben Monate später von einem winzigen Virus gestoppt wird. Steinforth: „Wir haben in den ganzen Monaten ständig Kontakt zu Zac Dunn gehalten und alle Möglichkeiten abgewogen. Aber in seiner Region um Melbourne herum wurden im August neue Maßnahmen getroffen, so dass er nicht mal mehr trainieren kann. Er möchte aber gerne gegen den Sieger des Duells zwischen Dominic und Robin boxen. Und diese Chance wird er auch bekommen.“

Dass sich die beiden Hauptkämpfer durch ihre gemeinsame Zeit im SES-Boxstall gut kennen, soll im Ring keine Rolle spielen. „Wir kennen uns schon lange und auch ganz gut. Aber das muss man trennen. Im Ring ist so etwas kein Thema“, sagt der 30-jährige Bösel und steigt mit der nötigen Achtung ins Seilgeviert: „Robin ist ein riesengroßer Krieger, aber sportlich immer fair. Deshalb werde ich nichts unterschätzen und habe großen Respekt vor Robin.“

Krasniqis dritter WM-Anlauf

Für den sollen am 10. Oktober aller guten Dinge drei sein. Denn schon zwei Mal griff er im Halbschwergewicht nach der WM-Krone. Im März 2015 verlor der 33-Jährige in Rostock gegen Jürgen Brähmer im Duell um den Gürtel der WBA. Und zwei Jahre zuvor gab es in London nach WBO-Version eine Niederlage gegen den Briten Nathan Cleverly. Krasniqi: „Ich bin sehr froh, dass ich überhaupt noch einmal diese Chance bekomme. Da wir uns gut kennen, wird das auch ein sehr emotionaler Abend. Der Stärkere soll am Ende gewinnen und dann werden wir uns gegenseitig auch gratulieren.“

Im vergangenen Jahr noch kämpfte Krasniqi eine Gewichtsklasse tiefer, im Supermittelgewicht. „Aber der Kampf gegen die Kilos wurde mir zu anstrengend. Deshalb bin ich wieder im Halbschwergewicht und fühle mich da auch wohler. Ich habe viel trainiert in der kampffreien Zeit und will diesen Titel unbedingt.“ Sein daneben sitzender Trainer Magomed Schaburow nickt zustimmend und sagt: „Motivieren muss ich Robin nicht. Und beim Training muss ich ihn eher bremsen.“

Titelkampf der WBA und IBO

Bei Bösel steht seit März 2019 wieder Dirk Dzemski in der Ecke. Und das krönten beide im vergangenen November mit dem K.o.-Sieg gegen den Schweden Sven Fornling, der Bösel den Interimstitel bei der WBA und die Krone der IBO brachte. Entsprechend gut vorbereitet sein muss Bösel natürlich auch gegen Krasniqi. Dzemski: „Wir nehmen Robin sehr ernst und müssen taktisch auf alles vorbereitet sein, weil wir uns alle gut kennen. Aber wir haben natürlich schon so ein paar Ideen, wie wir den Kampf angehen. Fest steht, dass Dominic der Champ ist. Und das wird er im Ring auch zeigen.“

Zeigen wird sich erneut auch Peter Kadiru. Das SES-Schwergewicht boxt gegen Roman Gorst um die Deutsche Meisterschaft. Nach dem WBC-Junioren-Titel soll nun der erste echte „Männer-Gürtel“ her.

2000 Fans dürfen in die Halle

Beim Boxabend in der Getec-Arena dürfen 2000 Zuschauer dabei sein. Viele Fans hatten sich auch schon Karten für die am 28. März ursprünglich geplante Veranstaltung gekauft. Diese Tickets behalten natürlich ihre Gültigkeit. Bei SES können die Tickets innerhalb der nächsten 48 Stunden direkt umgetauscht werden. Für Karten, die über das Portal Eventim erworben wurden, gibt es Gutscheine, die dann auch wieder nur bei Eventim eingelöst werden können. Zuvor wird aber erst noch online ein neuer Saalplan erstellt.