Magdeburg l Die Fußball-Bundesliga hat es geschafft, dass die Saison wenigstens mit Geisterspielen zu Ende gespielt werden konnte. Beim Basketball wurde der Meister in einem abgeriegelten Turnier ermittelt. Auch geboxt wurde trotz der Corona-Krise in Berlin schon wieder. Aber ebenfalls ohne Zuschauer. Doch wenn am 18. Juli der MDR ab 22.35 Uhr live zum SES-Kampfabend auf die Seebühne schaltet, muss keine künstliche Zuschaueratmosphäre wie bei den Fußball-Übertragungen als Tonoption angeboten werden. Denn es sollen 550 Zuschauer am Ring sitzen.

Als im März der Coronavirus für eine Pandemie sorgte, hielt der Magdeburger Boxstall lange an seinem damals für den 28. März geplanten Kampf- abend fest. Während der Fußball und Handball ruhte, bastelten die SES-Verantwortlichen immer noch an Konzepten, um den Abend in der Getec-Arena noch irgendwie zu retten. Damit Dominic Bösel seinen WM-Gürtel im Halbschwergewicht verteidigen kann, wurde sogar ein Ingenieurbüro beauftragt, um die notwendigen Hygienevoraussetzungen in der Halle zu schaffen. Letztlich musste am 17. März der Kampf dann aber doch abgesagt werden.

SES als Vorreiter im Profisport

Und nun sind Promoter Ulf Stein- forth und Co. die ersten, die auch Zuschauer in den Profisport zurückbringen. „Ich bin sehr stolz darauf, dass wir mit unserem Team ein entsprechendes Konzept entwickeln konnten und damit auch ein Vorreiter auf dem Weg zurück in die Normalität sind“, freut sich Steinforth. Wochenlang hat SES an einem Konzept gefeilt und Ideen entwickelt, um den Kampfabend überhaupt stattfinden zu lassen. „In diesen Zeiten ist viel Kreativität gefordert“, war Stein- forths Motto. Deshalb wurde der Kontakt zu Wissenschaftlern, Virologen und zur Politik weiter intensiviert.

Da ging es zunächst vorrangig darum, für die Boxer, Trainer und Betreuer ein Konzept zu erstellen, um überhaupt in den Ring zu dürfen. Steinforth: „Unser Vorteil gegenüber Mannschaftssportarten ist der kleinere Kreis, den wir im Einzelsport haben. Da kann man natürlich vieles besser steuern.“ Und als die ersten Lockerungen einsetzten, kam die Idee auf, den Boxabend mit Zuschauern in einer Art Autokino zu veranstalten.

Drei getrennte Bereiche

Durch die neue Verordnung des Landes Sachsen-Anhalt konnte diese Möglichkeit aber verworfen werden. Denn aktuell sind für Veranstaltungen unter freiem Himmel sogar wieder bis zu 1000 Zuschauer erlaubt. Und SES hat nach Einreichen des dafür neu angepassten Konzepts vom Gesundheitsamt Magdeburg auch die Ausnahmegenehmigung für bis zu 1000 Zuschauer für diesen „Sommer-Open-Air-Box-Termin“ erhalten. Die teilüberdachte Seebühne im Elbauenpark ist für die SES-Konzeption ideal. Außerdem fanden hier auch schon mehrfach Veranstaltungen statt, wodurch die Veranstalter auf entsprechende Erfahrungen zurückgreifen können. Zuletzt wurde im Juni 2016 auf der Seebühne geboxt.

Geplant sind für den Kampfabend drei abgetrennte Bereiche. Zum innersten gehören natürlich die Boxer, Trainer, Betreuer, Kampfgericht und die unmittelbaren Verantwortlichen wie Steinforth als Promoter selbst. Für diese Personen sind in der Kampfwoche auch Testungen vorgesehen. Und um die Kontakte so weit wie möglich einzuschränken, wird im Gegensatz zu sonstigen Veranstaltungen auf das öffentliche Training verzichtet. Auch das Wiegen findet im kleinen Kreis statt.

Ticketverkauf beginnt am Mittwoch

Obwohl sogar 1000 Zuschauer möglich wären, hat sich SES dafür entschieden, nur 550 Tickets zu verkaufen. Verständlich. SES hat eine große Verantwortung und will den Kreis der Anwesenden deshalb überschaubar halten. Steinforth: „Da Profisport durch die Corona-Krise zuletzt ohne Zuschauer stattfinden musste, wird man da sogar weltweit auf uns schauen.“

Der Ticketverkauf soll über die SES-Tickethotline, ebenfalls online über genius-tickets sowie die Vorverkaufsstelle im Allee-Center und am Ambrosiusplatz 2 gleich heute starten. Wer zu den Glücklichen gehört, muss sich bei der Veranstaltung natürlich auch vorgeschriebenen Hygienemaßnahmen unterziehen. Was das neben überall aufgestellten Desinfektionsspendern genau sein wird, will SES noch zeitnah bekannt geben.