Doha/Magdeburg l Florian Wellbrock schwamm im Zentrum eines Dreiecks aus lauter Athleten der Boje vor der letzten Runde entgegen, so sehr hatte ihn die Konkurrenz am Sonnabend im Persischen Golf in die Zange genommen. Wellbrock hatte zu diesem Zeitpunkt bereits Probleme mit dem linken Arm, der rotierte im Neopren-Anzug nicht mehr so leicht, wie es der Weltmeister gewohnt ist. Und Wellbrock war weit weg von seinem achten Sieg in Serie über die olympischen zehn Kilometer. Doch am Ende war er plötzlich wieder da – gemeinsam mit seinem Teamgefährten Rob Muffels.

Wie auch immer er sich aus dem Pulk der um sich schlagenden Gegner befreit hat, am Ende hat es zum Auftakt des Freiwasser-Weltcups in Doha (Katar) zum dritten Platz gereicht für den 22-Jährigen vom SC Magdeburg. Trotz der Anstrengungen im Neopren-Anzug, der bei den vorherrschenden 17,3 Grad Wassertemperatur vorgeschrieben ist. Nach 1:49:59,3 Stunden schlug Wellbrock also an – nur eine Hundertstel hinter Muffels. Und 12,7 Sekunden hinter Sieger Marc-Antoine Olivier aus Frankreich. „Mit dem dritten Platz kann ich zufrieden sein“, sagte Wellbrock, der gestand: „Das Rennen im Neopren hat mir keinen Spaß gemacht.“

Trainer Berkhahn ist begeistert

Trainer Bernd Berkhahn war dennoch zufrieden. Oder vielmehr: begeistert. „Florian war auf den letzten beiden Runden zwischen Platz 20 und 25 im Pulk eingeklemmt und ist dann auf den letzten 500 Metern aus den Beinen heraus nach vorn geschwommen, weil er Schwierigkeiten mit dem Arm hatte. Das war beeindruckend.“

Beeindruckend war auch Oliviers Zielsprint. Aber dafür hatte wiederum Muffels eine gute Erklärung. „Das Schlusstempo war bei allen nicht besonders hoch, weil einfach alle kaputt waren.“ Der 25-jährige Muffels hatte sich das Leben selbst schwer gemacht, wie auch Berkhahn urteilte. „Ich war weit hinten und bin auch nicht gut weggekommen. Nach einem langen Zwischenspurt konnte ich mich in der dritten, vierten Runde gut positionieren“, so Muffels. Sein zweiter Platz zeigt ihm und Berkhahn allerdings, dass sie in der bisherigen Vorbereitung auf die Olympischen Spiele in Tokio (24. Juli bis 9. August) die richtigen Schwerpunkte gesetzt haben. „Rob konnte sich ins Finish retten, andere Athleten sind auf den letzten Metern eingegangen“, erklärte Berkhahn nämlich die konditionelle Stärke seines Schützlings.

Wunram arbeitet an ihrer Taktik

Über konditionelle Stärke verfügt auch Finnia Wunram, die natürlich gerne besser abgeschnitten hätte als mit einem elften Platz in 1:56:50,2 Stunden und mit 9,1 Sekunden Rückstand auf Leonie Beck, die erstmals ein internationales Rennen für sich entschied.

„Ich bin nicht ganz zufrieden“, sagte Wunram also. „Ich hatte anfangs versucht, vorne in der Gruppe mitzuschwimmen“, sagte die 24-Jährige. Auf der letzten der fünf Runden wollte sie sich in der Spitze festsetzen und den Endspurt vorbereiten. „Ich konnte die Gruppe aber nicht mehr halten. Deshalb ist meine Taktik nicht aufgegangen. Daran werde ich weiter arbeiten.“ Ab heute im Höhentrainingslager in der Sierra Nevada (Spanien).