Magdeburg l Die längste Wäscheleine der Welt wurde am Wochenende in Duisburg gespannt. Eine imaginäre, versteht sich. Sie hatte den Effekt, dass die Kanuten, sie sich über 200, 500 und 1000 Meter an ihr entlang hangelten, tatsächlich trocken ins Ziel kamen. Das berichtete zum Beispiel Michael Müller. Zum Schutz vor der aggressiven Sonneneinstrahlung hatte er vor seinem Start T-Shirt, Mütze und Hose mit Wasser durchtränkt. Als er dann das Ziel erreichte, sorgte allenfalls noch ein Schweißtropfen für ein wenig Feuchtigkeit auf seinem Körper. Die Wäsche war indes trocken.

Aber jeder Schweißtropfen hat sich nicht nur für den Canadier-Fahrer vom SC Magdeburg bei der deutschen Einer-Meisterschaft am Wochenende im Ruhrpott gelohnt. Der 27-Jährige gewann dort zweimal Bronze. Im Kajak holte indes Moritz Florstedt zweimal Bronze, Jasmin Fritz einmal sowie Nina Krankemann Julia Hergert je einmal Silber und Bronze. Die Grün-Roten waren damit durchaus zufrieden. Und ganz besonders Moritz Florstedt: „Wenn ich ehrlich bin, hatte ich mit einer Medaille gar nicht gerechnet“, erklärte er nach seinem Debüt bei der Elite. „Meine Motivation war es eigentlich, bei meinen Starts ins A-Finale zu kommen und dort nicht Letzter zu werden.“

Aber es sollte anders kommen: Der 18-Jährige wurde beim Sieg des Potsdamers Ronald Rauhe (35,436 sek.) über 200 Meter und beim Sieg des Berliners Jacob Schopf (1:37,155 min) über 500 Meter jeweils Dritter (36,436 und 1:38,974). Nur über 1000 Meter verpasste er den Endlauf, belegte im kleinen Finale den zweiten Platz.

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Medaillen für das Paddel

Wenn Florstedt nun darüber nachdenkt, welche Bronzemedaille ihm besser gefällt, würde er sich für jene im kürzesten olympischen Sprint entscheiden. „Weil ich kein Startfahrer bin“, wunderte sich Florstedt, der seine Medaillen an das Paddel, das die Decke seines heimischen Zimmers ziert, hängen wird. „Das Paddel erinnert mich jeden Tag daran, wofür ich das alles mache.“

Und was macht er in Vorbereitung auf das Olympiajahr? Florstedt betont: „Ich werde so trainieren, als würde ich um einen Startplatz bei den Olympischen Spielen in Tokio kämpfen, aber das ist nicht mehr primäres Ziel.“ Sondern ein Platz im U-23-Kader des Deutschen Kanuverbandes (DKV).

Olympia ist sehr wohl das primäre Ziel von Michael Müller. Und er hat sich diesem angenähert mit seinen Ergebnissen in Duisburg, wenngleich kurz vor Ende des 1000-Meter-Finals im C1 das große Leiden begann. „Das ist ja mein allgemeines Problem, dass ich viel auf der Strecke an Zeit herausholen muss, weil ich hintenraus noch nicht das Stehvermögen habe“, berichtete er. An den überragenden Conrad-Robin Scheibner (Berlin), der in 3:57,278 Minuten gewann, kam Müller nicht heran, dafür zog hinter ihm in persona von Sebastian Brendel (Potsdam) und Moritz Adam (Berlin) ein Unwetter auf. „Die beiden habe ich gar nicht gesehen, ich habe einfach versucht, mich ins Ziel zu retten“, sagte Müller.

Olympiasieger Brendel schob sich wenige Meter vor diesem an Müller vorbei, Adam schob sich indes mit Müller auf Bootshöhe. Am Ende teilten sie sich freundlich den dritten Platz in 4:03,663 Minuten. Von Jubel war nach dem Rennen allerdings nichts zu sehen. Wie es ihm ging? „Scheiße“, sagte Müller am Sonnabend lächelnd. „Es ist hier wirklich krass heiß, nur auf dem Wasser weht ein leichtes Lüftchen.“ Das wehte ihm auch tags darauf entgegen, als er über die nichtolympischen 500 Meter in 1:15,258 Minuten ebenfalls zu Bronze fuhr – hinter dem starken Scheibner (1:49,235) und Adam (1:50,356).

Da war Yul Oeltze nicht mehr im Rennen. Der 26-Jährige hatte sich nach seinem neunten Platz über die 1000 Meter von den Meisterschaften verabschiedet. „Wegen anhaltender Rückenprobleme hat sich Yul von allen weiteren Rennen abgemeldet“, erklärte sein Trainer Detlef Hummelt. „Aber er ist hier geblieben, um die Mitstreiter in unserer Trainingsgruppe ,Eisen‘ weiter anzufeuern“, ergänzte der 64-jährige Coach, der in jedem Rennen eine Medaille von seinen Schützlingen gefordert hatte.

„Das Ziel haben wir aber knapp verpasst“, resümierte Hummelt. Nämlich über 200 Meter, als der 22-jährige Felix Gebhardt beim Sieg von Peter Kretschmer (Leipzig) Vierter wurde mit 0,82 Sekunden Rückstand auf Bronze. Rang fünf belegte Nick Dörband. Zudem fuhr Vanessa Silbermann im C1 über 200 und 500 Meter jeweils auf den fünften Platz.

Das leichte Lüftchen wehte auch für die Kajak-Damen, Jasmin Fritz berichtete: „Ich habe mir alle zwei Minuten die Haare nass gemacht, aber sie waren sofort wieder trocken.“ Sofort am Start im K1 über 500 Meter war sie nicht da, trotzdem hat sie das Gefühl: „Das Sprinttraining zahlt sich langsam aus, auch wenn man nach einem halben Jahr keine Wunder erwarten kann.“

Dafür lief es auf der Strecke für sie umso besser. Am Ende belegte sie den dritten Platz in 1:55,941 Minuten und mit 1,772 Sekunden Rückstand auf die dominierende Jule Hake (Lünen), die sich in Abwesenheit der A-Kader Sabrina Hering (erkrankt) oder Tina Dietze und Steffi Kriegerstein (verletzt) auch den Titel über die 200 Meter sicherte.

Edelmetall zum Abschluss

Die letzten SCM-Medaillen gewannen am Sonntag Nina Krankemann und Julia Hergert. Beim Sieg von Sarah Brüßler (Karlsruhe) über die nichtolympischen 1000 Meter in 4:06,105 Minuten kamen Krankemann als Zweite mit 0,666 und Hergert als Dritte mit 0,984 Sekunden Rückstand ins Ziel. Damit hatte sich Krankemann, die am Sonnabend ihren 25. Geburtstag feierte, nachträglich beschenkt.

„Das war ein guter Abschluss für mich“, sagte sie. „Mir hatten auch die Vorläufe über 500 Meter gefallen, nur das Finale war nicht meins, der neunte Platz war nicht das, was ich mir vorgenommen hatte.“ Auch die 20-jährige Hergert sah in ihrer Bronzemedaille den krönenden Abschluss des Wochenendes: „Aber auch mein vierter Platz über die 500 Meter ist keinesfalls schlecht. Andererseits weiß ich, dass ich schneller fahren kann. Das Ergebnis ist also ausbaufähig.“