Kienbaum/Magdeburg l Mitten in diesem Ausscheid öffneten sich am Himmel die Schleusen, der Regen fiel auf die grüne Wiese in Kienbaum, auf die im Training der Diskuswerfer ansonsten Scheiben fallen. Die erste positive Nachricht: Die Athleten sind trocken geblieben, ihren Schwung holten sie im Wurfhaus am Wiesenrand. Die zweite positive Nachricht: Martin Wierig vom SCM hat am Dienstag den zweitbesten Schwung geholt, um seine Zwei-Kilo-Scheibe zum Winterwurf-Europacup nach Leiria (Portugal) am 21./22. März zu werfen.

Dieses Ziel haben David Wrobel und Anna Wierig nicht erreicht. Bereits am Montag musste die 26-Jährige in dieser nationalen Qualifikation die Konkurrenz ziehen lassen. Während Claudine Vita mit 62,01 und die Hallenserin Nadine Müller mit 61,22 Metern als die beiden Besten sich das Ticket nach Portugal sicherten, blieb Wierig mit 55-Meter-Würfen zurück. „Die Weiten entsprechen ihrem derzeitigen Leistungsvermögen“, sagte SCM-Trainer Armin Lemme.

Stark im Krafttest

Wrobel indes war fest gewillt, die Scheibe nach Leiria zu bringen. „Ich bin aber überhaupt nicht in den Wettkampf gekommen“, berichtete er. Erst im vierten der sechs Durchgänge brachte er gestern die Scheibe auf über 60, genauer auf seine beste Weite von 61,21 Metern. „Für diesen Zeitpunkt ist die Weite wirklich nicht schlecht“, meinten der 29-jährige und Coach Lemme unisono. Lemme ergänzte: „David hatte eine gute vergangene Woche, er hat sogar Martin im Training geschlagen, was nicht oft vorkommt. Vielleicht hat ihm deshalb die Ruhe gefehlt, und er hat etwas übersteuert.“ Wrobel ist aber allenfalls enttäuscht, nicht beim Europacup starten zu dürfen. „Über die Weiten mache ich mir keinen Kopf“, sagte er. Denn bis zum eigentlichen Start in die Freiluftsaison Anfang Mai in Halle hat er noch viel Vorbereitungszeit.

Und die bisherige Vorbereitung ist ja nicht schlecht verlaufen, wie der jüngste Krafttest gezeigt hat. In einzelnen Disziplinen ist Wrobel bereits an seine Bestleistungen aus dem Sommer herangekommen. Im Stoßen auf 180 (Bestwert: 185), im Reißen auf 105 (110) Kilogramm. „Da sind gute Werte“, urteilte Lemme. „Und deshalb ist alles in Ordnung.“

Nur Jasinski wirft weiter

Das ist es auch für Martin Wierig, derzeit ist es vielleicht mehr als in Ordnung. „Ich habe im Reißen meine absolute Bestleistung aufgestellt“, berichtet er nicht ohne Stolz. 120 Kilo nämlich. Im Stoßen stellte der er seinen persönlichen Rekord mit 187,50 Kilo zudem ein.

Und im Werfen? Da musste der 31-Jährige in Kienbaum nur Daniel Jasinski den Vortritt lassen. Dabei war gar nicht klar, ob der Bronzegewinner bei den Olympischen Spielen 2016, überhaupt an dem Ausscheid teilnehmen würde. Zuletzt plagten den 30-jährigen Leverkusener Rückenschmerzen. Schon im vergangenen Jahr hatte er nur wenige Einsätze, konnte kaum Punkte sammeln für die internationale Rangliste, die für die Sommerspiele in Tokio (24. Juli bis 9. August) noch entscheidend werden könnte.

Zufrieden mit der Technik

Deshalb will er nun in Portugal erstmals aufholen, was ihm 2019 verwehrt geblieben ist. Mit 63,63 Metern erreichte er sein erstes Ziel. Mit 20 Zentimetern weniger belegte Wierig den zweiten Platz.

„Ich bin zufrieden mit meiner Leistung, vor allem funktionierte die Technik gut“, erklärte der Magdeburger, der mit der SCM-Gruppe noch bis Freitag in Kienbaum trainieren wird. Unter anderen mit Henrik Janssen. Und das ist die letzte positive Nachricht: Auch der 21-Jährige hat den U-23-Ausscheid für den Start in Portugal mit 57,48 Metern für sich entschieden.